"Die schwule Szene stirbt" Der Bau macht zu: Kommt jetzt ein Hetero-Café?

, aktualisiert am 18.02.2017 - 12:10 Uhr
Die Schwulenkneipe Bau: Hier ein Foto aus der Zeit, als die Scheiben noch abgeklebt waren – und Frauen drinnen am Wochenende nicht erwünscht. Foto: Daniel von Loeper

Der Bau, einer der letzten Treffpunkte der Homosexuellen, hat dicht gemacht. Kommt ein neues Hetero-Café?

Ludwigsvorstadt - Die Lichter sind aus, das Schild über der Tür verblasst. Nur noch eine kleine Regenbogenfahne und eine Kerze, die jemand vor der Tür abgelegt hat, erinnern daran, dass hier in der Müllerstraße 41 bis vor kurzem noch eine der letzten schwulen Szenekneipen im Glockenbachviertel jeden Abend für gute Stimmung sorgte. Seit 1995 residierte hier der Bau, ein Schwulenclub. Sieben Tage die Woche war Programm, dienstags gab es Schnaps für einen Euro, am Wochenende Motto-Partys zu Themen wie Wiesn, Halloween oder Ostern.

Seit mehr als zwei Wochen ist der Club nun aber zu. "Liebe Gäste und Freunde des Bau, der Bau hat wegen Geschäftsübergabe vorübergehend geschlossen und wird demnächst unter neuer Leitung wieder eröffnen. Wir bedanken uns herzlich bei allen Gästen und Freunden für die langjährige Treue", schrieb der Betreiber des Lokals Anfang Februar auf seiner Homepage.

Doch ob diese Geschäftsübergabe geklappt hat, ist derzeit mehr als fraglich. Dass der Bau nie wieder seine Tore als Schwulenclub öffnet, gilt in der Szene als so gut wie sicher.

War ein Streit der Grund für das Bau-Ende?

Spekulationen über die Gründe gibt es einige. Das Konzept Schwulenclub habe sich nicht mehr gerechnet, in einer Stadt, in der die Szenen sich immer mehr mischen, glauben die einen. Dafür spricht auch, dass der Betreiber nach einem großen Umbau vor rund zwei Jahren den Laden zunehmend auch für heterosexuelle Feiernde geöffnet hatte.

Andere glauben, der Profit sei nicht das Problem gewesen. Hinter den dauerhaft geschlossenen Türen stecke vielmehr ein Streit über eine mögliche Ablöse. Der hätte zum Zerwürfnis zwischen bisherigem Pächter und dem Besitzer des Lokals geführt. Eine Übernahme des Vertrages durch einen bereits vorgesehen Nachfolger im Bau sei daraufhin nicht zustande gekommen. Der ehemalige Betreiber des Baus war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Was aus dem Bau nun werden könnte, auch dazu gibt es bereits einige Gerüchte im Viertel. Laut AZ-Informationen wird der Pächter eines nahegelegenen Cafés sich hier ein zweites Standbein aufbauen. Dann gäbe es bald Cappuccino statt CSD, Mandelhörnchen statt Maikönigin.

Sollte sich das bestätigen, wäre das ein herber Verlust für die schwule Ausgehkultur im Glockenbach. Denn allzu viele Lokale, die ihr vorbehalten sind, gäbe es damit nicht mehr im einstigen Schwulenviertel.

"Ich persönlich fände den Verlust sehr bedauerlich", sagt auch Alexander Miklosy, Vorsitzender des zuständigen Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und Mitglied der Rosa Liste. Für ihn wäre die Schließung des Baus die Fortsetzung einer unschönen Entwicklung: "Die schwule Szene nimmt im Viertel ja schon seit Jahren ab, und das Problem ist, sie verlagert sich auch nicht. Es ist schon ein richtiges Aussterben."


Donnerstagabend: Vor dem geschlossenen Bau-Eingang haben Fans Grabkerzen, Blumen und eine Regenbogenfahne abgelegt. Foto: kim

Miklosy gibt aber auch zu Bedenken: "Besonders als Bezirksausschuss sehen wir ein Café auf keinen Fall negativ. Denn das Glockenbachviertel ist vor allem ein Wohngebiet und für die Anwohner ist so etwas sicher netter, als wenn der Bau durch eine laute Disko ersetzt werden würde."

Wann die Türen an der Müllerstraße 41 wieder aufgehen und was Besucher des Viertels dann dahinter erwartet, ist derzeit noch unklar. Bis dahin trauern die Fans des Baus weiter mit Regenbogenfahne und Kerze um ein Stück Feierkultur.

 

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