Die Gründe fürs Einwohnerminus Boomendes München? Die Stadt schrumpft!

Die Stadt wächst doch nicht so schnell, wie befürchtet. Foto: dpa

Erstmals gibt’s heuer ein Einwohner-Minus in München! Weil viel weniger Neubürger kommen – und 40.000 Einwohner gar nicht existieren.

München - Wer zum Jahresende 2017 die aktuellen Einwohnerzahlen Münchens beim Statistischen Amt abruft, muss sich schier die Augen reiben. 1.531.000 Menschen leben aktuell in der Stadt, melden die Statistiker (Stand: November).

Äh, bitte, was? Das sind ja rund 11.000 weniger als ein Jahr zuvor, im November 2016 (rund 1.542.000). Dabei ist doch in den Prognosen permanent davon die Rede, dass München, die Boom-Stadt, jedes Jahr um 20.000 bis 30.000 Einwohner wächst. Und plötzlich schrumpft München?

"Stimmt!", erklärt Sibel Aydemir, Chefin der Kommunalen Statistik, und nein, es handle sich keineswegs um einen Zahlendreher oder Rechenfehler.

Tatsächlich ist die Münchner Bevölkerung im vergangenen Jahr um rund 0,7 Prozent (rund 11.000 Menschen) geschrumpft. Aber nicht, weil überraschend Tausende weggezogen sind. Sie waren wohl schon länger nicht mehr da – nur, dass das dem Einwohnermeldeamt im Kreisverwaltungsreferat nicht aufgefallen war.

25.000 gemeldete Ausländer verschwunden

Gestutzt hatten die Mitarbeiter dort allerdings, als in den Wochen vor der Neuwahl des Migrationsbeirats im Januar 2017 (das Gremium, das in München die Interessen der Ausländer vertritt) waschkörbeweise Wahlbenachrichtigungen an Münchner mit ausländischem Pass (oder Doppelpass) nicht zugestellt werden konnten.

Die KVR-Mitarbeiter forschten nach – und stellten fest: Mindestens 25.000 Ausländer, die zu dem Zeitpunkt in München gemeldet waren, lebten überhaupt nicht (mehr) hier. Deshalb hat das Ordnungsamt sie seit Juni "von Amts wegen" abgemeldet – und damit das städtische Register bereinigt. Dazu kommen rund 15.000 Zwangsabmeldungen, die sowieso jedes Jahr anfallen (für Studenten oder Medizintouristen etwa, die befristet in München waren, sich aber nicht abgemeldet haben). Macht zusammen: "Ein Minus von 40.000 Bürgern in der Statistik 2017", rechnet Sibel Aydemir vor.

Weniger ausländische Bürger ziehen zu

Und noch ein zweiter Faktor verursacht diese "Schrumpf"-Zahl: "Es ziehen deutlich weniger Menschen neu nach München als in den vergangenen zwei Jahren. Konkret sehen die Zahlen so aus:

  • 2015 stieg die Einwohnerzahl um rund 31.000 Menschen.
  • 2016 waren es nur noch plus 22.000 Menschen.
  • 2017 wäre das Plus bei nur noch 14.000 Menschen gelegen, müsste man nicht auch noch die 25.000 ausländischen Karteileichen abziehen (wodurch sich insgesamt minus 11.000 Einwohner ergeben).

Und so kommt ein erstaunlicher Trend zutage: "München wächst viel langsamer, als die Prognosen erwarten ließen", sagt Rechenexpertin Sibel Aydemir. "Vor allem der ausländische Zuzug hat enorm nachgelassen." Heuer seien rund 2.000 EU-Bürger und rund 4.000 Nicht-EU-Bürger weniger zugezogen als noch 2016. 2030 werde München die 1,8-Millionen-Einwohner-Marke knacken, hieß es im Frühling im Demografie-Bericht der Stadt. So schnell wird es nun wohl doch nicht gehen.

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