Die Lex Oktoberfest Schnelleres Geld für Wiesn-Bedienungen

Finanzminister unter Fachkräften: Markus Söder mit den Bedienungen aus 14 großen Wiesn-Zelten. Foto: Fotos: Andreas Gebert/dpa

Beim Finanzminister geben Bedienungen 3600 Unterschriften ab. Sie fordern eine andere Form der Besteuerung – und stoßen bei Söder auf offene Ohren

 

München - In Bayern gehen die Uhren anders. Mia san mia! Das stellte Finanzminister Markus Söder gestern eindrucksvoll unter Beweis – mit seinem tatkräftigen Einsatz für eine weiß-blaue Sonderregelung.

„Wir brauchen eine Lex Oktoberfest“, so Söder: „Dafür setzt sich Bayern in Berlin ein.“ Zugute kommen würde die Lex Oktoberfest vor allem den Wiesn-Bedienungen, von denen Söder am Montag eine Delegation im Finanzministerium empfing. „Für ihren schweren Job müssen sie auch fair behandelt werden“, betonte Söder: „Volksfestbedienungen sollen für ihre Arbeit direkt mit einem fairen Nettogehalt entlohnt werden.“

Konkret geht es um den so genannten permanenten Lohnsteuer-Jahresausgleich. Bei diesem wird ein kurzfristig hoher Lohn, beispielsweise bei einer Wiesn-Bedienung, für die Berechnung der Lohnsteuer auf einen längeren Zeitraum umgelegt. Das senkt den Durchschnittsverdienst und führt zu einem niedrigeren Steuersatz – mit dem Ergebnis eines höheren Nettoeinkommens für die Zeit der Beschäftigung.

Durch eine Gesetzesänderung des Bundes ist diese Möglichkeit für kurzfristig Beschäftigte nicht mehr anwendbar, also auch nicht für Wiesn-Bedienungen, die in der Regel 16 Tage lang Bier und Hendl schleppen.

„Die Gesetzesänderung trifft vor allem Aushilfskräfte auf Volksfesten hart. Das halten wir für falsch“, so Söder. Fakt ist: Die neue Regelung sorgt dafür, dass (Aushilfs-)Bedienungen, die nur auf dem Oktoberfest oder vielleicht noch auf einem anderen Volksfest arbeiten, steuerlich als Besserverdienende behandelt werden. Für die Bedienungen ist es ein besonderes Ärgernis, dass sie deshalb auf Geld warten müssen.

Vereinfacht gesagt zahlen die Bedienungen nicht mehr die „echte“ Lohnsteuer, sondern eine überhöhte, die sich dann umständlich über den Lohnsteuerausgleich wiederholen müssen.

„Das demotiviert total“, sagt beispielsweise Studentin Julia Brendel, die seit zwei Jahren im Schottenhamel als Bedienung tätig ist: „Ich arbeite auf der Wiesn, um mein Studium zu finanzieren und mir auch mal etwas außer der Reihe leisten zu können.“

Kollegin Angelika Seiwald von der Bräurosl nickt: „Wir wollen doch alle gleich unser Geld und nicht erst hoffen, dass wir zig Monate später durch eine Steuererstattung tatsächlich das bekommen, was uns zusteht.“

Darin sind sich alle Bedienungen einig. Sie alle wollen, dass es bei der alten Regelung bleibt, und so haben sie heuer auf dem Oktoberfest auch eine Unterschriftensammlung in den 14 großen Festzelten gemacht.

Koordinator der Aktion war Löwenbräu-Festwirt Wiggerl Hagn. Knapp 3600 Unterschriften sind zusammengekommen: ein dicker Packen, der gestern Finanzminister Söder von 14 Vertreterinnen der großen Festzelte überreicht wurde.

„Bayern setzt sich für Sie ein. Die Finanzämter brauchen kein zinsloses Darlehen von Ihnen“, sagte Söder, der selbst ein erklärter Wiesn-Fan ist und als bayerischer Finanzminister auch Chef des staatlichen Hofbräu mit eigenem Zelt auf dem Oktoberfest.

Seit 2013 sorgt er bereits für eine komplizierte „bayerische Lösung“, die den permanenten Lohnsteuer-Jahresausgleich noch fortführt – doch mit dem jährlichen Zittern der Bedienungen soll nun endgültig Schluss sein: „Bayern wird sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass diese Lösung dauerhaft fortgeführt wird.“

Damit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Wichtigkeit der geplanten Lex Oktoberfest erkennt und dieser dann auch zustimmt, plant Söder bereits einen Ortstermin: „Ich werde Schäuble nächstes Jahr auf die Wiesn einladen!“

 

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