Die Katastrophe von Japan Jetzt ist es ein GAU

In einem Block des Atom-Wracks von Fukushima hat die Kernschmelze eingesetzt. Die radioaktiven Werte in der Umgebung steigen extrem – doch Regierung und Betreiber beschwichtigen.

 
TOKIO Sie geben keine genauen Informationen, machen widersprüchliche Angaben oder dementieren immer wieder ihre eigenen Aussagen: Die Erklärungen der japanischen Regierung und der Betreiber-Firma Tepco über die Situation im havarierten Atomkraftwerk Fukushima tragen alles andere als zur Beruhigung der Bevölkerung bei. Doch jetzt scheint es eine klare Ansage zu geben: Im Block 2 des Reaktors hat – wohl schon in den vergangenen Tagen – die Kernschmelze eingesetzt. Und das ist der GAU.

Er ist vermutlich die Ursache dafür, dass in der Umgebung der Anlage die Radioaktivität extrem gestiegen ist. So wurde dort am Sonntag eine Strahlendosis von 1000 Millisievert pro Stunde gemessen. Zum Vergleich: Tepco hatte festgelegt, dass die Arbeiter am Atom-Wrack höchstens 250 Millisievert Strahlung pro Noteinsatz abbekommen dürfen. Schon dieser Wert gilt für Experten als wesentlich überhöht.

Nicht umsonst sind erneut zwei Arbeiter stark verstrahlt worden, die Zahl der betroffenen Männer erhöhte sich auf 19.
Weiterhin macht auch meterhoch stehendes Wasser in allen vier Blöcken große Probleme – es ist ebenfalls stark radioativ belastet; so stark, dass zwei Arbeiter extreme Verbrennungen an den Beinen erlitten. Das Wasser soll jetzt angeblich abgepumpt werden – doch wohin kann so stark belastetes Wasser transportiert werden?
Denn auch das Meer ist inzwischen extrem radioaktiv belastet, die Verantwortlichen trösten damit, dass die Radionuklide dort ja stark verdünnt würden.

Trotz der heftigen Belastung der Umwelt denkt die japanische Regierung nicht daran, die Evakuierungszone von 20 Kilometern auszuweiten. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk stark kontaminiert ist, und es gibt derzeit ein großes Risiko für die Gesundheit”, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Das sieht Greenpeace ganz anders.
Die Umweltschutzorganisation hat nach eigenen Messungen in der Region gefordert, die Evakuierungszone auf mindestens 40 Kilometer auszuweiten. Besonders für Kinder und Schwangere sei es dort nicht sicher.

Die wachsende Kritik aus der Bevölkerung scheint jetzt auch zu einem Zerwürfnis zwischen Regierung in Tokio und Tepco zu führen.
So kritisierte der Regierungssprecher den Umgang des Kraftwerkbetreibers mit den Strahlungs-Messwerten scharf. Das Vorgehen sei „inakzeptabel” – vor allem die widersprüchlichen Angaben zur Höhe der radioaktiven Belastung.
Wenigstens hat ein weiteres starkes Beben (Stärke 6,5) in der Fukushima-Region zu keinen weiteren Beschädigungen der Atomanlage geführt – wenn man den Betreibern Glauben schenken kann.

 

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