Die nächste Traditionsfirma Nymphenburger Porzellan vor dem Aus?

Wohl vor dem Ende: Der Nymphenburg Porzellan-Laden in der Brienner Straße. Foto: Daniel von Loeper

Nach dem Maendler-Ende liegt die Zukunft der Läden in der Brienner Straße und im Bayerischen Hof in Scherben – „Sauerei!“

München - Der Nächste, bitte! Der traurige Trend mit den Traditions-Sterben in der Altstadt scheint sich fortzusetzen. Nachdem das exklusive Modehaus Maendler wegen der spanischen Teenie-Kette Mango aus dem Prachtbau in der Theatinerstraße ausziehen muss (AZ berichtete), steht nun die nächste Traditionsfirma vor dem Aus.

Wie die AZ exklusiv erfuhr, sind diesmal zwei Läden der Porzellanmanufaktur Nymphenburg betroffen. Sowohl dem Geschäft in der Brienner Straße als auch dem im Bayerischen Hof droht das Ende.

Warum bloß liegt die Zukunft der bayerischen Vorzeige-Firma in Scherben?

Nach dem AZ-Bericht über das Maendler-Ende meldeten sich viele Porzellan-Mitarbeiter in der Redaktion. Der Hintergrund: Maendler muss Mango weichen, weil der Wittelsbacher Ausgleichsfonds – dem das Haus gehört – sich für die spanische Mode-Kette entschieden hat. Dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds gehört auch die Porzellanmanufaktur Nymphenburg.

Eine Mitarbeiterin zur AZ: „Der WAF stößt bereits zum 30. September die beiden Läden ab. Die Mitarbeiter wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht!“ Ein anderer Mitarbeiter sagt empört: „Es ist eine Sauerei! Viele arbeiten hier seit mehr als 20 Jahren und alles wird vor uns verschwiegen.“

Auf AZ-Nachfrage zeigt sich die Porzellan-Pressesprecherin überrascht: „Woher wissen Sie das jetzt schon? Wir bestätigen das erst, wenn es offiziell ist.“
Nun, offiziell ist dafür, dass die Firma bereits 1747 gegründet wurde. In nur einer Produktionsstätte weltweit, im nördlichen Schlossrondell in Nymphenburg, werden seitdem Figuren und Objekte aus Porzellan von „höchster Qualität und Reinheit gefertigt“ – wie es auf der Homepage heißt. Auch der Porzellan-Panther, der Bayerische Filmpreis, stammt aus der Manufaktur.


Von Anfang an war die Manufaktur mit dem Haus Wittelsbach eng verwoben. Ab 1888 wurde sie unter Federführung der Familie Bäuml als offene Handelsgesellschaft geführt, bis sie schließlich 1975 dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds übertragen wurde. Seitdem untersteht die Manufaktur damit wieder der bayerischen Adelsfamilie mit Franz Herzog von Bayern als Chef des Hauses Wittelsbach.

Was sagt der WAF zum drohenden Ende?

Justiziar Hanspeter Beißer zur AZ: „Sonst sind wir immer die Vermieter, in dem Fall der zwei Läden sind wir Mieter. Und diese beiden Mietverträge laufen gerade aus. Es ist heute noch offen, was passiert. Fakt ist, wir freuen uns, wenn das Porzellan in schönen Läden verkauft wird. Aber wir freuen uns nicht, wenn es in teuren Läden verkauft wird.“

 

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