Die Generalabrechnung des Investors "Genug ist genug": Die AZ erklärt Ismaiks Brandbrief

Hasan Ismaik hat sich mit einem offenen brief an die Löwen-Fans gewandt. Foto: sampics/Augenklick

1860-Investor Hasan Ismaik meldet sich zu Wort – diesmal wendet er sich via Facebook an die Fans. Er kritisiert die Löwen-Bosse und wittert Rassismus. Was er schreibt, was er fordert: Die AZ erklärt es.

 

München - In diesen Tagen ist Peter Cassalette beim TSV 1860 als Kriseninterventionshelfer gefragt. Am Dienstag flog der Präsident nach Abu Dhabi, um das Verhältnis zum verstimmten Investor Hasan Ismaik zu reparieren. Kaum unten am Persischen Golf, legte Ismaik mit seiner Kritik nach – und schrieb bei Facebook einen Brief an alle Fans und Mitglieder. Vier Seiten, die der Verein erstaunlicherweise trotz weiterer Vorwürfe gegen die Löwen-Bosse sogar auf seiner Homepage veröffentlichte. Die AZ zeigt die wichtigsten Punkte von Ismaiks Botschaft.

Das Schicksal des Vereins: Seit Ismaiks Zahlungsstopp muss sich1860 mit dem Thema Insolvenz beschäftigen. Er sei "überrascht, dass ich dem Verein angeblich mit einer Insolvenz drohen würde". Seiner Meinung nach "wäre diese Drohung so, als würde ich mich selbst erpressen", schreibt der Jordanier. Was er in seinem eigenen Ultimatum ("Spürbare Veränderungen oder keine Kredite mehr") sieht, das im März wohl zwangsläufig zu einem Lizenzentzug für die Saison 2016/17 führen würde, erklärt er nicht. Er räumt aber mit den Gerüchten auf, seine Anteile zu verkaufen ("Es macht für mich keinen Sinn"), sondern sichert zu: "Ich bestätige hiermit erneut, dass ich diesen Verein weiterhin voll unterstützen werde."

Die Abrechnung mit den Vereinsbossen: 50 Millionen Euro habe der Geschäftsmann bereits in Sechzig investiert, 19 davon als Darlehen, um Löcher zu stopfen. "Dieser Verein hat hohe Fixkosten gemessen an seiner Position in der Liga", klagt Ismaik, der die Allianz Arena als Hauptübel erkenne, aber keine "überlebensfähige Alternative" von den Löwen vernehme. Ohne Namen zu nennen, spricht er den Löwen-Bossen ihre Kompetenz ab und erklärt, warum er die 750.000 Euro Strafe wegen Nichteinhaltung von DFL-Auflagen in Kauf nimmt: "Genug ist genug. Eine erneute Umwandlung ähnelte aus meiner Sicht einer Situation, in der man einem Kind fortlaufend Geld gibt, weil es das Geld, das man ihm am Tag zuvor gegeben hat, wieder ausgegeben hat. Dies lehrt das Kind keine Verantwortung." Die Botschaft: Die Löwen müssen erwachsener wirtschaften. Ismaik erkenne "keinen klaren Geschäftsplan, der angemessen die derzeit verringerten Einkommensverhältnisse widerspiegeln würde", daher sei diese Maßnahme der einzige Weg, "zu zeigen, dass ich diejenigen zur Rechenschaft ziehen möchte, die für das Management des Klubs verantwortlich sind".

Das Misstrauen in die Medien: Ismaik will eine Verschwörungstheorie der Medien und "scharfe, persönliche Angriffe gegen meine Person" entdeckt haben. Er sagt: "Die größten Probleme sind die verzerrte Berichterstattung in den Medien und die Manipulation der Medien durch beteiligte Personen, die ihre eigenen Ziele verfolgen." Seine Kommentare würden durch die Medien verzerrt, um "feindselig und bedrohlich zu wirken."

Die Rassismusvorwürfe: Der Jordanier spricht von "rassistische Schlagzeilen", mit denen die Medien "Vorurteile gegen alle arabischstämmigen Menschen" schüren würden. Dass Ismaik "intolerante und beleidigende Plakate bei Heimspielen" gesehen habe, dürfte angesichts seiner Unbeliebtheit bei manchen Löwen-Fans zwar nicht zu billigen, aber erklärbar sein. Fraglich ist dagegen, ob Ismaik die Medien als Transporteur diverser – und auch aus seiner Sicht unschöner – Thematiken nicht mit den jeweiligen Absendern verwechselt.

Das Verhältnis zu 1860: Trotz seiner arabischen Abstammung habe der Jordanier ein inniges Verhältnis zu den Löwen entwickelt: "Ich weiß, dass ich kein Münchner bin. Aber ich bin ein loyaler und leidenschaftlicher Fan des TSV 1860", sagt er und hat noch viel vor: "Ich hoffe, dass meine finanzielle Unterstützung dazu beiträgt, diesen einst großen Verein wieder auf den Gipfel des deutschen und europäischen Fußballs zu bringen."

Die Bitte an die DFL: Ein Dauerthema seit Ismaiks Einstieg 2011: die 50+1-Regel. "Ich möchte die deutschen Verbände darum bitten, ihre Haltung im Hinblick auf das Eigentum und die Führung von Sportklubs durch ausländische Investoren zu überdenken", man solle "rechtliche Rahmenbedingungen" an die "Regeln der Nachbarländer wie England" anpassen. Ob sein Flehen hilft? Wohl kaum.

Der Appell an die Fans: Zum Schluss stellt der Investor zwei Bitten an die Fans: "Erstens, indem ihr mir Eure Stimme gebt, um meinem Anliegen gegenüber der deutschen Verbänden Gehör zu verschaffen. Zweitens, indem ihr mir helft, die Verantwortlichen für die aktuelle unschöne Situation des TSV 1860 für ihre Handlungen zur Verantwortung zu ziehen." Ob's die Anhänger beherzigen? Mit seinem Brief dürfte Ismaik hauptsächlich eines gesät haben: Zwietracht.

 

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