Django Asül Meine narrische Fußball-Woche

Kabarettist und AZ-Kolumnist Django Asül blickt zurück auf eine verrückte Fußball-Woche Foto: firo

Götze-Hammer, Barça-Gala und 1860-Chaos sind nur drei von sieben Höhepunkten der vergangenen sieben Münchner Tage. AZ-Kolumnist Django Asül blickt zurück auf die unvergesslichen Ereignisse

 

Was muss das für eine Woche gewesen sein, wenn das Spiel des Jahres gegen Barcelona (!) nur noch als Kollateralereignis wahrgenommen wird?

Seit Dienstfrüh weiß man: Diese Woche wird keine gewöhnliche Woche. Um 10.23 Uhr verkündet der BVB: Mario Götze wechselt zum FC Bayern. Zwar nicht sofort, aber doch eher als man dachte. Für schlappe 37 Millionen.

Als dies dem Investor Hasan Ismaik zu Ohren kommt, schreibt er sofort einen Brief an den TSV 1860, dass er alle bestehenden Darlehen kündigen wolle. Von den zukünftigen ganz abgesehen. Die Löwen in Schockstarre.

Daraufhin demolieren die Bayern Messi und Co. mit 4:0. Obwohl gegen Uli Hoeneß ein Haftbefehl vorlag im März. Was wiederum Robert Lewandowski nicht davon abhält, sein Jahresgehalt in einem Spiel zu amortisieren mit vier Toren gegen Real. Was ihn zum Bayer in spe macht.

Summa summarum eine Woche, die man erfinden müsste. Um dann den Erfinder für narrisch zu erklären. Diese Woche wird nicht in die Geschichte eingehen. Sondern eher umgekehrt.

GÖTZE-HAMMER

Götze zu Bayern! Eine größere Nachricht diese Woche wäre allenfalls gewesen: Papst Benedikt wird nach Auszeit neuer 1860-Manager. Einen Tag vor dem wichtigsten Dortmunder Heimspiel diese Nachricht zu lancieren, ist mehr als verwegen. Mehr Druck konnte man Jungstar Götze nicht mitgeben. Und was macht der gute Mario? Düpiert die Real-Ikonen. Wäre dieses Spiel der einzige Gradmesser für die Qualität, müssten Özil und Khedira sich anderen Hobbys widmen an Länderspieltagen

INVESTOR-ESKALATION

Der Investor hat es eingesehen: Die Löwen und er, das passt so gut wie eine Fußball-WM in Katar. Und deshalb hat er seine Kredite gekündigt. Vielleicht hat das die Löwen-Führung auch schon so erwartet. Mit den neuen Millionen von Herrn Ismaik wollte man die bisherigen Millionen von Herrn Ismaik ablösen. Problematisch könnte es werden, wenn Herr Ismaik die neuen Darlehen erst gestatten will, wenn die bestehenden Darlehen beglichen sind. Falls er nichts mehr rausrückt, kann er nichts rauskriegen. Bilanztechnisch wäre man dann quasi quitt. Zumindest moralisch.

GALA GEGEN BARÇA

Thomas Müller ist ein leidenschaftlicher Pragmatiker. Und das hat er auch beim 4:0 gegen Barcelona bewiesen. Von Krämpfen geplagt flehte er um Auswechslung. Doch weil das Spiel nicht dahingehend unterbrochen wurde, wollte er auch nicht sinnlos rumstehen wie sein Sturmkollege Lionel Messi an diesem Abend. Als der Ball dann bei ihm landete, war der Fall für ihn klar: Er startete eine Aktion, die a) zielführend ist und b) ihm die Legitimation geben würde, ausgewechselt zu werden. In Zukunft weiß der Gegner: Wenn Müller ausgewechselt werden will, kündigt er quasi noch ein Tor an.

ERSTER HOENESS-AUFTRITT

Der Fall Hoeneß lähmt ganz Bayern. Ganz Bayern? Nein, elf junge Männer haben beschlossen, sich nicht davon irritieren zu lassen. Stattdessen wollten sie ihrem Aufsichtsratschef eine Auszeit bescheren. Für gute Taten ist diese Elf also zu haben. Zugleich hatten die Kameras genug Anlässe, nicht Uli Hoeneß im Fokus zu haben, sondern das bunte Treiben auf dem Feld. Die Bereitschaft von Hoeneß, reinen Tisch machen zu wollen, erleichterte es seinem Umfeld sichtlich, sich mit ihm zu erfreuen an diesem grandiosen Fußballfest.

LEWANDOWSKI-SHOW

Was wollte Lewandowski mit seinen vier Toren bezwecken? Im Prinzip dokumentierte er den sehnlichen Wunsch, bald für den FC Bayern zu spielen. Hätte er nur ein Tor geschossen, er würde wohl in Dortmund bleiben. Mit zwei Toren gegen Real Madrid weckt man das Interesse von Real selber. Bei drei Toren hätte Barcelona angeklopft. Vielleicht wollte Lewandowski im Heimspiel schon das Finale fix machen, um dort gegen die zukünftigen Teamkameraden zu spielen.

AZ-SCHLAGZEILE: DEUTSCHES FINALE IN WEMBLEY

Hätte diese Saison ein Drehbuch, wäre wohl das Ziel des Regisseurs gewesen, den Engländern die Höchststrafe zu verpassen: deutsches Finale auf englischem Boden. Und das auch noch in Wembley. Nur Jogi dürfte angesichts dieser Formel Bauchschmerzen bekommen: Wenn Deutschland gegen Spanien in der Champions League 8:1 gewinnt, muss es bei der WM 2014 mindestens 5:1 ausgehen.

MONATZEDER-AUS

Das Depperte an Wahlen ist: Wer antritt, kann auch verlieren. Dessen war sich Bürgermeister Hep Monatzeder nicht ganz bewusst. Denn solange Christian Ude OB in München ist, kann man sich Wahlen schenken. Da aber der Verein TSV 1860 nicht ganz so solide da steht wie die Stadt, ist eine Wahl bei den Löwen schon eine brisante Angelegenheit. So wie Hep den Geldgeber attackiert hat, könnte es natürlich auch sein, dass er durch die Wahl nur bestätigt haben wollte, dass er eigentlich lieber doch nicht Präsident sein will.

 

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