Die AZ auf der Baustelle Alte Staatsbank wird zum Luxushotel: Es bleibt nur die Fassade

Ausgehöhlt: die riesige Baustelle zwischen Salvatorplatz (vorne) und Prannerstraße mit Blick auf die Rückfassade vom "Bayerischen Hof". Foto: Bayerische Hausbau/Hans-Rudolf Schul

Die alte Staatsbank an der Kardinal-Faulhaber-Straße wird bis 2023 zu einem Luxushotel umgebaut. Die AZ hat sich auf der Baustelle umgesehen.

 

München - Für die einen sind die goldenen Zeiten vorbei. Für die anderen beginnen sie erst. Das sieht man beim Luxus-Hotelbau "Rosewood" an der Kardinal-Faulhaber-Straße mitten in München besonders gut.

Die einen, das sind Banken wie die Hypovereinsbank (HVB). Ihr gehörte bis 2011 der Gebäudekomplex samt dem Palais Neuhaus-Preysing an der Kardinal-Faulhaber-Straße 1. Die Branche schrumpft. Im Vergleich zu 2017 hat sich der HVB-Jahresüberschuss 2018 pulverisiert: Von 1,336 Milliarden auf nur noch 238 Millionen Euro. Harte Zeiten für Banken.

Kette "Rosewood" baut bis 2023 ein Luxushotel

Die anderen, die jetzt loslegen, das sind die Hotelmogule dieser Welt. Wegen der Perspektive auf Profit lässt sich die internationale Hotelkette "Rosewood" erstmals in Deutschland nieder. "Bis 2023 wird das Luxushotel fertig sein", sagte gestern der Bayerische-Hausbau (BH)-Geschäftsführer Peter Müller.

Die BH ist eine Unternehmenstochter der Schörghuber-Gruppe (Paulaner) – und Eigentümerin des Gebäudekomplexes. Die HVB verkaufte das Areal 2011 – für eine dreistellige Millionensumme, munkelt man. BH lässt das Hotel mit 85 Zimmern und 47 Suiten bauen (je 40 bis 250 Quadratmeter groß). Und verpachtet dann an Rosewood. "Fünf Sterne Ultra Luxury", zitiert Müller.

Es bleibt nur die denkmalgeschützte Fassade

Eine zusätzliche, "mittlere bis niedrige dreistellige Millionensumme" koste das Bauprojekt, sagt Müller vage. Äußerlich steht nur noch die denkmalgeschützte Neubarock- und Rokoko-Hülle. Innerlich wurde das 20 000-Quadratmeter-Areal "ausgehöhlt". "Aus der protzigen alten Konstruktion, mit den großen Freiflächen, hätte man kein Hotel bauen können", sagte einer der drei Baustellenleiter am Rande der Führung.

Wer die Fassade aus der Ferne sieht, könnte meinen, das Gebäude stünde noch genauso da, wie zuvor – nur mit Umzäunung. Aber das ist eben nur Fassade. Sie wird mithilfe von 75 Tonnen Stahl und 100 Tonnen Beton gestützt. Stahlpfeiler wurden in Betonblöcke gegossen und mit der Außenfassade verschraubt, damit die denkmalgeschützten Mauern Wind und Wetter standhalten.

Es soll ein offenes Konzept werden

Neben dem Hotel entsteht an der Prannerstraße 4 auch ein Geschäftsgebäude, inklusive einer eigenen Tiefgarage mit 89 Stellplätzen. Die Gewerbefläche wird hier am Ende 10.800 Quadratmeter betragen. "Meeting & Conference" heißt es in den Plänen. Das Ganze hat natürlich einen Hintergedanken: Wer luxuriös konferiert, kann nebenan seine Geschäftstreffen organisieren – oder umgekehrt.

Die Geschäftsführer der Hausbau betonen trotz allem, dass es kein exklusiver Ort sein wird. Ein offenes Konzept solle geschaffen werden, das sich nicht nur an Hotelgäste richtet. Dazu gehöre ein Restaurant für 100 Gäste, eine Bar für 150 Gäste, ein Spa-, Fitness- und Treatment-Raum auf 1300 Quadratmetern und ein begehbarer, grüner Innenhof. Ob Restaurant und Spa für Münchner Durchschnittsverdiener geeignet sind, bleibt abzuwarten.

Die HVB hatte den Gebäudekomplex schon einmal für einen dreistelligen Millionenbetrag entkernt, vor etwa 15 Jahren. Damals wären die denkmalgeschützten Gemäuer beinahe umgekippt, weil Beton im Untergrund aufgequollen ist.

Lesen Sie hier: Feines Stück Altstadt - Rund um den Salvatorplatz

 

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