Dirk Bauermann im Interview "Hervorragende Werbung für unsere Sportart"

Dirk Bauermann trainierte die Basketballer des FC Bayern zwei Jahre lang Foto: dpa

Ex-Bundestrainer Bauermann spricht im AZ-Interview über das packende Duell seiner beiden Ex-Klubs. Der 57-Jährige ist zurzeit Trainer bei Krasny Oktjabr Wolgograd in Russland und arbeitet als TV-Experte. Von 2010 bis 2012 coachte der ehemalige Bundestrainer die Bayern, von 2001 bis 2008 Bamberg.

 

AZ: Herr Bauermann, Sie waren als Telekom-Experte bei Spiel vier der Finalserie im Audi Dome. Wie haben Sie das Duell Ihrer beiden Ex-Klubs erlebt?

DIRK BAUERMANN: So wie man es oft in solchen Situationen sieht. Nämlich dass die Mannschaft, die massiv mit dem Rücken zur Wand steht, entsprechend investiert, um am Leben zu bleiben. Und dass es bei der Mannschaft, die noch einen Pfeil im Köcher hat – in diesem Fall das fünfte Spiel in eigener Halle –, an den notwendigen zwei, drei oder fünf Prozent fehlt, um gegen eine so gute Mannschaft wie die Münchner in deren Halle zu gewinnen. Insofern war der Verlauf dieses Spiels fast normal und zu erwarten. Die Bayern haben ums Überleben gekämpft.

Eine prima Werbung für den Sport, oder?

Das kann ich nur unterstreichen! Sowohl die Serie der Münchner gegen Alba Berlin als auch jetzt die gegen die Brose Baskets Bamberg: Das sind hervorragende Spiele, die eine Werbung sind für unsere Sportart. Und wenn es dann in ein fünftes Spiel geht, dann ist das noch mal das Tüpfelchen auf dem i. Die Saison und die Serie haben es verdient, dieses alles entscheidende fünfte Spiel zu haben.

Dabei hatte man den Bayern nach dieser ja nicht gerade reibungslosen Spielzeit diese Playoff-Leistungen gar nicht mehr so recht zugetraut. Wie haben Sie den Titelverteidiger während der Saison erlebt?

Ich habe durch meine Arbeit in der russischen Liga bei Krasny Oktjabr Wolgograd nicht so viele Bayern-Spiele gesehen, um das beurteilen zu können. Aber ich weiß natürlich, dass es viele Verletzungen gab. Du brauchst aber personelle Kontinuität, um Leistung stabil abrufen zu können. Aber am Ende kommt es immer darauf an, dass du in der entscheidenden Phase in einer guten Form bist. Egal, was du in den sieben Monaten vorher machst: Wenn du deutscher Meister wirst, dann ist alles gut. Insofern reißen sich da alle nochmal zusammen.

Und das, obwohl mit Anton Gavel mal wieder ein zentraler Spieler fehlte, wie schon Heiko Schaffartzik in der Serie gegen Alba, und der Rest der Truppe noch ein paar Extra-Körner bereitstellen musste.

Das ist wahr, aber eben auch ein Zeichen absoluter Qualität, Stärke und Tiefe im Kader, wenn ein Vasilije Micic in der Berlin-Serie keine Rolle spielt – und in Spiel vier gegen Bamberg Mitgarant dafür war, dass es so relativ reibungslos zugegangen ist. Und wenn man sich anschaut, dass ein Nationalspieler wie Robin Benzing keine Minute spielt – wer kann sich so was erlauben? Yassin Idbihi gehört nicht mal zu den ersten Zwölf! Insofern ist das ein sehr, sehr starker Kader, eine sehr gut besetzte Mannschaft – und keine Überraschung, dass die jetzt den zweiten Titel in Folge holen kann.

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