DFB-Präsident im Fokus Grindel als Vermittler im Konflikt mit Rummenigge gefragt

Reinhard Grindel (l.) und Karl-Heinz Rummenigge bei der Präsentation des Logos der EM 2020. Foto: Augenklick / sampics / Christina Pahnke

UEFA, ECA, EPFL - das Machtgefüge im europäischen Fußball ist kompliziert und brüchig. DFB-Präsident Reinhard Grindel steckt seit Mittwoch mittendrin.

 

Helsinki - Eine halbe Stunde lang steckten Reinhard Grindel und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin am Donnerstagmorgen in der Lobby des Scandic Park Hotels in Helsinki die Köpfe zusammen. Der DFB-Chef soll nach seinem rasanten Aufstieg eine Hauptrolle in der Europäischen Fußball-Union (UEFA) spielen - zu der auch die Moderation des schwelenden Streits mit Karl-Heinz Rummenigge gehört.

"Es gibt 55 sehr ambitionierte Fußballverbände innerhalb der UEFA, die natürlich manchmal etwas anderes wollen als Rummenigge, der seine Interessen als Vorstandsvorsitzender von Bayern München hat", sagte der neue UEFA-Vizepräsident zu seiner Vermittlerrolle: "Und ich sitze jetzt dazwischen und muss aufpassen, dass ich die Interessen in eine Balance bekomme und am Ende eine gute Lösung für alle gefunden wird."

UEFA und FIFA vs. ECA

Der Konflikt der UEFA und des Weltverbandes FIFA mit Rummenigges mächtiger Klub-Vereinigung ECA schien eigentlich beigelegt. Die Pläne einer geschlossenen "Superliga" der finanzstarken Top-Klubs sind nach der Reform der Champions League (ab der Saison 2018/19) vom Tisch. Dennoch bekam der gar nicht nach Finnland gereiste Bayern-Boss beim UEFA-Kongress am Mittwoch von Ceferin einen mit.

"Die Klubs sind nicht die Einzigen, denen der Fußball am Herzen liegt. Dies gilt auch für die UEFA, die FIFA und die Nationalverbände, heute mehr denn je, da bin ich ganz offen", sagte der Slowene während seiner Eröffnungsrede in der finnischen Hauptstadt.

Zwar sprach der Slowene Rummenigges Namen nicht aus, er richtete sich direkt, "ganz ruhig und unaufgeregt, aber mit viel Bestimmtheit" an eine "Fußballlegende und große Führungspersönlichkeit" - gemeint war aber klar der frühere deutsche Nationalmannschaftskapitän, der in seiner Funktion als ECA-Vorsitzender die Verbände beschuldigt hatte, nur noch an Geld und Politik zu denken.

"Werden uns niemals erpressen lassen"

Rummenigge ist dank der UEFA-Reformen ab dem 1. Juli stimmberechtigtes Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee, in das am Mittwoch auch Grindel gewählt wurde. Beide werden sich dafür einsetzen, dass das Europa-Gremium im September 2018 die EM 2024 nach Deutschland, und nicht in die Türkei vergibt.

Eine noch schärfere Warnung richtete Ceferin vor der Grindel-Wahl an die Ligen-Vereinigung EPFL, der auch die Deutschen Fußball Liga (DFL) angehört. Die hatte nämlich ein sogenannte "Memorandum of understanding" mit der UEFA im März auslaufen lassen, in dem geregelt war, dass unter der Woche keine Ligaspiele zeitgleich mit Partien der UEFA-Klubwettbewerbe stattfinden.

"Gewissen Ligen" sagte Ceferin: "Wir werden uns niemals erpressen lassen von denjenigen, die denken, dass sie kleine Ligen manipulieren oder den Verbänden ihren Willen aufzwingen können, weil sie denken, dass sie aufgrund der astronomischen Einnahmen, die sie generieren, allmächtig sind."

Die EPFL hatte die Reform der Königsklasse kritisiert, sie sieht erhebliche Nachteile für die kleineren Ligen. Die vermeintlichen finanziellen Nachteile hatte Rummenigge aber zuletzt als "Fake news" abgetan. Die ECA sieht sich als erster Ansprechpartner der UEFA.

"Ich bin überzeugt, dass wir zusammen mit den Klubs, den Ligen und der FIFPro (Spielergewerkschaft, d. Red.) Großartiges bewirken können", sagte Ceferin: "Die Klubs und die FIFPro haben dies bereits verstanden. Setzen wir uns an einen Tisch und blicken wir nach vorn."

Um die Klubs milde zu stimmen, wird sich die UEFA bei der FIFA dafür einsetzen, mindestens den umstrittenen Confed Cup abzuschaffen. "Wir müssen erkennen, dass der Zug in Richtung einer WM mit 48 Teilnehmern nicht mehr aufzuhalten ist", sagte Grindel: "Auf der anderen Seite sollten den Klubs Zugeständnisse gemacht werden bei Wettbewerben wie der Klub-WM oder dem Confed Cup, bei denen sich der sportliche Wert in Grenzen hält."

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