Die Newcomerin im Gespräch Anna Aaron: "Wir haben in den Slums von Manila gewohnt"

Anna Aaron lebte als Kind in den Slums von Manila Foto: Sabine Burger

"Wer ist Anna Aaron? Und wenn ja, wie viele?" Das fragte die "Zeit online" in einem Artikel über die Schweizer Sängerin. Warum? Ihr Stil ist nicht klar erkennbar, denn ständig erfindet sie sich neu. Ihr erstes Album klang eher düster, aber mit "Neuro" hält jetzt mehr Pop und Elektro Einzug in ihre Lieder. Ihre Stimme ist dabei so wandelbar wie ein Chamäleon. spot on news hat die junge Künstlerin getroffen.

 

Zürich - Anna Aaron hat schon viel von der Welt gesehen. Die Schweizer Singer-Songwriterin wuchs teilweise in den Slums von Manila auf. Ihre Musik? Sie kann es selbst schwer beschreiben, die Leute sollen sich ihren Teil dabei denken. Aber alles was sie produziert kommt von innen heraus. Aktuell ist ihr Album "Neuro" auf dem Markt. Die Nachrichtenagentur spot on news hat mit der Sängerin über ihre Musik gesprochen, über das Leben in den Slums, über Science Fiction und über Lana del Rey.

Anna Aaron, erzählen Sie uns: Worum geht es in Ihrem neuen Album "Neuro"?

Anna Aaron: Es geht nicht um etwas Bestimmtes. Ich habe viel Science-Fiction-Literatur vorher gelesen und bin dann so ein bisschen in diese Richtung gegangen.

Ist der Titel des Albums auch von Science-Fiction inspiriert?

Aaron: Ja, er kommt von dem Buch "Neuromancer". Ein Science-Fiction-Roman von William Gibson von 1984. Dieser Autor hat eigentlich die Begriffe Cyberspace und Matrix erst erfunden. Das ist krass oder? Viele Begriffe die heute unser Verständnis des Internets prägen kommen eigentlich von einem Künstler und nicht von einem Wissenschaftler. Ich finde die Künstler waren bei gewissen Themen, vor allem wenn es um den digitalen Kosmos geht, oft weiter als die Wissenschaftler.

Wieso inspiriert Sie gerade diese Thematik?

Aaron: Ich spüre oft intuitiv in welche Richtung ich gehen will. Ich habe einfach gemerkt, dass ich mehr Großstadt und Technologie thematisieren will. "Dogs in Spirit" spielte ja eher in der Wüste, aber das ist eigentlich gar nicht mein Wohnraum. Ich habe plötzlich gemerkt, dass diese Themen auch ihre eigene Mystik besitzen und Maschinen irgendwie magisch sind.

Technologie ist für Sie Magie?

Aaron: Nein, aber ich finde Elektrizität zum Beispiel hat etwas Magisches. Wir wissen zwar, dass es keine Magie ist, aber ich habe mich oft gefragt, was es für den Menschen bedeutet mit etwas zu interagieren und zu leben, was unsichtbar ist. Früher gab es nur den Menschen und Gott und jetzt kommt irgendwie etwas Drittes dazu. Ich finde die Frage spannend, mit welchem Teil von uns wir mit dem Internet und dem digitalen Raum interagieren. Mit dem Körper, dem Geist oder der Seele, oder ob es diesen Teil etwa noch gar nicht gibt?

Wie sehr leben Sie denn im digitalen Raum?

Aaron: Ich habe zum Beispiel kein Smart-Phone. Es erschreckt mich eher mit einem so kleinen Gerät den ganzen Tag herumzulaufen, dass permanent mit dem Internet verbunden ist. Früher musste man noch Telefonbücher in die Hand nehmen - und wie funktionierte das überhaupt mit Fahrplänen und allem?

Wie kommunizieren Sie denn am liebsten mit den Menschen?

Aaron: Durch die Musik! Damit versuche ich Kontakt zu den Menschen aufzunehmen. Das kommt daher, dass ich früher Probleme mit der Kommunikation hatte. Ich denke, weil ich im Ausland aufwuchs.

Wo waren Sie damals und wie kam es dazu?

Aaron: Meine Eltern waren Missionare und wir waren vier Jahre - bis ich Neun war - im Ausland. Wir haben in den Slums von Manila gewohnt.

Wie war das Leben dort für Sie?

Aaron: Das ist einfach unbeschreiblich, ich kann das gar nicht in Worte fassen. Aber für ein Kind ist das denke ich nicht so schlimm, weil man sich sein Bild von der Welt noch nicht so zurecht gelegt hat. Man ist schon schockiert, aber als erwachsene Person wäre das sicher ganz anders gewesen.

Und die Musik hat Ihnen danach beim Kommunizieren geholfen?

Aaron: Ja. Als wir dann wieder in die Schweiz zurück gingen, brauchte ich ungefähr zehn Jahre bis ich wirklich wieder richtig mit den Menschen in Kontakt treten konnte. Also ich meine natürlich nicht die Sprache, die konnte ich schon, aber alles andere was damit zu tun hat. Wir waren kulturell einfach isoliert und ich lebte schon irgendwie in meiner Fantasiewelt. Ich habe dann auf die Musik zurückgegriffen, um die Menschen wieder zu erreichen.

Wie haben Sie das genau gemacht?

Aaron: Ich habe gespürt, dass einfach etwas aus mir heraus muss. Und auch wenn ich keine Ahnung von Musik hatte, habe ich einfach drauf los geschrieben. Am Anfang habe ich sehr seltsame Lieder geschrieben, die von Text und Melodie her gar keinen Sinn ergaben, aber irgendwie haben sie trotzdem gestimmt. Sie hatten ihre eigene innere Logik. Wie die Lieder von Lana Del Rey. Die haben so einen frischen, fast naiven Zugang. Man hat nicht das Gefühl das sie ein Profi geschrieben haben könnte. Sie folgen ihrer eigenen intuitiven Logik. So war das bei mir auch, ich habe nur vom Gehör aus geschrieben und ohne Vorwissen.

Und was wollen Sie mit Ihren Liedern sagen?

Aaron: Ich kann meine Musik schwer erklären. Ich denke vieles entsteht erst beim Hören und jeder soll selbst seinen Sinn darin sehen.

 

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