"Dialog mit Rummenigge ist wichtig" Das sagt Ayre über seine Aufgaben, einen Abstieg und Investor Ismaik

Wollen mit dem TSV 1860 hoch hinaus: Ian Ayre, neuer Geschäftsführer der Löwen und Investor Hasan Ismaik. Foto: sampics/Augenklick

Der neue 1860-Geschäftsführer Ian Ayre hat sich in einem Interview über seinen Job an der Grünwalder Straße, einen möglichen Abstieg und seine Mission bei den Löwen geäußert. "Wir haben einen Spagat zwischen der lokalen Marke und internationalen Einflüssen zu bewerkstelligen"

 

München - Seit Anfang April haben sich die Löwen die Dienste eines internationalen Top-Managers zueigen gemacht. Ian Ayre, ehemaliger Boss des FC Liverpool, hat vor wenigen Wochen an der Grünwalder Straße angeheuert. Im Interview mit dem kicker spricht über über seinen Start bei Sechzig, seine Aufgaben und Investor Hasan Ismaik. Ian Ayre über...

sein Arsenal an roten Krawatten und Socken: Ich habe sie noch, die sind in Liverpool geblieben. Auch wenn ich nicht mehr dort lebe und arbeite, bleibt das doch mein Heimatverein. Liverpool ist meine Heimat, dort bin ich geboren und aufgewachsen, aber ich hatte das Gefühl, dass ich meinen Job dort erledigt habe.

sein Hauptaugenmerk in den ersten Wochen: Um ehrlich zu sein: Wenn man so Projekte wie hier beginnt, muss man erst einmal beobachten, wie die Abläufe sind und was in dem Verein vorgeht. Deshalb bin ich auch früher als vereinbart eingestiegen. Ich wollte die Zeit nutzen, um den Verein zu analysieren, wenn er voll im Spielbetrieb steht. Ich will wirklich verstehen, wie ich dem Klub genau helfen kann. Es hat keinen Sinn, hier aufzutauchen und Veränderungen zu beschließen, ohne zu wissen, was vor sich geht. Ich beobachte, versuche zu verstehen und lerne. Ende der Saison werde ich dann einen Plan entwickeln, um den Verein zu strukturieren.

das, was besser werden muss: Sehr viel. Wir können die Kommunikation intern wie extern verbessern. Wir werden intensiv mit dem Trainer besprechen, welche Qualität die Mannschaft im Sommer braucht, denn wir wollen das bestmögliche Team für die nächste Saison. Langfristig wollen wir die Struktur im Verein verbessern, die Qualität, die Professionalität. Der Umgang mit den Fans, Mitgliedern und Businesspartnern muss auf einem besseren Level funktionieren. Wir können uns beinahe in jedem Bereich steigern - das wird allerdings Zeit brauchen.”

die Internationalisierung der Löwen: Wir sind an der Spitze international aufgestellt, aber den Verein machen weitaus mehr Menschen aus. Ich denke, für den Fans von 1860 ist es das Allerwichtigste, dass wir erfolgreich sind. Alles andere ergibt sich daraus. Wir müssen die richtige Balance finden. Dass wir anders als die anderen Klubs aufgestellt sind, heißt ja nicht, dass man so nicht erfolgreich sein kann. Es bedeutet, dass wir dieses Spagat zwischen der lokalen Marke und internationalen Einflüssen zu bewerkstelligen haben. Dieses Modell ist auf den Fußball-Märkten ja recht populär, schauen Sie nur nach England. Das muss nicht für jeden der Weg sein, in Deutschland sind wir vielleicht der erste Verein, der das kopiert, aber man darf gewisse Entwicklungen nicht verpassen. Wenn man nur in seiner deutschen Welt bleibt, sich woanders aber Möglichkeiten auftun, dann muss man sich denen auch öffnen. Der Kern wird immer bayerisch sein, dass wir wollen sicher nicht unsere Identität verlieren. Es kommt auf die Mischung an.

die Bedeutung eines Abstiegs: Das würde nur heißen, dass der Weg zurück nach oben länger ist. Keiner will das, aber ein Abstieg würde den Plan und die Ambitionen für 1860 nicht ändern, nur die Umsetzung verzögern. Hasan Ismaik hat nicht investiert, um an einem bestimmten Punkt aufzugeben. Der Verein ist kein Spielzeug für ihn, sein Verantwortungsgefühl ist echt.

sein Beweggrund des Wechsels zu 1860: Es war eine Kombination von Gründen. Erfolg braucht verschiedene Zutaten: Leidenschaft, eine Basis an Geschichte und Fankultur und eine Spezialzutat, die nicht jeder Verein hat. Jeder, mit dem ich über 1860 gesprochen habe, hat mir gesagt: Wenn man den Verein in die richtigen Bahnen lenkt, wird das unglaublich. Das hat mein Feuer geweckt. Deswegen bin ich hier, obwohl ich viele andere Optionen hatte.

ein Treffen mit Bayerns Karl-Heinz Rummenigge: Dazu hatte ich leider noch nicht die Gelegenheit. Wir müssen uns sicherlich nicht regelmäßig treffen, aber wir teilen uns ein Stadion und eine Stadt, da ist es wichtig, im Dialog zu bleiben.

 

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