Die Tricks der Bettel-Mafia Taubstummer kann plötzlich wieder hören und sprechen

Abends vor einem Telefonkarten-Geschäft auf der Schwanthalerhöhe: Mehrere Bettler scharen sich mit ihren Hunden um einen dunkelhaarigen Mann, der offenbar Anweisungen gibt... Foto: Petra Schramek

Der 18-Jährige tat so, als sammle er im Auftrag einer Hilfsorganisation Spenden – auch seine Behinderung war nur ein Trick.

 

München - Traurige Augen, zerlumpte Klamotten und ein Zettel in der Hand. So lungerte der 18-Jährige am Stachus und in Pasing herum. Er gab sich als taubstumm aus und bettelte um Spenden. Als ihn eine Streife kontrollierte, geschah das „Wunder“. Der Bursche, der angeblich weder sprechen noch hören kann, plapperte munter drauf los.

Eine Rentnerin aus Pasing steckte dem Bettler am Montag einen Fünf-Euro-Schein in den Kaffeebecher. Das war der Moment, in dem einigen Umstehenden vor dem Aldi-Markt in der Stockacher Straße (Pasing) der Kragen platzte. Sie riefen die Polizei. Zunächst versuchte es der 18-Jährige aus Rumänien mit einem Bluff. Er hielt seinen Zettel hoch, der von einem Behindertenzentrum in Rumänien stammt. Er tat so, als sammle er im Auftrag der Hilfsorganisation in München Spendengelder. Eine dreiste Lüge, denn tatsächlich gehört der 18-Jährige zur Bettel-Mafia. Und auch seine angebliche Sprach- und Hörbehinderung war vorgetäuscht.

Als die Beamten den Verdächtigen mit zur PI 45 in Pasing nahmen, fand der Mann plötzlich Sprache und Gehör wieder. „Der Mann war bereits Ende Mai am Stachus aufgefallen“, sagt Polizeisprecher Carsten Neubert. Vor dem Brunnen versuchte er am 29. Mai nachmittags mit einer 19-Jährigen Passanten Spenden-Euros aus der Tasche zu ziehen.

Die Bosse im Hintergrund kassieren das Geld und führen ein Leben in Luxus. Die Leute, die das Geld auf der Straße zusammenschnorren, dürfen kaum etwas behalten.

Die AZ nennt die gängigsten Tricks der Bettel-Mafia:

Tiere: Oft haben die Männer und Frauen Welpen dabei. Der Anblick notleidender Tiere öffnet viele Geldbörsen.

Krankheit: Ganz bewusst werden Menschen mit Behinderungen und amputierten Gliedmaßen losgeschickt.

Kinder: Frauen haben kleine Kinder dabei. Oft sind es noch Babys, die sie im Arm halten und Passanten damit nötigen, ihnen Geld zu geben.

Rosen: Teenager werden mit Rosen auf die Straße geschickt. Sie drücken die Blumen Leuten in die Hand. Wer annimmt, muss zahlen.

Ampel-Stopp: Vor allem am Ring und an den Einfallstraßen lauern die Bettler an roten Ampeln. Ungebeten fangen sie an, die Scheiben zu putzen und verlangen Geld.

Züge und Cafés: Auch hier sind die Bettler unterwegs. Sie halten Gästen penetrant Pappbecher unter die Nase, bis sie schließlich zahlen.

 

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