"Die kleine Hexe" im Kino Karoline Herfurth: Traumrolle aus Kindertagen

Die kleine Hexe: Karoline Herfurth mit ihrem Raben Abraxas (Stimme: Axel Prahl). Foto: Walter Wehner Munich Germany

Drei Generationen wuchsen mit Ottfried Preußlers "Die kleine Hexe" auf – nun kommt sie als Realfilm ins Kino. Die AZ hat mit Schauspielerin Karoline Herfurth gesprochen.

Im Jahr 1957 schrieb Ottfried Preußler "Die kleine Hexe", seither wurde das Kinderbuch in 47 Sprachen übersetzt und über fünf Millionen Mal verkauft. Und alle Leser haben die Hexe vor Augen, die die Illustratorin Winnie Gebhardt-Gayler vor über sechzig Jahren auf dem Cover und im Buch dargestellt hat: mit roten, wilden Haaren, spitzem Hut und ebenso spitzer, langer Nase.

Ab Donnerstag ist "Die kleine Hexe" erstmals in einem Realfilm zu sehen: Karoline Herfurth spielt die nette Zauberin zauberhaft – und mit langer Nase.

AZ: Frau Herfurth, die "kleine Hexe" ist eine der bekanntesten Figuren der deutschen Literatur, seit 60 Jahren lesen Kinder und Eltern das Buch. Haben Sie Druck gespürt?
KAROLINE HERFUTH: Zunächst mal war ich stolz, als ich das Angebot bekommen habe. Auch ich bin mit der "kleinen Hexe" großgeworden, das ist ein Stück deutscher Kulturgeschichte, und so eine Rolle bekommt man nicht alle Tage angeboten. Aber ich hatte auch ein bisschen Angst, es zu verbocken. Es ist immer ein Wagnis, ein Buch zu verfilmen, gerade so ein wichtiges. Ich wollte die Punkte treffen, mit denen die Geschichte so viele Menschen berührt hat. Es war mir wichtig, dass die Menschen das, was sie im Buch emotional bewegt hat, wiederfinden können. Und ich hatte Bedenken, wie ich es schaffe, eine kindliche Figur zu spielen, ohne dass es vielleicht albern oder kitschig wird.

Gab es einen Moment, in dem sie das Gefühl hatten: Das ist die "kleine Hexe", die ich aus dem Buch in Erinnerung habe?
Die Zeichnungen aus dem Buch waren für mich die Vorlage, und als ich einmal Kameratests gesehen habe, hatte ich das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein. Dann habe ich erst wieder den fertigen Film gesehen, und davor hatte ich Bammel. Aber ich war dann sehr glücklich damit.

Haben Sie schon mal einen fertigen Film gesehen und gedacht: Oje, das hat sich beim Dreh aber anders angefühlt?
Nein, aber es gab Momente bei Drehs, in denen ich mich hilflos gefühlt habe und dachte: Oh Gott, was spiele ich da gerade? Und nach der Postproduktion wirkte es gar nicht mehr so, weil man die unsicheren Teile rausnehmen oder die Aufmerksamkeit woanders hinlenken kann. Es gibt da so einige Tricks.

Nehmen Sie ihren Job als Schauspielerin anders wahr, seit Sie bei "SMS für Dich" erstmals Regie geführt haben?
Ich weiß mehr über die Hintergründe, die zu einem Drehtag gehören. Und dass die Gesamtvision nicht nur am Set entsteht, sondern in der Vorbereitung und der Postproduktion. Mir ist noch bewusster geworden, wie wichtig die Zusammenarbeit eines Teams ist. Ich habe noch mehr Respekt bekommen vor dem ganzen Prozess.

Wieso kann man ohne Regieausbildung Regie führen?
Weil man ein Team hat. Da gibt es sehr viele Menschen, die wissen, was sie tun – und man muss nur anfangen zuzuhören.

Bei "Die kleine Hexe" spielte die Maskenabteilung eine wichtige Rolle. Ihnen wurde eine spitze Nase angeklebt. Macht das einen Unterschied beim Spielen?
Ja, einen großen! Ich habe sehr um die Nase gekämpft. Sie hat mir extrem geholfen. Die Art, sich zu bewegen, und die ganze Mimik ist total anders.

Vereinbart man als Schauspielerin, wie man aussehen wird, bevor man für einen Film zusagt?
Nein. Aber diese Nase stand zur Diskussion, weil es sehr aufwendig war, sie herzustellen und jeden Tag anzukleben. Das ist auch ein Kostenfaktor. Ich habe sehr dafür gekämpft, und viele andere Menschen auch. Die "kleine Hexe" hat im Buch auch eine lange Nase – sie gehört dazu.

Wieso war es so aufwendig, diese Nase anzukleben?
Das Silikon wurde ab der Mitte des Nasenrückens angebracht. Der Übergang muss unsichtbar sein, und das ist eine ziemliche Frickelarbeit, weil ich offenbar ein sehr buntes Gesicht habe, mit vielen Farben und Punkten drauf.

Sie waren deshalb jeden Tag eineinhalb bis zweieinhalb Stunden in der Maske. Was macht man da so?
Schlafen, mit offenem Mund. Und sehr viel Chemie einatmen. Ich habe – ohne Witz – das Gefühl, meine Nase ist seitdem ein bisschen breiter.

Bei den Szenen auf dem Blocksberg war ein Hexentanzverein beteiligt. Wie war es am Set mit Frauen, die gern Hexen wären?
Sehr lustig. Diese Komparsinnen hatten viel Lust, auf dem Blocksberg zu tanzen, die Stimmung war unglaublich.

Wussten Sie, dass es Hexentanzvereine gibt?
Nein, aber ich finde das gut, wenn Menschen ihre Interessen ausüben und Hobbys haben. Ich mag auch Mittelaltermärkte. Ich mag, wenn Leute ihre Eigenheiten kennen und mit Stolz leben.

Sie raten also dazu, Kauzigkeit auszuleben?
Ich weiß nicht, ob das kauzig ist. Ich mag es, wenn sich jemand damit beschäftigt, was er für Interessen hat. So sind schon die verrücktesten Welten entstanden. Vielleicht ist auch George Lucas am Anfang für einen Kauz gehalten worden.

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