Die 45. Art Basel Rummelplatz für Reiche

Ein Zeltdach kommt immer gut - ob im Münchner Olympiastadion oder vor der Hauptmessehalle der Art Basel. Foto: dpa

Große Namen gehen am besten, die Millionen sitzen eh locker auf der Art Basel – bis Sonntag zieht die größte Messe zeitgenössischer Kunst Tausende Besucher an

 

"Allez“, raunzt eine forsche Französin ihren Begleitern zu. Man darf annehmen, dass es Gatte und Sohn sind, die die schwarze Luxuslimousine einer Münchner Premiummarke ausspuckt. Nicht vorne am Hauptplatz, wo sich schon Schlangen gebildet haben, sondern an einem der Seiteneingänge. Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt. Und der läuft vor der offiziellen Eröffnung der Art Basel auf Hochtouren. Ein Damien Hirst ging gleich für 6 Millionen über den Tisch, Jeff Koons’ geckiger Stahldelfin brachte 5 Millionen ein, Georg Baselitz’ Riesenholzbursche „Volk Ding Zero“ über 2 Millionen. Aber Andy hat wieder mal alles getoppt: 35 Millionen Dollar für ein Warhol-„Selfie“ in x-facher Wiederholung.

Marc Spiegler, der Chef der Megamesse, lächelt dezent in die Kameras. Über Geld spricht er weniger gern, als über die ambitionierten Zusatzausstellungen der 45. Art Basel. Doch der Einstieg hätte nicht besser sein können. Wer will da mosern, Basel sei „überbewertet“. Mehr als 285 Galerien aus 34 Ländern sind vertreten, und die Zahl der außereuropäischen steigt stetig, obwohl die Schweizer in Miami Beach und Hongkong prächtig gedeihende Ableger gepflanzt haben.

"Sooo charming in Switzerland"

Aber so wie June und George aus Boston kommen viele nach wie vor ganz gerne nach good old Europe, es sei halt „sooo charming“ in Switzerland und ihre Stammgaleristen längst zu „best friends“ geworden. Außerdem habe man hier einfach alle beieinander.

Alle ist jedoch leicht übertrieben. Nur ein Bruchteil der Bewerber bekommt grünes Licht, jedes Jahr werden die Karten für die Galeristen der Kunst des 20. und 21. Jahrhundert neu gemischt. Wobei Branchen-Giganten wie Gagosian, Hauser und Wirth oder die White Cube Gallery ganz zufällig immer im Boot sind. Wer will sich schon um millionenschwere Filetstücke bringen.

Damit es sich wenigstens etwas mehr durchmischt, hat Spiegler die Trennung zwischen etablierter und junger Kunst aufgehoben, gut 30 Newcomer-Galerien dürfen sich erstmals unter die Großen mischen. – und die alten Hasen aus dem mittleren Segment, wie sich Bernd Klüser einordnen würde. Der Münchner Galerist ist seit der allerersten Art Basel dabei, inzwischen mit Tochter Julia, die sich eben noch einen Espresso gönnt. Später geht’s ohne Pause durch, aber wichtige Brocken sind geschafft: Gleich am ersten VIP-Tag wechselten ein Bild von Alex Katz und zwei von Jorinde Voigt die Besitzer. Beruhigend.

Kampfbusseln im Kernbereich der Messe

Die Kosten für seinen Stand näherten sich dem sechsstelligen Bereich, sagt Klüser. „Aber vieles entscheidet sich erst hinterher“, ergänzt Tochter Julia. Und: Fast alle Verkäufe gingen ins Ausland, die Schweiz, Russland, Amerika. Da fiele die auf 19 Prozent gestiegene deutsche Mehrwertsteuer nicht an, die der Branche heftig zusetzt.

Auch Daniel Blau schüttelt den Kopf: „Das ist nicht schön, lassen Sie uns lieber über Kunst reden.“ Der Münchner konzentriert sich auch in diesem Jahr wieder komplett auf Andy Warhol – vornehmlich Zeichnungen und Collagen, für die sich in der Hauptsache Europäer interessierten: „No dirty paper“, heißt es bei den Amerikanern. Zufrieden ist er trotzdem.
Für den Münchner Rüdiger Schöttle, noch ein Veteran der ersten Stunde, scheint Basel geradezu Balsam zu sein. Ausschließlich durch die großen Messen könne er überleben – nicht nur eine Arbeit der fabelhaften Mariá Bartuszová trägt bereits einen roten Punkt. „Aber München ist eine Katastrophe“, regt er sich auf, „da wird mein eher experimentelles Programm bestenfalls zur Kenntnis genommen“.

Dafür lächelt Sabine Knust entspannt wie beim Yoga. Mit ihren Kunst-Editionen gehört auch sie zu den Langzeit-Münchnern der Messe, und da ginge es sowieso nicht um „Millionen-Sales“, wie Kompagnon Matthias Kunz erklärt, „das beginnt bereits bei zwei- bis fünftausend Euro“. Also hat man Zeit, sich den Kunden zu widmen. Ohne Kampfgebussel wie im Kernbereich von Halle 2 zwischen den Global Playern.

Dort zwirbelt sich Yellow-Man Dieter Meier genussvoll seinen Schnäuzer, Rolf Sachs und Norman Foster flanieren durch die Gänge, Sammlerin Ingvild Goetz kommt mit ihrem Mann Stephan kaum zum Kunstgucken vor jubilierenden Galeristen. Langbeschürzte tragen Champagner vorbei, während die tonangebende Französin mit ihren – genervten – Männern immer noch im Stechschritt unterwegs ist...

Ach ja, die Kunst. Gediegener ist sie geworden, weniger schrill, aber dafür fehlt jetzt leider der Platz.

 

0 Kommentare