DFB-Vizepräsident über Regionalligareform Rainer Koch: "Ich verstehe nicht, was da kompliziert sein soll"

Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes BFV und DFB-Vizepräsident: Rainer Koch. Foto: dpa

Die beschlossene Zwischenlösung bei der Reform der Regionalligen sorgt für Unmut. Rainer Koch, Präsident des bayerischen Verbandes, stellt sich in der AZ der Kritik: "Eine deutliche Verbesserung".

 

Der 58-jährige Jurist ist seit 2004 der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes BFV und seit 2013 DFB-Vizepräsident.

AZ: Herr Koch, der DFB-Bundestag war ja dann doch eher eine Niederlage für Sie und den BFV, oder?
RAINER KOCH: Wieso eine Niederlage? Unser Antrag war mehrheitsfähig, hätte jedoch keinen breiten Konsens gefunden. Das wäre aus Sicht aller nicht gut gewesen. Deshalb hat es gar keine Abstimmung gegeben, insofern ist es keine Niederlage. Die nunmehrige Zwischenlösung ist eine deutliche Verbesserung. Bisher musste der bayerische Meister in jedem Jahr in die Relegation, in den kommenden zwei Jahren muss er es nur in einem der Jahre.

Aus der Dritten Liga gibt es künftig vier Absteiger. Die Meister aus den Regionalligen Südwest und Nordost steigen in der Saison 2018/19 direkt auf. Das dritte Aufstiegsrecht wird unter den Ligen Bayern, Nord und West ausgelost. Die übrigen Meister bestreiten Playoff-Spiele und erhalten ein Jahr später zwei feste Aufstiegsplätze. Ist das eine Reform, wenn alles komplizierter wird?
Es ist nicht komplizierter, sondern besser geworden! Derzeit steigen drei von sechs Teams auf, künftig vier Meister von fünf. Es ist aber in der Tat nicht gelungen, sich auf eine Regionalliga mit vier Staffeln zu verständigen. Bayern ist nicht das Problem. Für uns sind vier Ligen vorstellbar.

Es wirkte zuletzt so, als würden Sie in Ihrer Argumentation hin und her schwimmen. Vor knapp drei Wochen hatten Sie gesagt, dass Sie für den Erhalt von fünf Ligen sind. Nun sprechen Sie von vier Ligen. Was ist denn nun Ihre Position?
Dass vier Ligen für uns vorstellbar sind, steht schon in der Wendelsteiner Erklärung der bayerischen Vereine vom September 2017. Das ginge mit Sachsen und Thüringen, aber auch mit Baden-Württemberg. Die württembergischen und badischen Vereine sind aber fester Bestandteil der Regionalliga Südwest und Sachsen und Thüringen wollen die Regionalliga Nordost nicht verlassen. Wenn sie versuchen, aus den drei ähnlich großen Ligen Nord, Nordost und Bayern zwei zu machen, kommen sofort Vorwürfe, der Osten würde platt gemacht. Aktuell ist nicht vorhersehbar, wie überhaupt vier Regionalligen zusammengestellt werden könnten. Ich springe deshalb auch nicht hin und her. Wir haben in Bayern vorhergesehen, dass es in Deutschland schwer wird, sich auf vier Ligen zu verständigen. Deshalb unser Vorschlag mit fünf Ligen und einer Relegation der Meister in Nord, Nordost und Bayern um zwei Plätze.

Der Fan fragt sich, wie es zu dieser Lage kommen konnte.
Bei drei Regionalligen (2008 – 2012, d. Red.) hatten wir reihenweise Insolvenzen. Das war für viele Vereine wirtschaftlich nicht machbar. Deswegen wurde beschlossen, die Ligen sehr viel kleinteiliger zu machen.

Der DFB gibt nicht das beste Bild ab. Der Präsident von Rot-Weiß Oberhausen, Hajo Sommers, sprach polemisch von "Volksverarschung".
Die Regionalliga West hätte gemäß dem Antrag aus Bayern ein festes Aufstiegsrecht! Die Vereine im Westen haben diesen Antrag jedoch nicht unterstützt, sondern vier Ligen gefordert. Vergessen haben sie, ein konsensfähiges Konzept beizulegen, wie diese Regionalligen aussehen könnten.

Die Vereine dürfen aber Lösungen vom DFB erwarten!
Wer ist der DFB? Es sind die Vereine und Verbände aus ganz Deutschland, die völlig konträre Sichtweisen und Interessenlagen haben. Keiner kann die Landkarte von Deutschland verändern, es gibt große Flächenregionen im Norden, Osten und in Bayern und städtische Ballungsräume im Westen und Südwesten. Vier dauerhaft lebensfähige Ligen zu bilden und zugleich die Interessen der Amateurvereine in den Ligen darunter zu wahren, ist extrem schwer. Wäre die Dritte Liga zweigleisig, hätten sie in allen Ligen darunter überhaupt kein Problem. Eine den Regionalligen vorgeschaltete zweigleisige vierte Liga wäre eine wirtschaftliche Totgeburt, weil diese niemals vermarktbar wäre und alle Amateurvereine in den Ligen darunter schlechter stellen würde.

Der DFB wirkt aber so, als wolle er diese Reform als Fortschritt verkaufen.
Ist sie denn aus Ihrer Sicht kein Fortschritt?

Nicht jeder Meister steigt direkt auf.
Richtig. Aber zukünftig gibt es ein direktes Aufstiegsrecht in einem von zwei Jahren, bislang gab es das nie.

Für 1860 geht es um den Aufstieg. Jetzt kommt das Losverfahren hinzu. Haben Sie keine Bedenken, dass die Kritik über Sie hereinbricht?
Nein, das Verfahren muss aber richtig erklärt werden.

Sechzig-Coach Daniel Bierofka hat im Gespräch mit der Bild kritisiert, dass es kaum komplizierter ginge.
Ganz ehrlich: Ich verstehe nicht, was daran kompliziert ist. In den nächsten zwei Spielzeiten steigt der Meister der Regionalliga Bayern einmal direkt auf und einmal muss er in die Relegation. Ausgelost wird lediglich im Frühjahr 2018, welches Verfahren in der Saison 2018/19 und welches 2019/20 gilt.

Steigt Sechzig nicht auf, wären Diskussionen zumindest unvermeidlich.
Das ist richtig. Aber zwei Hinweise: der TSV 1860 hat die Anträge des BFV voll mitgetragen. Und wir haben 18 weitere Regionalliga- und 37 Bayernligavereine, deren Interessen ebenfalls zu berücksichtigen sind. Es kann nicht sein, dass man sich in Bayern nur überlegt, wie Sechzig schnellstmöglich in die Dritte Liga kommt.

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