Drama um Gerd Müller Alzheimer - Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen

Gerd Müller ist an Alzheimer erkrankt. Foto: Augenklick

Sie bedroht das Ich durch Erinnerungsverlust und betrifft immer mehr Menschen: 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Alzheimer. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

 

München - Der deutsche Rekord-Stürmer Gerd Müller leidet an einer Alzheimer-Erkrankung. Wie der FC Bayern am Dienstagabend bekanntgab, steht der einstige "Bomber der Nation" seit Anfang Februar unter professioneller Betreuung.

Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag am 3. November bitten der deutsche Fußball-Rekordmeister und die Familie des Weltmeisters von 1974 um Verständnis, dass es keine öffentlichen Auftritte anlässlich des Jubiläums geben werde.

In Deutschland sind rund 1,2 Millionen Menschen erkrankt - und es werden immer mehr. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die unheilbare Volkskrankheit.

Wann wurde Alzheimer bekannt?

„Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“: So hatte der Münchner Arzt Alois Alzheimer im Jahre 1906 den Fall einer Frankfurter Patientin beschrieben. Schnell wurden weitere solcher Fälle bekannt und auch bereits als „Alzheimer“ bezeichnet.

Alzheimer gleich Demenz?

Demenz und Alzheimer werden oft synonym benutzt. Ein Fehler, denn Alzheimer ist lediglich eine von mehreren Formen der Demenz. Allerdings mit 60 Prozent die bei weitem häufigste.

Was genau ist Alzheimer?

Alzheimer ist eine fortschreitende, degenerative und unheilbare hirnorganische Krankheit. Zellen bestimmter Gehirnregionen funktionieren zunächst nicht mehr und sterben schließlich ab.

Wie viele Menschen leiden darunter?

Alzheimer ist eine Volkskrankheit. Schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen leiden nach Schätzungen der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) in Deutschland an dieser Demenzform. 70 Prozent von ihnen werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Da die Gesellschaft immer älter wird, wird auch die Zahl der Alzheimer-Patienten steigen. Im Jahre 2050, so schätzt man, wird es drei Millionen Betroffene geben.

Wer gehört zur Risikogruppe?

Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Wer jünger ist als 60, erkrankt nur in den seltensten Fällen.

Was ist die Ursache von Alzheimer?

Die ist immer noch unbekannt. Wissenschaftler glauben aber, dass es mehr als nur einen Grund gibt und die Krankheit eher auf einer Reihe von Störungen beruht. Eine davon sind die Eiweißablagerungen im Gehirn, die „Alzheimer-Plaques“ (siehe Grafik).

Wie zeigen sich die Symptome?

Alzheimer macht sich durch Gedächtnisverlust, Verlust der Sprachfähigkeit und des Urteilsvermögens, weitgehende Veränderungen der Persönlichkeit sowie starke Stimmungsschwankungen bemerkbar.

Wie ist der Verlauf?

Man unterscheidet drei Stadien. Im Frühstadium treten kleinere Gedächtnislücken und Stimmungsschwankungen auf. Die Betroffenen sprechen und denken langsamer. Doch die Krankheit bleibt noch meist unbemerkt. Im mittleren Stadium wird die Krankheit dann offensichtlich. Eine selbstständige Lebensführung ist kaum noch möglich. Die Erkrankten erkennen vertraute Gesichter zunehmend schlechter. Während ihnen die Erinnerung an lange Vergangenes bleibt, erinnern sie sich an die jüngsten Ereignisse immer weniger. Spätes Stadium: Die Alzheimer-Patienten sind nun rund um die Uhr pflegebedürftig. Das Langzeitgedächtnis schwindet, das Sprachvermögen beschränkt sich auf wenige Worte, vertraute Personen werden nicht mehr erkannt. Aufgrund der mangelnden Abwehrfähigkeit ihres Immunsystems leiden Alzheimer-Patienten in diesem Stadium häufig an einer Lungenentzündung, an Infektionen oder anderen Krankheiten. Dieses letzte Stadium führt zum Tod.

Wie lange dauert die Krankheit?

Die durchschnittliche Dauer der Krankheit beträgt sieben Jahre ab Diagnose. In einigen Fällen dauert die Krankheit aber bis zu 20 Jahren. Je später der Erkrankungsbeginn, desto kürzer ist die Krankheitsdauer.

Gibt es Heilungschancen?

Eine Demenz, die beispielsweise durch Infektion oder Nährstoffmangel ausgelöst wurde, kann sich wieder zurückbilden. Es ist aber zurzeit nicht möglich, eine Rückbildung der Demenzform herbeizuführen, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst wird und die aus der fortschreitenden Zerstörung von Hirnzellen resultiert. Es gibt allerdings Medikamente, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen können.

Wie ist der Stand der Alzheimer-Forschung?

Heilen nein, noch stärker bremsen schon – das ist derzeit zumindest die große Hoffnung der Alzheimer-Forscher. „Wir sind so zuversichtlich wie noch nie“, zitiert die „Zeit“ den Heidelberger Molekularbiologen Konrad Beyreuther. „Wir werden den Verfall aufhalten können.“ Grund für seinen Optimismus sind zwei neue Wirkstoffe. Beide Präparate werden gerade an erkrankten Menschen getestet – den Pharmaunternehmen zufolge machen die vorläufigen Ergebnisse große Hoffnung. Die Mittel scheinen das Fortschreiten der Krankheit fast zu stoppen.

 

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