Die AZ-Kritik zu Tag 2 Dschungelcamp 2017: Liebes RTL, wir müssen reden!

AZ-Redakteur Christoph Elzer meint: Hanka ist ein Fall für den Arzt - und nicht für Doctor Bob! Foto: RTL

Seit der ersten Folge schaue ich das Dschungelcamp "beim RTL" und natürlich hauptsächlich, weil sich Menschen, die ebenso wenig bekannt wie begabt sind, zum Deppen machen. Aber dieses Jahr geht es zu weit.

Coolangatta – Nicht nur wer in den Dschungel zieht, sondern auch wer sich das Spektakel ansieht, muss hart im Nehmen sein – immerhin zählen Fremdschämen und ein flaues Gefühl in der Magengrube des Zuschauers hier zu den gewünschten Effekten. Aber wenn der ekligste Moment der Show nicht in einer Dschungelprüfung stattfindet, dann läuft da etwas schief.

Bereits nach der gestrigen Dschungelcamp-Premiere war klar, dass Hanka Rackwitz in einem solchen TV-Format völlig überfordert ist. In der heutigen Folge wurde das dann so deutlich, dass man eigentlich schon behaupten kann, dass RTL seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Kandidaten nicht nachkommt.

Hanka Rackwitz ist psychisch krank. So einfach ist das. Und damit hat sie in einer TV-Show, in der es um Grenzerfahrungen geht, schlichtweg nichts verloren. Natürlich ist es amüsant, über ihre Psychosen zu lachen. Selbstverständlich hat es etwas extrem Komisches, wenn sie in den höchsten Tönen von dem zauberhaften Geschmack ihres selbst zubereiteten Zahnpasta-Tees schwärmt. Und natürlich habe auch ich ungläubig aufgelacht, als sie der Formulierung "Wasser lassen", eine völlig neue Dimension verlieh.

Auch bei der Produktion des Dschungelcamps sollte es moralische Grenzen geben

Aber das ist falsch. Über so etwas sollte man nicht lachen. Niemand sollte wegen psychischer Probleme ausgelacht werden und schon gar nicht damit öffentlich zur Schau gestellt werden. "Ich bin ein Star – holt mich hier raus" appelliert seit jeher an die niedersten Instinkte des Menschen, aber hier werden sie einfach etwas zu viel stimuliert. Hankas Phobien und Zwangsstörungen werden durch einen Aufenthalt im Dschungel sicher nicht geheilt, sondern höchstens schlimmer. Und ihren Job als ernstzunehmende Immobilienmaklerin kann sie nach dem heutigen Pinkelgate sicherlich nicht mehr ausüben. Was wir hier (mehr oder weniger) live erleben, ist nichts anderes, als die schleichende Zerstörung einer Existenz.

Das wirklich Schlimme dabei ist, dass das Dschungelcamp 2017 das gar nicht nötig hat. Auch ohne Hanka gibt es mehr als genug Material für köstliche Unterhaltung. Der Auftritt von Markus Majowski beispielsweise gleicht einer dadaistischen Kunst-Performance ("Siehst du die leuchtenden Zirkarden da hinten? Die erinnern mich an Wachmänner!"). Kader Loth wiederum präsentiert sich bei ihrer Reis-Bohnen-Diät genau so intellektuell, wie man sie schon immer eingeschätzt hatte ("Jetzt weiß ich, warum die Menschen, die im Busch leben, andere Menschen essen"). Und Honey ("Ich wette, 80 Prozent der Bodybuilder hätten sich diese Prüfung nicht getraut") könnte mit Intimfeind Florian zum Prüfungs-Traumpaar des Jahres werden.

All das würde für eine gute Staffel "Ich bin ein Star" reichen. Also holt Hanka da endlich raus!


Gebt "Floney" eine Chance! Dieses Camp hat auch ohne Hanka genug Unterhaltungspotential. Foto: RTL

 

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