DFB-Team im Umbruch Özil-Nachfolge: Wer ist hier die 10?

Können sie Mesut Özil im offensiven Mittelfeld ersetzen? Thomas Müller, Marco Reus und Julian Brandt (von links). Foto: firo/Augenklick

Nach dem Özil-Rücktritt ist die Position hinter den Spitzen vakant. Müller und Reus können dort spielen – oder Brandt, der nun die Nummer 10 trägt. "Ich habe breite Schultern, ich glaube, ich passe da rein", sagt der Leverkusener.

München - Er ist ja beileibe kein furchteinflößender Kerl, dieser Julian Brandt. Knapp 1,85 Meter groß, etwas über 80 Kilogramm schwer – das sind Durchschnittswerte für einen Fußballstar. Dazu das freundliche Lächeln, das man beim Leverkusener ständig beobachten kann.

Doch am Dienstag in München wirkte Brandt (22) plötzlich wie ein Draufgänger, wie einer, der gar nicht weiß, wohin mit all seiner Kraft. "Ich habe breite Schultern", sagte Brandt, diesmal ganz ernst: "Ich glaube, ich passe da rein." 

Es ging um das prestigeträchtige Trikot mit der Nummer 10, das Brandt ab sofort in der Nationalelf trägt. Zuletzt hatte dieses Shirt Mesut Özil gehört, in den Jahren und Jahrzehnten davor schon DFB-Ikonen wie Lukas Podolski, Lothar Matthäus oder Günter Netzer. Er habe das Angebot mit der 10 "dankend angenommen", berichtete Brandt und sprach von einer "ehrenvollen Aufgabe".

Brandt durchaus prädestiniert für die Zentrale

Ganz nebenbei machte er deutlich, dass das mit ihm und der neuen Nummer eine langfristige Beziehung werden soll. "Ich will da hineinwachsen", sagte Brandt. Oh ja: Der Junge hat Mumm!

Während das Erbe der Özil-Nummer damit geklärt ist, stellt sich für den Bundestrainer aber weiter die Frage, welcher Spieler den zurückgetretenen Ex-Weltmeister auf dem Platz ersetzen soll. Wer ist hier die 10? Schon am Donnerstag im Nations-League-Spiel gegen Weltmeister Frankreich (20.45 Uhr, ZDF) könnte Joachim Löw mit seiner Startformation eine Antwort darauf liefern.

Brandt, der bislang 19 Länderspiele bestritten hat und bei der WM als einer der wenigen DFB-Stars überzeugte, ist ein ganz interessanter Kandidat. Zwar kommt er bei seinem Verein Bayer Leverkusen oft auf den Flügelpositionen zum Einsatz, doch dank seiner Übersicht, Technik und schnellen Auffassungsgabe ist er eigentlich prädestiniert für die Zentrale.

Müller bietet sich ebenfalls für die Zentrale an

Es gebe in der DFB-Offensive viele "flexible" Spieler, sagte Brandt und meinte damit auch sich selbst: "Das zeichnet uns aus." Aber doch, ergänzte er – und blickte rüber zu Thomas Müller: "Thomas und ich könnten die Zehn definitiv bekleiden. Wir bieten uns dem Bundestrainer an, wenn er dadurch einen Vorteil sieht." 

Man darf davon ausgehen, dass Löw auf dieses nette Angebot zurückkommt. Denn auch der von Brandt angesprochene Müller zeigte in der Frühphase dieser Saison beim FC Bayern, dass er auf der zentralen Position hinter einer oder mehreren Spitzen seine Qualitäten am besten einbringen kann: An fünf Toren war Müller bereits direkt beteiligt.

"Wir wollen wieder zu dem energiereicheren Spiel hinkommen, das nach Power-Fußball aussieht", sagte Müller am Dienstag. Gegen Frankreich müsse allen Zuschauern "klar werden, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die sich zerreißt". Mit Müller in der Özil-Rolle? Der Bayern-Star wich aus. "Wir haben sehr viele Spielertypen, die auf diesen Positionen spielen können. Je nach Gegner ist da ein anderer Spieler die Paradebesetzung."

Weitere Kandidaten sind der bei der WM arg enttäuschende Julian Draxler, Neuling Kai Havertz aus Leverkusen oder auch er: Marco Reus. "Ich mache kein Hehl daraus, dass ich gerne auf der Zehn spiele", sagt der Dortmunder. Vielleicht überrascht Löw aber auch – und verzichtet künftig ganz auf einen Zehner. Mit diesem System, dem 4-3-3 und Özil als Linksaußen, wurde Deutschland 2014 immerhin Weltmeister.

 

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