Dortmunder Tatort Star Anna Schudt : "Ich glaube nicht wirklich an die Quote"

Anna Schudt mit ihrem Kollegen und Film-Bruder Aurel Manthei in "Mordshunger" Foto: ZDF/Martin Valentin Menke

Die Schauspielerin Anna Schudt hat ein Händchen für Krimis: Als Hauptkommissarin Martina Bönisch ermittelt sie im Dortmunder "Tatort" - jetzt geht sie im ZDF auch als Köchin auf Verbrecherjagd. Ob sie einer der Rollen im Zweifelsfall den Vorzug geben würde und woran es ihrer Ansicht nach im deutschen Fernsehen mangelt, verrät sie spot on news.

 

Dortmund - Anna Schudt (39) macht sich derzeit auf, eines von Deutschlands bekanntesten TV-Gesichtern zu werden: Denn die Schauspielern ist aktuell nicht nur Dortmunds "Tatort"-Kommissarin - sondern geht ab Samstag auch für das ZDF zu guter Sendezeit auf Verbrecherjagd (21.45 Uhr): In der Reihe "Mordshunger" spielt sie die Köchin Britta, die ihrem Bruder permanent bei seinen Ermittlungen ins Handwerk pfuscht. Am Samstag zeigt das Zweite die erste von vier Folgen der eher locker aufgemachten Krimiserie.

Dabei hat das Projekt durchaus Brisanz: Denn so ganz klar ist nicht, ob das Erste Schudt dauerhaft eine zweite ermittelnde TV-Tätigkeit neben dem "Tatort" gestatten wird. Über die Frage, was sie im Falle eines Konflikts zwischen den beiden Rollen machen wird, hat Schudt mit der Nachrichtenagentur spot on news gesprochen. Aber auch zur Lebenszeit des aktuellen Krimihypes und Schwächen der deutschen Fernsehlandschaft äußert Schudt ihre eigene Meinung.

Frau Schudt, Sie sind zur Zeit in gleich zwei Krimiproduktionen zu sehen - haben Sie eigentlich eine persönliche These, warum Krimis derzeit im deutschen Fernsehen so populär sind?

Anna Schudt: Darüber habe ich auch schon nachgedacht, aber keine erhellende Antwort gefunden. Ich denke, dass das gerade eine Welle ist, die dann auch wieder abebben wird. Momentan gibt es schon sehr, sehr viele Krimis. Überall ist Mord und Totschlag.

Ziemlich erfolgreich sind ja auch die sogenannten "Landkrimis". Passt ihr neues Projekt "Mordshunger" auch in diese Reihe?

Schudt: "Mordshunger" spielt ja auf dem Land: Deswegen, klar, das ist auch ein Landkrimi. Ich denke, der Erfolg dieser Formate hat damit zu tun, dass man neben den ganzen harten Krimis auch immer wieder etwas Freundliches dabei haben will. "Mordshunger" ist ja auch einfach eine warme Geschichte. Das ist weder ein kühler Look, noch sind es kühle Menschen. Es ist ein bisschen was Skurriles und ein bisschen was Herzerwärmendes dabei und die Leute sind alle freundlich und direkt und nicht abweisend oder bösartig. Das ist ein Kontrapunkt zu dem, was sonst so an harten Krimis gesendet wird.

Am Samstagabend wird die erste Folge "Mordshunger" gezeigt - sind Sie als Schauspielerin eigentlich in solchen Momenten gespannt, wie die Quote ausfällt?

Schudt: Eigentlich glaube ich nicht wirklich an die Quote. Das ist ja ein Wert, der gar nicht messbar ist, sondern nur ein Überschlag. Aber natürlich kommt man als Schauspieler um die Frage nicht herum. Allein schon weil wir mittlerweile total abhängig von der Quote sind: Die Quote bestimmt, ob irgendetwas weitergemacht wird oder nicht. Bei Mordshunger hoffe ich sehr, dass sie passt und es weiter geht.

Ein gutes Stichwort. Denn in der Vergangenheit wurde spekuliert, dass ihre Auftritte bei "Mordshunger" dem Ersten missfallen könnten. Normalerweise dürfen "Tatort"-Kommissare ja keine zweite Ermittlerrolle im Fernsehen inne haben. Meinen Sie, da wird es noch Probleme geben?

Schudt: Das ist eine Entscheidung, die zwischen den Sendern fällt. Aber die ARD wusste ja, was ich da mache und das wurde genehmigt - warum auch nicht? Es würde mich sehr wundern, wenn es nicht weitergehen könnte. Was meine Britta in "Mordshunger" macht, ist ja keine Ermittlertätigkeit. Sie ist keine Polizeiangestellte oder Kommissarin, sondern Köchin. Und die Figuren sind so unterschiedlich, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sich das in die Quere kommt.

Mal angenommen, es käme zum Konflikt: Hätte der "Tatort" für Sie Vorrang?

Schudt: Ich gehe im Moment davon aus, dass das alles so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann muss ich darüber nachdenken.

Können Sie denn schon einen kleinen Ausblick auf die kommenden "Tatort"-Episoden geben?

Schudt: Die beiden "Tatorte", die wir jetzt gerade abgedreht haben, werden mit der Problematik abschließen, die die Figur der Martina Bönisch in den ersten beiden "Tatorten" hatte. Die Familienproblematik und die Callboy-Geschichte - das wird erst mal alles zu Ende erzählt. Das heißt aber nicht, dass die Figuren erlöst werden. Es wird neue innere Konflikte in den nächsten Folgen geben. Welcher Art, das weiß ich aber selber noch nicht. Es gibt Überlegungen, aber noch nichts Konkretes. Jetzt geht es erst mal darum, dass die Figur mit ihrem neuen Chef zusammen eine neue Art der Ermittlung entwickelt.

Ein kleiner Skandal war auch, dass sich Ihre Figur, Hauptkommissarin Martina Bönisch, in einer Szene einen Callboy bestellt hatte...

Schudt: Ich fand es ausgesprochen überraschend, dass das so hochgehängt wurde! Das sind ja nur zehn Sekunden in der Folge - darauf hatte ich gar kein besonderes Augenmerk gerichtet. Ich fand es als Farbe für die Figur total super, dass sie so anarchisch agiert, in diesem Moment. Aber dass das so aufgebauscht wurde - das war schon sehr seltsam. Auf der anderen Seite fand ich das aber auch amüsant. Ich dachte: 'Aha, guck mal, wenn eine Kommissarin das macht, dann scheint das irgendwie eine Wichtigkeit zu haben.'

Sie haben sich in der Vergangenheit auch schon mal kritisch über den Zustand des deutschen Fernsehens geäußert. Haben Sie denn konkrete Vorstellungen, was anders laufen müsste?

Schudt: Natürlich wäre es für mich als Schauspielerin wünschenswert, wenn Reihen mit längerem Atem geplant würden - wie bei guten amerikanischen Serien. Dort geht man von einem Kernpunkt aus und spinnt Fäden über zehn Folgen. Das ist ein großer Vorteil. Denn wenn man nur vier Folgen hat, muss natürlich nach vier Folgen auch Schluss sein können - und dann muss man wieder von vorne ansetzen. Wenn denn die Quote stimmt. Das zu ändern wäre mein großer Wunsch. Aber dafür braucht es Mut und Geld. Ich glaube, das ist in Deutschland noch nicht soweit.

 

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