Duell gegen Inter Trauerbiest will Feiertag

Louis van Gaal will sich mit einem Triumph aus München verabschieden. Foto: firo/Augenklick

Louis van Gaal hofft auf ein Weiterkommen gegen Inter – damit eine verloren geglaubte Saison noch ihr versöhnliches Ende findet.

 

München -  Und dann kam noch eine Frage aus der letzten Reihe des Auditoriums, direkt unterhalb der Kameras. Louis van Gaal hatte den Arm gehoben und ließ sich das Mikrofon bringen, auch der Bayern-Trainer wollte etwas wissen von seinem Stürmer Mario Gomez während der Pressekonferenz vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Inter Mailand (20.45 Uhr, Sky und Sat 1 live).

„Mario, in welcher Minute werden Sie ein Tor machen?”, fragte van Gaal. Gomez antwortete brav: „Trainer, in welcher Minute wünschen Sie sich's denn?" Daraufhin seufzte der Coach: „Ach, wenn es so einfach wäre.” Ist es doch - vertraut man zumindest der Statistik: Bayern kommt weiter, denn: 22 Mal hat man ein Hinspiel eines K.o.-Duells auswärts gewonnen und ist danach bis dato immer in die nächste Runde eingezogen. Nun geht man mit einem 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel in Mailand in die Partie.

„Wenn wir gewinnen oder weiterkommen gegen Inter, ist es ein großer Feiertag – für den gesamten Verein. Denn dann schlagen wir den amtierenden Europameister”, sagte van Gaal. Er meinte: Europas Nummer eins, den Titelverteidiger. Eben die Mannschaft, die Bayern im Endspiel am 22. Mai 2010 mit 2:0 bezwungen hat. Doch es wäre mehr als ein Feiertag, es wäre die Rettung einer verloren geglaubten Saison. Das Viertelfinale war die Vorgabe des Vorstands - der Rest besteht aus Losglück, Tagesform und Unwägbarkeiten. In der Liga ist man abgeschlagen, kämpft nur noch um die Trostplätze zwei, drei oder vier, im Pokalhalbfinale an Schalke (0:1) gescheitert. Längst ist aus dem Feierbiest der letzten Saison ein Trauerbiest geworden. Doch nun ist auch für van Gaal die Chance auf eine Entschädigung auf großer Bühne da – ein Rettungsspiel. Kein Titel, für van Gaal aber mehr als nur eine persönliche Genugtuung. „Ich denke, dass wir dann fast alle Ziele erreicht haben, dann kann ich durch das große Tor eines sehr schönen Klubs hin-ausgehen.”

Er hat mit Genugtuung vernommen, dass man ihm bereits nachtrauert. Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer etwa: „Ich find's schade, dass er geht”, sagte er bei „Sky90”. Denn: „Van Gaal hat das großartig gemacht, er hat Bewegung in den Verein gebracht, der Mannschaft eine Philosophie gegeben, eine Struktur." Van Gaal lächelte, sagte: „Das freut mich. Beckenbauer ist eine Vereins-Ikone, ihm kann ich nicht widersprechen." Es herrschte gute Laune bei den Bayern, das 6:0 gegen den HSV hat das Lächeln zurückgebracht. Und das „Mia-san-mia”- -Gefühl ebenso. „Ich bin der Meinung, dass wir in zwei Spielen die bessere Mannschaft sein werden", sagte Bastian Schweinsteiger vor dem Achtelfinal-Rückspiel, „Inter weiß, dass sie ein Tor machen müssen - aber das müssen sie gegen uns erstmal schaffen. Wir werden unsere Chancen bekommen." Dazu kommt: „Ich kann versichern, dass das Verhältnis zwischen dem Trainer und Spielern stimmt. Wir wollen, dass er einen guten Abschied hat. "

Mit dem Pott in Händen? Wird dann die vorzeitige Trennung rückgängig gemacht? „Dann habe ich meine Arbeit wahrscheinlich gut gemacht", sagte van Gaal – aber: „Wir separieren uns am Ende dieser Saison, weil wir eine unterschiedliche Philosophie haben. Ich denke nicht, dass das noch gedreht wird. Aber ich bin traurig, dass ich meine Arbeit nicht weitermachen kann.” Das Trauerbiest will noch einen Feiertag. 

 

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