Dreiteiler im TV So war "Das Adlon" (Teil 1) im ZDF: Die AZ-Kritik

Szenen aus "Das Adlon. Eine Familiensaga" Foto: Stephanie Kulbach/ZDF

Handliche Portionen von Diskretion und Skandal zwischen der Hotel-Eröffnung 1907 und der Wiedereröffnung 1997: So war der erste Teil von "Das Adlon" im ZDF. Die AZ-Kritik von Ponkie.

 

Mit pompös melodramatischen Gründerzeit-Ritualen wirft sich die dreiteilige Hotellegenden-Kostümsoap „Das Adlon“ (Buch: Rodica Döhnert, Uli Edel, Regie: Uli Edel, ZDF) ins Gefecht. Viel Aufwand für uns Society-Voyeure, die wir angeblich immer alles mit theatralischen Ausrufungszeichen sehen wollen: Eine steifleinene Buddenbrook-Attitüde mit dem emotionalen Überdruck der wilhelminischen Klassengesellschaft, in der Sunnyi Melles als bleiche reiche Horrorneurosen-Mutter die Schwangerschaft ihrer Tochter (Liebe zu einem Kutschersohn!) mit adeliger Offiziersheirat zu kaschieren trachtet.

Als finstere Standesmegäre herrscht sie über die Sitte-und-Anstands-Fassade der Generationen. Der geldprotzende Gatte und Vater (Thomas Thieme) will derweil Zeichen setzen und investiert in die Hotelvision seines Freundes Lorenz Adlon (Burghart Klaußner).

So kriegt man, in wechselnden Zeitsprüngen zwischen der Eröffnung 1907 und der Wiedereröffnung 1997, das gesamte Arsenal von Liebe, Profitgier, Feudal-Odeur und Schicksalskatastrophen in handlichen Portionen von Diskretion und Skandal übergebraten. Und im Hintergrund raunt geheimnisvoll Rosemarie Fendel als 90-jähriger Ehrengast zur Wiedereröffnung des Hotels.

Die Mixtur von Historienlegende und Trivialroman ist so schlicht wie schlau gemacht und bedient unsere Klatschblätter-Mentalität mit der Vortäuschung eines Bildungsromans in großem Ausstattungs-Glamour: Das Hotel als roter Teppich für eine Spitzenbesetzung – das reicht für Spannung und Neugier.

 

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