Die Chancen der Kandidaten Europawahl: Die Münchner in Brüssel

In der Bilderstrecke sehen Sie, wer die besten Chancen hat, wer wackelt und wer gar nicht mehr antritt. Foto: dpa/ho

Wer zittern muss, wer aufhört, wer neue Chancen hat: Die AZ stellt die hiesigen Kandidaten fürs EU-Parlament vor.

 

München - Er kämpft wie ein Bulle: Ein schwarzes Rindvieh mit roter Krawatte stiert von den Plakaten. „Kraftvoll für Europa“, steht darunter. So will der Münchner CSU-Politiker Bernd Posselt (57) wieder ins EU-Parlament einziehen. Einfach wird das für ihn nach 20 Jahren in Brüssel nicht. Sein Platz sechs auf der Liste der CSU könnte am Sonntag bei der Europawahl schon zur Zitterpartie werden. 15 Bayern saßen in der vergangenen Legislaturperiode im EU-Parlament. Vier davon aus München.

Die AZ erklärt, wer die besten Chancen hat, wer wackelt und wer gar nicht mehr antritt.

Noch ist die CSU mit acht EU-Parlamentariern vertreten. Die SPD hat drei Bayern in Brüssel, die Grünen zwei, FDP und Linke je einen. Nun aber werden die Karten völlig neu gemischt. Das Parlament wurde verkleinert. Deutschland hat nur noch 96 statt 99 Sitze. Die Drei-Prozent-Hürde ist gekappt. Davon profitieren die kleinen Parteien. In zehn Bundesländern sind gleichzeitig Kommunalwahlen. Ihre Wahlbeteiligung könnte höher liegen als die in Bayern.

Das wird auch für die Münchner FDP-Abgeordnete Nadja Hirsch (35) zum großen Bangen nach dem Absturz der Liberalen. Die Wirtschaftsmediatorin, die Stadträtin war, bevor sie 2009 ins EU-Parlament einzog, steht auf Listenplatz vier.

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Einen schweren Verlust müssen die Genossen in der Landeshauptstadt verkraften. Ihr Vorzeige-Europäer Wolfgang Kreissl-Dörfler (63) tritt nach 20 Jahren im EU-Parlament nicht mehr an. „Es war die spannendste politische Arbeit, die ich je gemacht habe“, resümiert er. „Schade, dass immer mehr Kräfte auftreten, die die EU zerstören wollen.“ Angefangen hatte der gelernte Landwirt und studierte Sozialpädagoge 1983 bei den Grünen, 2000 wechselte er zur SPD. Für ihn kommt die Rosenheimer Ex-Landtagsabgeordnete Maria Noichl. Auf Platz 18 der bundesweiten SPD-Liste hat sie eine Chance. Sicher drin sind wieder die Schweinfurterin Kerstin Westphal (51) und der Amberger Ismail Ertug (38).

Auch die Grünen verlieren in München ein Schwergewicht. Gerald Häfner geht nicht mehr nach Europa. Der 57-Jährige gehörte zur Gründungsmannschaft der Öko-Partei und war ihr Chef in Bayern. Zehn Jahre saß Häfner im Bundestag, bis er 2009 nach Brüssel wechselte. "Brüssel ist noch einmal interessanter und herausfordernder, weil man mit Menschen aus 28 Ländern Regeln schafft, sagt er.  Nun will sich Häfner nur noch um die neue Initiative "Democracy International" kümmern, die er gerade aufbaut. Als Einzige wird künftig die Schwäbin Barbara Lochbihler (55) mit Listenplatz fünf die bayerischen Grünen in Brüssel vertreten.

Ein Münchner könnte es bei der ÖDP schaffen. Der Physik-Professor Klaus Buchner (73) ist ihr Spitzenkandidat. Gleich auf Platz zwei folgt ihm der Passauer Sebastian Frankenberger (32). Er hatte das Volksbegehren gegen die Raucher in Bayern initiiert.

Hoffen muss der Münchner Bruno Kramm (46). Der Pirat mit roten Haaren und schwarzem Cowboy-Hut steht auf Platz vier.

Nur wenn die AfD ein zweistelliges Ergebnis erzielt, kann es der Eichenauer Dirk Driesang (48) mit Platz 11 nach Brüssel schaffen.

Sein Mandat sicher hat der einzige bayerische Linke Thomas Händel (60) aus Nürnberg.

Chancen darf sich die Spitzenkandidatin der Freien Wähler, Ulrike Müller (51), ausrechnen. Die Schwäbin ist im Landtag Vize von Fraktionschef Hubert Aiwanger und eine Powerfrau, die die CSU gerne abwerben würde.

Eine Garantie auf ihr Mandat haben bei der CSU: Europagruppenchef und Schwabe Markus Ferber (49). Frauen-Unions-Chefin Angelika Niebler (51) aus Ebersberg. Der niederbayerische CSU-Chef Manfred Weber (41), der Chancen hat, im neuen EU-Parlament Fraktionschef der Konservativen zu werden. Strauß-Tochter Monika Hohlmeier (51), die für Oberfranken kandidiert. Der Oberpfälzer Albert Deß (67). Und der Münchner Bernd Posselt als Sechster – aber nur, wenn die CSU gut abschneidet.

 

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