Die 3. Liga droht Sturm-Oldie Ivica Olic: Karriere mit Happy End?

"Er würde bei mir immer spielen – wenn er 20 wäre", sagt Löwen-Trainer Vitor Pereira über Ivica Olic. Doch der Stürmer ist eben 37 und spielt eher sporadisch für den TSV 1860. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Ivica Olic ist ein großer Name im internationalen Fußball, beim TSV 1860 wollte der 37-Jährige in der 2. Liga seine Karriere ausklingen lassen. Jetzt kämpft er gegen den Absturz in die Drittklassigkeit.

 

München - Sechs Meistertitel in drei Ländern. Uefa-Cup-Sieger mit ZSKA Moskau. Zwei Mal Torschützenkönig in Kroatien. Zum Höhepunkt seines Schaffens zwei Mal Champions-League-Finalist mit dem FC Bayern. Ivica Olic, Angreifer aus dem kroatischen Davor, hat schon viel gesehen in seiner Karriere. Und gewonnen. Sein Abgang könnte dagegen ein unrühmlicher, ein trauriger werden.

Vom Chaos-Club zum Chaos-Club

Im Sommer schloss sich Olic nach anderthalb durchwachsenen Jahren beim Hamburger SV dem TSV 1860 an. Im hohen Fußballer-Alter von 36 Jahren wollte es Musterprofi Olic nochmal wissen. "Hier war viel Stress. Und ich komme von einem Verein, in dem ich auch viel Stress hatte. Ich habe das erlebt. Ich will davon weg, will mehr Spaß haben. Ich weiß, dass uns viel Arbeit erwartet, aber zusammen können wir etwas Gutes machen", gab sich Olic bei seiner feierlichen Präsentation hoffnungsfroh.

Um sich hinterher der Realität zu stellen: Während der Giesinger Arbeiterverein den HSV in Sachen Chaos wohl spätestens seit der legendären Pressekonferenz von Investor Hasan Ismaik und dem folgenden Abschottungskurs längst überholt haben dürfte, ist auch sportlich nur wenig Gutes entstanden: Trotz großen Umbruchs und der Rückholaktion von Stefan Aigner, die den Transferhammer um Olic noch überboten hatte, verwandelten sich die großen Aufstiegsträume schnell in Abstiegsängste.

Jetzt könnte der einstige Weltklasse-Kicker Olic zum Abschluss der großen Karriere sogar als Absteiger in die 3. Liga enden. Gegen den Drittliga-Dritten Jahn Regensburg müssen die Löwen nun in der Relegation gegen den Absturz in die Drittklassigkeit kämpfen (18 Uhr, ARD und im AZ-Liveticker). Wie geht es mit Olic weiter? Der mittlerweile 37-Jährige ließ sich zu Saisonbeginn einen Einjahresvertrag verpassen und mehrfach durchblicken, dass danach Schluss sein soll mit Profifußball. Ex-Trainer Kosta Runjaic, Olics Athletiktrainer beim HSV, Daniel Müssig, Kollege Fanol Peredaj – sie vereint folgende Einschätzung über den Musterprofi: "Er ist eine Maschine."

"Ich habe viel gemacht, damit ich lange kicken kann", so Olic selbst. Bei den Sechzgern brauchte die stürmende Maschine allerdings ungewohnt lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen: Erst am 12. Spieltag feierte der Kroate beim 2:3 gegen den SV Sandhausen seine Tor-Premiere für 1860, nachdem er ein Spiel zuvor beim 6:2 gegen Erzgebirge Aue zwei Assists geliefert hatte – und auch unmittelbar danach vier weitere Treffer in sieben Spielen schoss. Könnte auch ein bisschen Frust-Abbau gewesen sein. Nicht nur über die Entlassung Runjaics nach dem 13. Spieltag, auch wegen seiner Wett-Affäre: Olic hatte einem Kumpel seine Kreditkarte zum Zocken geliehen. Der Lohn für die Dummheit ohne kriminelle Absicht: zwei Spiele Sperre.

Unter Pereira ist Olic keine Option

Zudem bereitete dem muskelbepackten Angreifer sein linkes Knie Probleme: Seit einem Knorpelschaden im Jahr 2010 plagte er sich immer wieder mit Schmerzen. "Alter Mann", sagte er der AZ einmal lächelnd, als es gerade einmal nicht so schlimm war, ab und an war der Kroate aber auch wortkarg und sichtlich genervt von seinem lädierten Gelenk. Immerhin: Spekulationen über ein vorzeitiges Karriereende im Winter wischte er beiseite. Unter Runjaic-Nachfolger Vitor Pereira muss sich Kämpfer Olic jedoch meist hinter Neu-Löwe Christian Gytkjaer anstellen.

"Olic würde bei mir immer spielen – wenn er 20 wäre", sagte der Portugiese einmal über den Dauerläufer, und ließ Olic meist auf der Bank versauern. Jetzt, kurz vor der Ziellinie einer langen Laufbahn, muss Olic mit 1860 nach völlig vermurkster Saison in der Abstiegsrelegation gegen den SSV Jahn Regenburg ran – Absturz in die Drittklassigkeit nicht ausgeschlossen.

 

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