Die Suche nach dem Schuldigen Zypern-Krise: Wer ist der Buhmann?

Das Desaster: Die Rollen von Angela Merkel, dem Zyprer Nikos Anastasiades und auch Wladimir Putin 

 

BERLIN Die Suche nach dem Schwarzen Peter: Es wird heftig diskutiert, wer die Schuld am Zypern-Gau trägt. Viele in den EU-Krisenländern, vor allem in Zypern selbst, sehen sie bei der deutschen Regierung. Aus den verschiedenen Versionen schält sich folgendes Bild heraus: Dass Anleger und Sparer überhaupt teilenteignet werden sollen, hatte viel mit dem Druck aus Berlin zu tun. Dass es dabei auch die Kleinen trifft und nicht nur die Großen, war die Entscheidung der zyprischen Regierung.

Ausgehandelt wurde das Paket beim EU-Gipfel in der Nacht von Freitag auf Samstag. Der Gedanke, dass man die Geldanleger in Zypern beteiligt (um auch die russischen Investoren zur Kasse zu bitten), war unter den Euro-Staaten Konsens. Doch es sei Minister Schäuble gewesen, der auf einen so hohen Betrag bestanden habe, so die SZ. Die anderen Länder und der IWF wären mit drei Milliarden Euro zufrieden gewesen, Berlin forderte sieben. Schließlich wurden es 5,8 Milliarden. „Das trägt eine deutliche deutsche Handschrift“, hieß es zufrieden.

Als dann die Rettung platzte, sagte das niemand mehr laut. Kanzlerin Merkel stellte gestern im Gegenteil klar, dass die EU nie Sparer mit einem Guthaben unter 100000 Euro einbeziehen wollte. In der Tat hatten die Euro-Länder offen gelassen, wie Nikosia die 5,8 Milliarden zusammenbringt. Nikos Anastasiades, der erst seit drei Wochen amtierende Präsident, entschied sich dafür, auch die kleinen Sparbücher heranzuziehen: Sonst hätte er von den reichen Anlegern einen höheren Anteil verlangen müssen. Und er traute sich nicht, Russland zu verärgern – das Geld aus Moskau ist ein Hauptbestandteil der zyprischen Wirtschaft. Allein die russischen Einlagen bei Banken sind höher als die gesamte Wirtschaftsleistung des Inselstaates, nach einigen Schätzungen sogar doppelt so hoch.

Für die SPD ist allerdings vor allem Merkel die Schuldige. „Auf der deutschen Seite ist man immer noch damit beschäftig, die Spuren zu verwischen“, so Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Parteichef Gabriel: „Dieses Desaster trägt ihre Handschrift.

 

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