Die Goldene Palme in Cannes Wunderbar auf den Hund gekommen!

Schon beim Pressetermin zur Vorstellung des Films „Dolor y Gloria“ zog Antonio Banderas alle Register, eine Woche später wurde er in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet. Foto: Joel C Ryan/Invision/dpa

Die großen Favoriten setzen sich in Cannes nicht durch, zum ersten Mal gewinnt ein Film aus Südkorea die Goldene Palme

 

Am Ende hat Quentin Tarantino dann doch noch einen Preis bekommen: Die Palme Dog für den besten Hundedarsteller ging an Brandy, den Kampfhund, der beim blutigen Showdown von „Once Upon a Time in Hollywood“ die Killer der Manson Family in Stücke reißt.

Würde sich Donald Trump für Kino interessieren, er würde jetzt auf Twitter toben. Statt „America First“ holt „Parasite“ vom Südkoreaner Bong Joon-ho in Cannes die Goldene Palme. Und das unter dem hollywooderfahrenen, mexikanischen Jury Präsidenten Alejandro Iñárritu.

Tarantino, Malick, Jarmusch - alle dabei, aber ohne Preise

Nicht nur Tarantino, auch die anderen beiden Männer des amerikanischen Kinos – Terrence Malick und Jim Jarmusch – gingen in diesem Jahr leer aus. Zu Recht. Virtuosität und kindliches Vergnügen am Spiel mit den Formen sind einfach zu wenig. Und Malick raunte in „A Hidden Life“ einfach zu pathetisch und romantisch über ein knallhartes, tödliches Kriegsdienstverweigererdrama im NS-Staat hinweg. Die Zukunft gehört also dem neuen, anderen, nicht-eurozentrischen Blick. „Parasite“ ist nach „Shoplifters“ im letzten Jahr die nächste Palme d’Or für einen asiatischen Film. Und in diesem Wettbewerb, der das Genrekino feierte, gewann ein unterhaltsamer Genre-Mix aus Thriller, schwarzer Komödie und Tragödie. Und dazu eine bitterböse Gesellschaftskritik.

„Parasite“ ist ein satirisch überzeichneter Clash von saturierter Mittelschicht und sozial Abgehängten, was für uns Europäern aber ja alles andere als exotisch und fremd ist. Der kleine Trost fürs europäische Kino: Preisträger Bong Joon-ho nannte als seine großen Vorbilder Chabrol und das französische Kino.

Cannes ist nicht politisch korrekt, aber dennoch haben die Frauen jetzt großes Gewicht

Die Zukunft des Kinos gehört natürlich auch den Frauen. Als klar wurde, dass die Palmenfavoritin Céline Sciamma mit ihrem äußerst klugen und sinnlichen Beitrag zur Gender-Debatte „Portrait de la jeune fille en feu“ nur den Trostpreis für das beste Drehbuch erhielt, verschlechterte sich die Gala-Stimmung im Grand Théâtre Lumière merklich.

Wollte man vielleicht doppelt politisch korrekt sein, indem man stattdessen der ersten schwarzen Frau im Wettbewerb, Mati Diop die Silbermedaille, den großen Preis der Jury, verlieh? „Atlantique“ der Franco-Senegalesin ist ein Porträt einer jungen Frau am Stadtrand von Dakar. Bevor sie zusammenkommen fährt ihr Geliebter als verzweifelter Migrant auf einem Seelenverkäufer auf den Atlantik hinaus – Richtung Spanien - und verschwindet in einen Sturm.

Banderas ist jetzt nicht mehr der Latin Lover, sondern ein Charaktertyp

Der Film ist ein Krimi und Gesellschaftsporträt, das auch die Ausbeutung in Afrika selbst zeigt. Und darüber, dass „Atlantique“ im letzten Drittel in einen irrationalen, auch dramaturgisch etwas wirren Geisterfilm kippt, hat die Jury wohl wohlwollend hinweggesehen, weil Mati Diop dennoch gezeigt hat, dass sie starke, vielschichtige, aktuelle Geschichten bildstark erzählen kann.

Und am Ende gab es doch noch Preise an Stars, die das Kino – nicht nur in Cannes – schon seit Jahrzehnten prägen. Statt Pedro Almodóvar bekam sein Hauptdarsteller die goldene Palme: Der 58-Jährige Antonio Banderas ist hier in einer seiner besten Rollen zu sehen, er verkörpert einen schwulen Regisseur, der auf sein Leben zurückblickt, das Alter Ego Almodóvars.

Dardennes und Loach: Die alten weißen Männer haben Großes gezeigt!

Für Banderas ist das sicher ein besonders schöner Preis, weil er so auch die alte Freundschaft der beiden beschenkt und Banderas das Gegenteil eines virilen Sexidols ausspielen konnte: In „Leid und Herrlichkeit“ ist er ein kranker, sich durchs Leben schleppender Mann.

Und die Cannes-Veteranen, die Dardennes Brüder Jean-Pierre und Luc, können sich neben ihre zwei Palmen der Vergangenheit jetzt noch den Preis für die beste Regie für „Le juene Ahmed“ ins Regal stellen. Womit dann doch auch in diesem Jahr die „alten weißen Männer“ ihre verdiente Würdigung bekamen. 

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading