Die Blamage Siemens: Schon wieder ein Sparprogramm

In Europa werden öffentliche Ausgaben gekürzt - das trifft den Infrastruktur-Lieferanten Siemens Foto: dpa

Sparen, aber richtig: Weil die Aussichten für den Konzern mau sind, kommen vier Milliarden Euro auf den Prüfstand. 600 Top-Manager werden auf Löschers Kurs eingeschworen

 

München - Siemens, deine Baustellen: Nach Jahren der Ausgliederungen, des Stellenabbaus, der Umstrukturierungen und zuletzt glänzenden Gewinnen schien die Zeit der Unsicherheit in dem Konzern eigentlich vorbei. Jetzt kämpft Siemens-Boss Peter Löscher aber mit enttäuschenden Zahlen, kündigt – Überraschung! – ein Sparprogramm an. Die Vorgaben sind ehrgeizig: Vier Milliarden Euro sollen unterm Strich herauskommen.

Gerade treffen sich die Top 600 des Konzerns in Berlin. Diese Manager will Löscher auf seine Ziele einschwören. Unfreiwillige Schützenhilfe liefern ihm dabei die Analysten der Deutschen Bank. Sie setzten das Kursziel für die Siemens-Aktie von 85 auf 75 Euro herab, empfehlen Anlegern, sie zu verkaufen und begründen dies mit den schlechten Aussichten für die Branche und für Siemens.

Das Gewinnziel von sechs Milliarden Euro für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr musste Siemens längst kassieren. Jetzt werden es wohl nur fünf Milliarden Euro werden – immer noch eine dicke Stange Geld, aber Investoren reagieren äußerst ungnädig, wenn Gewinnversprechen kassiert werden.

Was lief schief bei Siemens? Die Gründe für die Flaute sind nur zum Teil selbst verschuldet, waren aber vorhersehbar. Weil Siemens einen großen Teil seines Geschäfts in Europa macht, trifft den Konzern die Schuldenkrise stärker als beispielsweise den Konkurrenten General Electric. Die Politik ist damit beschäftigt, Finanzlöcher zu stopfen, große Infrastrukturprojekte liegen auf Eis – damit fallen automatisch Umsätze für Siemens weg. Kritiker mäkeln jetzt, Löscher hätte dies vorhersehen und rechtzeitig auf die Bremse treten müssen. Statt dessen investierte Löscher trotz der absehbaren Eintrübung 1,4 Milliarden Euro. Das kann man mutig nennen – oder hanebüchen.

Dazu kamen Patzer: Der Kauf des israelischen Solarunternehmens Solel 2009 erwies sich als Fehler – 231 Millionen Euro mussten jetzt abgeschrieben werden. Bei der Anbindung von Windparks in der Nordsee ans Stromnetz auf dem Festland gaben sich die Siemens-Ingenieure peinliche Blößen. Ein technisches Problem nach dem anderen trat auf. Die Folge: Rund eine halbe Milliarde Euro gingen für die Pannenbekämpfung beim Windstrom drauf. Das alles ließe sich verschmerzen, wenn Löscher volle Auftragsbücher präsentieren könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Allein von April bis Juni brachen die Bestellungen verglichen mit dem Vorjahresquartal um mehr als ein Viertel ein. Wann die Konjunktur wieder ordentlich anzieht, steht in den Sternen – die Zeit der großen Sprünge ist für Siemens vorerst vorbei.

 

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