Die neuen Stadtminister Großes Stühlerücken im Kabinett von OB Dieter Reiter

Thomas Böhle, Alexander Dietrich, Dorothee Schiwiy und Beatrix Zurek - sie sind die neuen Stadminister. Foto: dpa/ho/AZ

Zum Auftakt ihrer Amtszeit erklärt Schulreferentin Beatrix Zurek, was sie sich vornimmt. Das hat sich der neue KVR-Chef, Thomas Böhle, vorgenommen – und auch im Personal- und Sozialreferat übernehmen zwei neue das Ruder.

 

Beatrix Zurek (SPD), 56-Jährige ist den meisten Münchnern wohl als engagierte Chefin des Mietervereins bekannt. Das will sie zunächst auch bleiben – auch wenn sie da zukünftig wahrscheinlich nicht mehr ganz so präsent sein kann. Stadtminister – das ist eben doch ein Amt, das ein paar Ressourcen braucht.

An die 15 000 Mitarbeiter, ein Riesen-Budget – und seit heute eine neue Chefin: Zurek übernimmt das städtische Schulreferat. Die AZ hat sich vorab mit der 56-Jährigen unterhalten.

AZ: Frau Zurek, wir müssen aus gegebenem Anlass heute mal über Ihre Schulsünden sprechen.

Beatrix Zurek: Oh, da habe ich alles vergessen. Man hat ja gelegentlich so partielle Amnesien.

Ach, kommen Sie: Nie einen Verweis bekommen?

Ähm, das weiß ich wirklich nicht mehr. Ich war sicherlich keine einfache Schülerin. Aber ich glaube, ich habe davor immer die Kurve gekriegt.

Auf dem Pausenhof geraucht?

Nein, das war nicht notwendig, das haben wir dann nach der Schule außerhalb gemacht.

Aber mal geschwänzt?

Sicherlich, aber da gab es nie Konsequenzen. Ich bin ja in Aschaffenburg auf die Maria-Ward-Schule gegangen, da haben wir den Ethik-Unterricht weidlich dafür genutzt, uns in der nahegelegenen Pizzeria rumzutreiben. Da war der Lehrer aber immer sehr nachsichtig. Der war der Ansicht, dass man auch in einer Pizzeria vernünftige Gespräche führen kann.

Im Wesentlichen waren Sie also eine brave Schülerin?

Naja, brav kann ich nicht sagen. Ich war halt so klug, dass ich immer knapp an einem Verweis vorbeigeschrammt bin. Aber ich hatte schon damals einen politischen Standpunkt, den habe ich auch nachhaltig vertreten. Deshalb war ich vielleicht nicht so angepasst, wie man das für ein katholisches Mädchengymnasium erwarten würde.

Und wie waren Ihre Noten?

Durchschnittlich. Das ist halt schon ein Unterschied, wenn man wie ich erst in NRW aufs Gymnasium geht und dann nach Bayern wechselt. Das ist heute ja auch noch so. Ich hatte beim Wechsel damals zwei Wochen Sommerferien, in denen musste ich dann mehrere Monate Stoff aufholen.

Wissen Sie Ihren Abi-Schnitt noch?

Nein, der ist irgendwann nicht mehr so wichtig. Ich habe ja noch in allen Fächern schriftliches Abitur machen müssen. Obwohl ich auf einem neusprachlichen Gymnasium war, war ich in den Naturwissenschaften deutlich besser. Da hat mir die Französisch- oder die Englischnote dann ein bisschen den Schnitt versaut.

Die Abi-Note war auch nicht das ausschlaggebende Kriterium für Ihre Wahl. Was haben Sie sich als Schulstadträtin denn jetzt vorgenommen?

Ich denke, man kann fürs erste vier Felder festmachen: Das größte ist die Infrastruktur. Sowohl, was die Zahl der Schulen betrifft, als auch deren Ausstattung, haben wir noch Nachholbedarf. Das ist in München aufgrund des Zuzugs ja quasi eine Never-Ending-Story. Beim Bau der Schulen müssen wir in Zukunft noch ein bisschen geradliniger werden. Die Schulen müssen wirklich fertig sein, wenn die Kinder da sind.

Das könnte man jetzt gut als kleine Spitze gegen Ihren Vorgänger Rainer Schweppe verstehen. Dem wurde ja oft vorgehalten, ein schöngeistiger Pädagoge zu sein, aber das Grundlegende dabei ein bisschen schleifen zu lassen.

„Bildungsgerechtigkeit – das ist so eine Dauerbaustelle“

Ich weiß nicht, ob diese Vorwürfe so stimmen. Wenn etwas nicht läuft, dann muss eben immer derjenige an der Spitze die Verantwortung dafür übernehmen. Herr Schweppe hat auch einiges auf den Weg gebracht. Das Lernhaus-Konzept zum Beispiel, das er eingeführt hat, ist eine Idee, die auch bleiben wird. Was aber sicher stimmt: Wir beide sind unterschiedliche Typen.

Sie gehen pragmatisch ran?

Naja, muss ich ja. Ich bin schließlich fachfremd und werde deshalb auch nie den Anspruch erheben, dass ich mehr Ahnung habe als jemand, der einige Semester lang Pädagogik, Psychologie oder Lehrarmt studiert hat. Aber ich bin sicher, dass aus den einzelnen Fachabteilungen heraus das eine oder andere sehr schöne Pädagogik-Projekt hervorgehen wird.

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Die restlichen drei Felder, die Sie beackern wollen?

Bei Feld zwei geht es um die Bildungsgerechtigkeit. Das ist so eine Dauerbaustelle. Da gibt es noch viel zu tun. Jedes Kind soll entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert werden, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Ich finde es zugleich schwierig, dass für viele Eltern am Ende der Grundschule nur wichtig ist, ob das Kind den gymnasialen Schnitt schafft. Für mich gibt es keine unterschiedliche Wertigkeit bei den Schulabschlüssen. Ich finde es eher wichtig, dass das Kind tut, was seinen Neigungen entspricht. Wenn alle nur studieren und niemand mehr Semmeln backen kann, dann schauen wir schließlich auch alt aus.

Was haben Sie da vor?

Es darf nicht sein, dass Kinder nur dann eine positive Schulkarriere machen, wenn das Elternhaus die entsprechende Prägung hat. Deshalb braucht es Förderstunden oder eine weitere Spezifizierung der Schulen.

Und Feld drei?

Das ist der Dialog, den ich gerne führen möchte, nach innen mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch nach außen mit den Eltern, unseren „Kunden“, sozusagen.

Und das letzte Tätigkeitsfeld?

Das ist der Service-Gedanke. Es ist ganz wichtig, dass wir uns als Dienstleister präsentieren. Kinder verstehen Schule zwar nicht immer als Service, für die ist das eher eine aufgedrängte Bereicherung. Aber es gibt ja noch andere Punkte: Gebührenstelle, Kita-Finder – das muss alles funktionieren.

Sie haben ja selbst drei Kinder. Die bringen aus der Schule doch bestimmt Themen mit, die künftig dann bei Ihnen auf dem Schreibtisch landen.

Man bekommt natürlich am besten mit, wie ein Schulalltag funktioniert, wenn man selbst Kinder hat. Dann ist das nichts ganz Abstraktes mehr, das man nur auf dem Blatt nachvollziehen kann.

Lange waren’s ja die Schultoiletten, wegen denen es Stress gab. Da ist jetzt aber alles in Ordnung, oder?

Ich denke schon. Aber man muss auch sagen: Nicht jede Schultoilette schaut deshalb so versifft aus, weil sie seit 20 Jahren nicht mehr saniert worden ist. Einige wurden auch einfach nicht pfleglich behandelt. Wenn ich sehe, dass jetzt teilweise selbstreinigende Edelstahltoiletten angeschafft wurden, weil die Schüler dem täglichen Gebrauch nicht gewachsen waren, dann muss man schon sagen: Das ist auch eine Frage der Wertschätzung.

Jetzt sind sie aber richtig streng.

Nein, eigentlich bin ich sehr tolerant. Ich habe auch nie zu den Müttern gehört, die wegen jeder Kleinigkeit immer gleich zum Lehrer in die Sprechstunde rennen. Und diese Lockerheit, das ist etwas, was ich mir als Schulstadträtin auch gerne beibehalten würde.

 

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