Die goldene Lola Kunst und Kommerz im Einklang

Tom Tykwer mit seiner goldenen Lola für seinen Film "Drei". Foto: dpa

 

 

Darf die Mehrheit bestimmen, was ein guter Film ist? Kunst ist nicht demokratisch! Oder doch?

München - Einen großen Verlierer gibt es seit Jahren beim Deutschen Filmpreis: Til Schweiger. Dabei ist er der Retter des deutschen Kinomarktes mit einem Millionenpublikum, der allein mit „Kokowääh“ gerade mit über vier Millionen Zuschauern mehr ins Kino lockt als alle anderen Preisträger zusammen. Aber seine Filme werden regelmäßig nicht einmal in die Vorauswahl gewählt.

Aber Schweiger sollte nicht dauernd schmollen oder drohen. Der Deutsche Filmpreis ist eben ein Kompromiss aus Kunst und Unterhaltung. Hier wählt nicht das Publikum, sondern die Filmakademie mit ihren 1200 Mitgliedern, allesamt Filmschaffende. Und dass Schweiger ein Meister der guten Unterhaltung ist, das kann niemand ernstlich bestreiten.

So kann er für sich in Anspruch nehmen, am meisten geliebt zu werden und regelmäßig den – nicht vergebenen – Publikumspreis abzuräumen. Der entscheidet sich allein an der Kinokasse. Und schaut man auf die Lola-Preisträger 2011 sieht man: der Kompromiss zwischen Kunstanspruch (Filmexperten wählen) und Demokratie (1200 Mitglieder wählen) – funktioniert wunderbar: Gewonnen haben Filme, die Kunst und Kommerz zusammenbringen.

„Vincent will Meer“ hat als Bester Film gesiegt und darin Florian David Fitz als Darsteller eines Tourette-Nervenkranken als Bester Schauspieler. Denn Ralf Huettners Film ist ein großes, tragikomisches Kinoerlebnis, das über eine Million Zuschauer in Deutschland sehen wollten. Wie fantastisch selbst reine Kunst Zuschauer anziehen kann, beweist Wim Wenders mit seiner Hommage an die Choreografin Pina Bausch, die als 3D-Tanz-Film sich im Kino mit bereits 350 000 Zuschauern behauptet – jetzt Lola-gekrönt als Bester Dokumentarfilm.

Interessant ist der dritte, bestprämierte Film „Drei“ von Tom Tykwer (Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin Sophie Rois) mit nur 270000 Besuchern. Hier hat die demokratisch geheime Abstimmung der Akademie sich für einen mutigen, etwas schrägen Film entschieden, der mit Witz und Lust um die Frage kreist: Wie sehen Sex und Liebe im liberalen Zeitalter aus?

So ist es der Lola-Verleihung gelungen Kunst, Kommerz und Mut miteinander in Einklang zu bringen. Die Kritiker sollten still sein.

 

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