Die Jungen zahlen für die Alten Die Rentenversprechen von CSU und SPD im Check

, aktualisiert am 31.08.2017 - 11:55 Uhr
Ein Geselle und sein Meister arbeiten gemeinsam in einer Werkstatt. Während die Rentenversprechen von CSU und SPD den einen finanziell belasten würden, könnte sich der andere über deutlich mehr Geld freuen. Foto: imago

Das Prognos-Institut hat die Rentenversprechen von CSU und SPD unter die Lupe genommen. Die AZ stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.

 

Die heute Über-50-Jährigen profitieren, die Jüngeren und die noch nicht einmal Geborenen werden draufzahlen. Auf diesen kurzen Nenner bringt das "Prognos"-Institut die Wahlversprechen von CSU und SPD zur Rentenpolitik. Im Auftrag der arbeitgebernahen "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" hat der Wissenschaftler Oliver Ehrentraut die Auswirkungen der Konzepte der beiden Parteien bis zum Jahr 2045 hochgerechnet und seine Ergebnisse gestern in Berlin vorgestellt. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen dazu:

Warum wurden nur die Programme von CSU und der SPD untersucht?

Nur diese beiden Parteien, die in jedem Falle der nächsten Regierung angehören werden, haben in ihren Wahlprogrammen detaillierte Pläne zum Thema Rente vorgelegt, die CDU dagegen nicht. Sie meint, dass es bis 2030 keine Probleme gibt und die Rente finanzierbar bleibt.

Um aber Lösungen für die langfristigen Herausforderungen zu erarbeiten, die sich ergeben, wenn bis 2035 die geburtenstärksten Jahrgänge aus dem aktiven Erwerbsleben ausscheiden, soll in der kommenden Legislaturperiode eine unabhängige Rentenkommission eingesetzt werden.

Die CSU hat in der letzten Legislaturperiode schon die Mütterrente durchgesetzt. Warum besteht aus ihrer Sicht weiterer Handlungsbedarf? Mütter, die vor 1992 Kinder auf die Welt gebracht haben, erhielten früher nur einen Rentenpunkt, jüngere Mütter dagegen drei Punkte – ein Punkt entspricht in etwa einer Rente von 30 Euro pro Monat.

In den Koalitionsverhandlungen 2013 setzte die CSU die Erhöhung um einen Punkt durch. Nun fordert sie die volle Angleichung auf drei Punkte.

Was kostet das?

Laut Prognos belaufen sich die Kosten bis 2045 auf rund 171 Milliarden Euro. Davon profitieren Frauen aller Jahrgänge bis einschließlich 1964, die bei durchschnittlicher Lebenserwartung gut 4.000 Euro zusätzlich erhalten, wobei der Jahrgang 1953 mit 7.900 Euro am stärksten profitiert. Verlierer sind die Frauen ab Jahrgang 1965, für die sich ein durchschnittlicher Verlust von 2.000 Euro ergibt, sei es durch höhere Beiträge oder höhere Steuern.

Wie stark wird die jüngere Generation belastet?

Das Gutachten beziffert die rechnerische Mehrbelastung für die im Jahr 2015 geborenen Kinder auf 600 Euro.

Die SPD fordert die Einführung einer doppelten Haltelinie – das Rentenniveau soll nicht unter 48 Prozent sinken, gleichzeitig der Beitragssatz nicht über 22 Prozent steigen. Was kostet das? Laut Prognos summieren sich die Mehrkosten bis zum Jahr 2045 auf 1,245 Billionen Euro.

Wer würde davon profitieren?

Die großen Gewinner wären, wie schon bei der Rente mit 63, die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge. Für sie summiert sich der finanzielle Vorteil über ihr verbleibendes Leben im Durchschnitt auf einen Betrag zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Den größten Grund zum Jubeln hätten alle, die 1964 auf die Welt kamen, sie würden insgesamt 30 700 Euro mehr erhalten als nach der heutigen Regelung.

Wer muss das bezahlen?

Das Urteil von Prognos fällt eindeutig aus: Alle, die heute jünger als 20 Jahre alt sind, zahlen drauf. Bis zum Jahr 2030 entstehen Mehrkosten von überschaubaren 150 Milliarden Euro, danach aber, wenn die geburtenstarken Jahrgänge zu Rentnern werden, werden weitere 1,095 Billionen Euro fällig, um ein Absinken des Rentenniveaus und ein Ansteigen des Beitragssatzes zu verhindern. Damit würde die SPD die Hauptlast ihres Rentenkonzepts den gerade erst geborenen Kindern oder den noch Ungeborenen aufbürden, die eine rechnerische Mehrbelastung von 15.000 Euro zu stemmen hätte.

Wie wird dieses Geld aufgebracht?

Da die Beiträge zur Rentenversicherung nicht steigen dürfen und die SPD auch eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit bislang vehement ablehnt, kann das Geld, das die Rentenkasse benötigt, nur vom Steuerzahler kommen.

So wird der Bundeszuschuss zur Rentenkasse, der derzeit bei rund 80 Milliarden Euro im Jahr liegt und ohne Veränderungen der derzeit geltenden Rentenformel bis 2045 auf 152 Milliarden Euro steigt, bei der Umsetzung des SPD-Konzeptes um zusätzliche 125 Milliarden auf dann 277 Milliarden Euro anwachsen.

Der Steuerzahler müsste dann für 45 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung aufkommen.

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