DNA-Fund am Unfallort Eine Kippe kann den Radl-Rambo überführen

Eine Zigarette als Spurenträger: An der Kippe vom Unfallort klebt die DNA des Radlrambos. Im kleinen Bild: Der pensionierte Grundschullehrer Orhan S. schwebt seit dem Unfall in Lebensgefahr. Foto: fotolia/dpa

Kurz vor seiner Flucht vom Unfallort raucht der Gesuchte eine Zigarette – die Polizei hat die Reste sichergestellt. Der angefahrene Rentner (74) schwebt weiter in Lebensgefahr

 

München - Der Gesundheitszustand von Orhan S. (74) hat sich am Wochenende noch einmal verschlechtert. Am Samstag holten die Ärzte vom Klinikum rechts der Isar den Rentner aus dem künstlichen Tiefschlaf, in den sie ihn zur Heilung versetzt hatten. Doch dann fiel der Mann von allein zurück ins Koma. „Das Stammhirn ist betroffen“, berichtet sein Sohn Cenk (44) der AZ tieftraurig.

Wie berichtet, war Orhan S. am Mittwoch gegen 23 Uhr an der Hansastraße von einem etwa 30-jährigen Geisterradler mit kurzen, schwarzen, leicht krausen Haaren zusammengefahren worden.
Der Rentner war wegen eines parkenden Lieferwagens auf dem Gehweg ausgewichen auf den Radweg. Er hatte sich noch umgeschaut, aber mit einem Radfahrer aus der falschen Richtung, der ohne Licht fuhr, konnte er nicht rechnen. Der etwa 1,90 Meter große Mann fuhr den Rentner aus voller Fahrt um. Orhan S. stürzte auf den Asphalt, er erlitt einen Schädelbruch und eine Hirnblutung, brach sich das Joch- und Stirnbein.

Der Radler blieb zuerst am Unfallort – und rauchte eine Zigarette. Doch als der Krankenwagen eintraf, warf der Mann die noch brennende Kippe weg, schwang sich auf sein Rad, vermutlich ein schwarz-weißes Mountainbike, und ergriff die Flucht.  Bis gestern hat der Geisterradler keine Verantwortung für sein Verhalten übernommen, sich nicht gestellt. Doch die Polizei hat jetzt seinen „genetischen Fingerabdruck“: Auf der Zigarettenkippe hinterließ der feige Unfallfahrer Spucke und damit seine DNA.

Den Hinweis verdankt die Polizei einer Bekannten, die am Unfallabend mit Orhan S. und dessen Frau spazieren ging. Sie hatte gesehen, wie der Radler eine Zigarette rauchte, machte die Beamten darauf aufmerksam. Die Kippe wurde sichergestellt.

Im Krankenhaus rechts der Isar versucht die Familie von Orhan S. derweil verzweifelt den geliebten Ehemann, Vater und Großvater zurück ins Leben zu holen. Den ganzen Tag wachen die Familienmitglieder auf der Intensivstation am Krankenbett, abwechselnd halten sie Orhan S. die Hand, streicheln ihn, sprechen ihm Mut zu, beten für ihn. Und sie versuchen den 74-Jährigen im Koma an kleine Alltäglichkeiten zu erinnern, die er mochte. Wie mit dem Satz: „Papa, steh auf, ich habe schon Kaffee gemacht.“

 

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