Die 50-Jährige lebt für die Musik Ute Lemper: "Auf der Bühne kann ich gut altern"

Auch mit 50 Jahren lebt Ute Lemper für die Bühne Foto: Stage Entertainment

Sie wird international gefeiert und gilt als der einzige deutsche Weltstar der Gegenwart: Ute Lemper. Nun kehrt die Sängerin zu ihren Wurzeln zurück - als Botschafterin für das Musical "Chicago" in Stuttgart. Im Interview mit spot on news spricht sie über ihre Zeit am Broadway, ihren 50. Geburtstag und ihre Sehnsucht nach deutschem Essen.

 

Sie trat unter anderem in den Erfolgsmusicals "Cabaret", "Cats" und "Chicago" auf, füllt mit ihren eigenen Konzerten regelmäßig die größten Hallen und zieht nebenher auch noch vier Kinder groß: Ute Lemper. Anlässlich ihrer neuen Funktion als Botschafterin für das Musical "Chicago" in Stuttgart hat die Nachrichtenagentur spot on news mit der Ausnahmesängerin über ihre einzigartige Karriere, aber auch über das Altern und ihre deutsche Heimat gesprochen.

Denken Sie noch gerne an die Zeit bei "Chicago" zurück?

Ute Lemper: Ja, aber es ist auch schon lange her. Mittlerweile fast 15, nein, sogar schon 17 Jahre. In London habe ich das Stück 1997 achtmal in der Woche gespielt. Dann ging es an den Broadway bis Ende 1999 und schließlich noch vier Monate in Las Vegas. Ich habe die Rolle also zur Genüge gespielt, fast drei Jahre meines Lebens. Doch jetzt habe ich reichlich Abstand gesammelt und spreche wieder gerne über das Musical.

Das heißt, Sie wollten viele Jahre gar nicht mehr über "Chicago" sprechen?

Lemper: Es war schwierig für mich, jeden Abend den Helden zu spielen. Egal, ob jetzt in "Chicago", "Cabaret" oder auch "Cats". Ich stand ja tagtäglich, manchmal sogar dreimal am Tag auf der Musical-Bühne. Deshalb habe ich das Kapitel nach zweieinhalb Jahren gerne abgeschlossen. Ich wollte wieder als freie Künstlerin arbeiten, mich neu definieren und mich außerhalb von "Chicago" wiederfinden. Dafür habe ich fast ein ganzes Jahr gebraucht, ich habe gar nicht bemerkt, wie sehr ich den Musical-Stil verinnerlicht hatte. Das war mir eine große Lehre. Seitdem habe ich kein Musical mehr gespielt.

Ein Musical-Engagement käme für sie also nicht mehr in Frage?

Lemper: Sag niemals nie. Wenn mir in New York eine tolle Rolle angeboten wird, warum nicht? Es gibt ja wunderbare Stücke wie zum Beispiel "Sunset Boulevard". Aber im Moment ist nichts geplant. Und ich bin auch sehr glücklich und erfüllt mit meinen eigenen Konzerten. Die Freiheit, selbst zu planen und zu singen, was und wann ich möchte, ist mir sehr wichtig. Zudem ist jedes Konzert anders, da gibt es keine Routine.

Sie arbeiten auch als Schauspielerin. Demnächst sind Sie in Woody Allens neuem Film "Magic in the Moonlight" zu sehen...

Lemper: Das ist nur ein Kurzauftritt, es lohnt sich nicht, darüber zu reden. Ich mache immer noch Filme, im Herbst stehen die nächsten Dreharbeiten an. Die Schauspielerei ist aber nur eine Nebengeschichte für mich. Am glücklichsten bin ich mit meiner Musik.

Das heißt, Sie planen noch viele weitere Jahre auf der Bühne?

Lemper: Ich hoffe! Ich klopfe auf Holz, dass nichts passiert. Ich hoffe, meine Stimme bleibt mir noch viele Jahrzehnte erhalten.

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Sie haben im letzten Jahr Ihren 50. Geburtstag gefeiert. War das schwer für Sie?

Lemper: Der Geburtstag war unangenehm. Die Zahl hat mir überhaupt nicht gefallen. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt und bin stolz darauf, 50 zu sein. Ich hatte schon so ein reiches Leben, mit vielen Abenteuern und Wagnissen, ich habe vier Kinder in die Welt gesetzt, viele Alben aufgenommen und Projekte umgesetzt. Ich gräme mich auch nicht vor den Falten. Wenn meine Stimme versagen würde, dann wäre das ein viel größerer Schlag für mich. Alles andere sind ja nur Äußerlichkeiten. Auf der Bühne kann ich gut altern und noch mal 20 Jahre obendrauf setzen. Da laufen die Chansons immer noch. Und außerdem kann ich mir die Lieder selbst auf den Leib schneidern.

Ihr Alter sieht man Ihnen nicht an - was tun Sie für Ihr Aussehen, tanzen Sie noch?

Lemper: Nein, nicht mehr. Im Laufe der Zeit sind mir ein paar Bandscheiben rausgeflogen. Auch dank Chicago übrigens (lacht). Mein Körper ist aber schon immer sehr athletisch gewesen. Die Fettsucht liegt mir nicht in den Genen. Im Gegenteil, ich könnte eher ein paar Pfündchen mehr vertragen. Ich gehöre zu den Frauen, die im Alter dünner statt dicker werden. Das gefällt mir auch nicht, aber so ist es nun mal. Das Wichtigste ist, dass das Feuer in einem brennt. Dass man sich nicht der Routine hingibt und sich hinter irgendwelchen Weisheiten des Alters verbarrikadiert. Im Gegenteil, man sollte immer offen für Neues bleiben. Da hilft mir New York schon sehr. Genauso wie meine Kinder und meine Leidenschaft für die Arbeit.

Sie leben nun schon so viele Jahre in New York, gibt es etwas, dass Sie an Deutschland vermissen?

Lemper: Das werde ich immer wieder gefragt. Mittlerweile falle ich auf die immer gleiche Antwort zurück: das deutsche Essen. Die deutsche Küche ist schon eine tolle Sache. Mittlerweile gibt es ja alles Mögliche in New York. Aber die saftigen Gerichte, wie Braten mit Sößchen, Kartoffelpuffer, Spätzle, Maultaschen, Bratwürstchen und Currywürstchen - solche Sachen gibt es dort nicht. Das ist ein schönes Stück Heimat, das ich ab und zu in Deutschland gerne auskoste. Auch das Brot ist in Deutschland besser. Ich mag zwar den Bagel, aber das schöne saftige Vollkornbrot gibt es dort auch nicht.

Sie sind immer noch regelmäßig auf Tour - wie schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Lemper: Alles kommt ein wenig zu kurz, alle Rollen kann man nicht gleichzeitig spielen. Das ist schon schwierig und auch oft sehr ermüdend. Aber es gibt mir auch Kraft. Die Familie gibt mir diese Kraft, das zu machen, was ich tue. Immer wieder in das Nest zurückzukommen, das ist schon sehr wichtig für mich. So bleibt das Leben immer auf der positiven Seite. Ich kann es mir auch gar nicht leisten, in irgendwelche Diva-Depressionen oder sonstiges abzurutschen. Zudem liebe ich meinen Beruf einfach über alles. Ich glaube, wenn man viel einsetzt, dann bekommt man auch mehr. Wenn man allerdings auf Sparflamme kocht, dann brennt das Leben auch auf Sparflamme. Wenn man volles Feuer gibt, dann kann man auch noch weiter brennen. Ab und zu verbrennen gehört dann auch dazu (lacht).

 

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