Domino-Effekt durch De Bruyne Draxler und Co.: Hektik zum Transfer-Ende

Julian Draxlers Berater hat den Wechsel seines Schützlings von Schalke nach Wolfsburg gegenüber "Sport1" bestätigt. Draxler erhält einen Vertrag bis 2020. Foto: dpa

Am letzten Tag der Transferperiode ging's nochmal hoch her. Der Wechsel von Julian Draxler von Schalke nach Wolfsburg ist Sinnbild einer Entwicklung, die Fluch und Segen zugleich ist.

 

Frankfurt/Main - Der letzte Akt im überhitzten Wechsel-Theater der Fußball-Bundesliga erlebt mit dem zweitteuersten innerdeutschen Transfer der Geschichte den erwarteten Schlusspunkt.

Für geschätzte 35 Millionen Euro verlässt Weltmeister Julian Draxler seinen Herzensverein Schalke 04 und heuert als Nachfolger von Kevin De Bruyne beim VfL Wolfsburg an.

Die Schalker bestätigten den Deal am Montag: Zu den 35 Millionen Euro Ablöse sollen weitere Bonuszahlungen bis zu sieben Millionen Euro kommen. Schalke nannte das ganze zumindest die "wirtschaftlich größte Einnahme" durch einen Transfer in der Klub-Geschichte.

Der 21-jährige Draxler wurde auch vom italienischen Rekordmeister und Champions-League-Finalisten Juventus Turin umworben. Zuvor hatten sich die Wölfe auch die Dienste des brasilianischen Innenverteidigers Dante vom FC Bayern gesichert. Als Ablösesumme für den WM-Teilnehmer sind vier Millionen Euro im Gespräch.

Mehr Geld zwischen zwei deutschen Vereinen war bisher nur beim Transfer von Mario Götze geflossen, für den Rekordmeister FC Bayern vor zwei Jahren 37 Millionen Euro an Borussia Dortmund überwies. Nie zuvor sind in der Weltmeister-Liga so viele Millionen bewegt worden wie in dieser Sommerpause.

Fußballer Julian Draxler spielt beim FC Schalke, seitdem er sieben Jahre ist. Also schon ganz schön lang. Darauf ist der Verein stolz. Denn viele Experten sagen, dass Julian Draxler ein besonders guter Fußballer ist.

Deshalb wollte Schalke eigentlich, dass der 21-Jährige weiterhin für den Verein kickt. Doch seit Montag steht fest: Julian Draxler wechselt zum VfL Wolfsburg - für richtig viel Geld.

Der VfL Wolfsburg kann es sich leisten, so tief in die Tasche zu greifen: Am Sonntag verkaufte er Kevin De Bruyne für mehr als doppelt so viel Geld.

Der Abgang von De Bruyne zu Manchester City für rund 75 Millionen Euro sorgte für einen Rekordtransfer und animierte den Pokalsieger und Vizemeister zu einer ausgedehnten Shoppingtour. Doch auch andere langten richtig zu. Während die Bayern die rund 67 Millionen Euro für Arturo Vidal (Juventus Turin) und Douglas Costa (Schachtjor Donezk) von ihrem Festgeldkonto überwiesen, reinvestierten die meisten anderen Vereine die üppigen Einnahmen aus Spielerverkäufen nach England.

Bayer Leverkusen etwa. Nach dem Verkauf von Heung-Min Son an Tottenham Hotspur für 30 Millionen Euro lockte der Werksclub nach Kevin Kampl von Borussia Dortmund auch Javier Hernández vom Schweinsteiger-Club Manchester United an den Rhein. Der Mexikaner, den alle nur Chicharito rufen, absolvierte am Montag bereits den Medizin-Check.

Der FC Augsburg konnte sich dank der 25 Millionen Euro, die Chelsea für Abdul Rahman Baba auf den Tisch legte, die fünf Millionen Euro teure Rückkehr von Ja-Cheol Koo (FSV Mainz 05) leisten. Und nicht zu vergessen: 1899 Hoffenheim kassierte vom FC Liverpool 41 Millionen Euro für den Wechsel von Roberto Firmino - der zweitteuerste Transfer der Bundesligageschichte.

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Doch nicht alle bekamen etwas ab vom großen englischen Kuchen. Traditionsvereine wie der Hamburger SV, VfB Stuttgart, 1. FC Köln oder Eintracht Frankfurt konnten nur in begrenztem Maße einkaufen.

"Jeder durchschnittliche Spieler kostet heute 20, 30 Millionen Euro. Wo soll das hinführen", klagte Eintracht-Trainer Armin Veh. "Diese Fabelsummen sorgen für Unruhe. Ich halte das für völlig ungesund. Die Bundesliga wird dadurch Probleme bekommen."

Nicht nur Volkswagen-Chef Martin Winterkorn fürchtet angesichts der Kaufkraft der englischen Clubs in Zukunft um die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga. "Wenn die Verhältnisse so sind, dass solche Summen bezahlt werden, muss man sich überlegen, was man in Deutschland macht, um den Ausverkauf zu verhindern", zitierten diverse Medien am Montag den Chef der Konzernmutter des VfL Wolfsburg.

Beim Poker um De Bruyne hätten selbst die Bayern nicht mithalten können. Immerhin soll der belgische Jungstar in Manchester 20 Millionen Euro pro Saison verdienen. Doch auch in Deutschland droht der Markt zu überhitzen.

Am "Deadline Day", dem letzten Tag der Transferperiode, herrschte bei den Vereinen jedenfalls noch einmal der Ausnahmezustand. Praktisch im Minutentakt gab es Spekulationen über bevorstehende Transfers. Vollzugsmeldungen standen in den meisten Fällen am frühen Nachmittag aber noch aus.

 

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