Echter Sportler auf Mazda-Basis Pure Fahrmaschine: AZ testet den Abarth 124 Spider

Die auffällige Lackierung ist Serie, und wer Understatement bevorzugt, sollte um den Abarth 124 Spider einen großen Bogen machen. Allein das Motorengeräusch sorgt für Beachtung. Foto: Rudolf Huber

Der Abarth 124 Spider ist ein echter Purist mit nach oben offenem Spaß-Potenzial. Er ist alles andere als praktisch. Genau das macht seinen Reiz aus.

München - Kaum Platz für die maximal zwei Passagiere, mickriger Kofferraum, tiefer Einstieg, bretthartes Fahrwerk. Lauter Faktoren, die man je nach Geschmack positiv oder negativ werten kann. In unserem Fall ist die optimistische Sichtweise angesagt, schließlich sind wir mit dem Abarth 124 Spider unterwegs, einer Rennsemmel von besonderem Format. Nix romantischer Latin Lover, sondern knallharter Sportler für Puristen – eine sehr emotionale Angelegenheit.

Die Basis des Abarth ist wie bei dessen sanfterem Bruder Fiat 124 Spider der aktuelle Mazda-Roadster MX-5. Keine schlechte Wahl, denn der bringt ja seit langem Fahrspaß auf die Straße. Fiats schnelle und sportliche Tochter Abarth hat die Sache noch etwas zugespitzt und dazu an so ziemlich allen Stellschrauben gedreht. So leistet der 1,4-Liter-Turbo muntere 170 PS, die mit dem 1.135 Kilo schweren Gerät keine erkennbare Mühe haben. Die 100er-Marke ist nach 6,8 Sekunden erreicht, die Spitze liegt bei 224 km/h. Beeindruckend ist der Sound, den die Techniker aus dem ja eher schmalbrüstigen Hubraum herausholen – schon der erste Dreh am Zündschlüssel löst eine Gänsehaut aus, so fett und laut brabbelt, sprotzt und blubbert der kleine Vierzylinder vor sich hin. Morgens eben mal leise aus der Garage verschwinden? Keine Chance!


Der Sound aus den zwei Auspuff-Endrohren ist, sagen wir mal, beeindruckend. Foto: Rudolf Huber

Purer Rennspaß ab 40.000 Euro

Das Sechsgang-Getriebe lässt sich mit kurzen Wegen knapp und zackig durchschalten, die Anschlüsse passen, um jeweils wieder auf verwertbare Leistung zu stoßen. Dass es der Abarth gerne etwas höhertourig mag, ist nicht überraschend, schließlich steht die Maximalleistung bauartbedingt erst bei 5.500 Umdrehungen parat. Der Verbrauchswert bewegt sich im Test mit 7,6 Liter im akzeptablen Bereich – von nichts kommt schließlich nichts. Die Brembo-Bremsanlage sorgt bei Bedarf für eine geradezu brutale Verögerung, das Bilstein-Fahrwerk ist absolut ehrlich: Rauh, aber herzlich führt es den Spider auch um gemeine, zu schnell angefahrene Kurven, lässt dabei keinerlei Zweifel über den Straßenzustand. Dank des Heckantriebs kann man mit dem 124er speziell auf feuchter Straße auch mal ein bisschen mit dem Heck wedeln, denn das ESP greift zwar zuverlässig, aber recht spät ein.

Immer ein Genuss ist die Betätigung des Faltverdecks. Entriegeln, nach hinten werfen, draufdrücken – das war's. Schneller lässt sich nach oben unlimitierte Offenheit nicht herstellen. Das kleine Windschott zwischen den Kopfstützen sorgt dafür, dass man auch bei hohem Tempo einigermaßen geschützt sitzt. Und: Mit diesem Begleitsound macht Offenfahren noch mehr Spaß. Wie bereits erwähnt, ist das Platzangebot recht begrenzt, Menschen über 1,80 Meter oder über 80 Kilo sollten den Abarth 124 Spider vor dem Kauf unbedingt ausführlich ausprobieren. Handschuhfach gibt es keins, ein abschließbares Klappfach hinter den Sitzen muss reichen. Und der Kofferraum? Eng, tief, 140 Liter groß – Roadster sind nun mal keine praktischen Autos.

Aber sie sind Autos für alle Sinne, im speziellen Fall trägt der Fahrer eigentlich immer ein dickes Grinsen im Gesicht. Denn der Abarth kommt purem Fahrspaß auf Rädern schon ziemlich nah. Und das ab exakt 40.000 Euro.

 

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