DFB-Pokal Caliguiri schießt Freiburg erstmals ins Halbfinale

Mit 3:2 setzte sich Freiburg gegen Mainz nach Verlängerung durch. Und das, obwohl man nach vier Minuten bereits mit 0:2 zurück lag.

 

MAINZ Dank Daniel Caliguiri hat der SC Freiburg in einem turbulenten Spiel erstmals in seiner Vereinsgeschichte das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht. Unbeirrt von einem völlig verkorksten Start und insgesamt vier Aluminium-Treffern gewann das Team von Trainer Christian Streich das Viertelfinale beim Bundesliga-Rivalen FSV Mainz 05 verdient mit 3:2 (2:2, 0:2) nach Verlängerung. Damit sorgten die Breisgauer für einen weiteren Höhepunkt in einer bislang herausragenden Saison und sind nur noch einen Schritt von der ersten Endspiel-Teilnahme in Berlin entfernt.

Ivan Santini (86.) und der zwei Mal erfolgreiche Caligiuri (90.+3, Foulelfmeter/108.), dessen Bruder Marco bei Mainz spielt, drehten das Spiel für die Breisgauer. Shawn Parker (2.) und Niki Zimling (4.) hatten die Gastgeber mit einem Blitzstart 2:0 in Führung gebracht. Doch die Gäste nutzen die Überzahl, nachdem FSV-Verteidiger Zdenek Pospech (65.) wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen hatte.

Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel, der tags zuvor mit einer Brandrede für Aufsehen gesorgt hatte, suchte die Schuld für die Niederlage alleine bei seinen Spielern. „Wir haben uns völlig allein um den Lohn der Arbeit gebracht, und das tut sehr weh“, sagte er: „Mit der Gelb-Roten Karte haben wir uns einen Bärendienst erwiesen, damit haben wir uns selbst einen extremen Schaden zugefügt. Den Elfmeter war kein klarer, aber man kann ihn wohl geben.“ Sein Kollege Christian Streich legte nach dem Schlusspfiff einen überschwänglichen Jubellauf auf den Rasen und war stolz auf seine
Mannschaft. „Die Mannschaft hat alles gegeben, wie immer, und dann waren wir die Glücklichen“, sagte Streich: „Wir haben gewonnen, weil diese Mannschaft Moral hat. Wenn wir heute verloren hätten, hätte sie trotzdem Moral gehabt. Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Mannschaft trainieren darf.“

Freiburg hat durch seine Halbfinal-Premiere Mitte April bereits Einnahmen von mindestens 1,684 Millionen Euro aus der zentralen Vermarktung sicher. Bei einem Heimspiel in der nächsten Runde wären es sogar 1,891 Millionen Euro. Die Mainzer verpassten ihren zweiten Sprung ins Semifinale des Cupwettbewerbs nach 2009. Damals hatten sie das Endspiel von Berlin durch eine Niederlage bei Bayer Leverkusen (1:4 n.V.) verfehlt.

Einen Tag nach der Verbal-Attacke von Tuchel, der den Bundesliga-Schiedsrichtern am Montag eine „krasse Benachteiligung“ seiner Mannschaft in der Rückrunde vorgeworfen hatte, wirkten die Gastgeber hochmotiviert und legten einen Blitzstart hin. Zuerst nutzte der zuletzt in der Liga rotgesperrte Stürmer Parker einen klugen Pass von Chinedu Ede, der zu seinem Saison-Startelfdebüt kam, und schoss aus rund neun Metern zur frühen Führung des Tabellenachten der Bundesliga ein.

Nur zwei Minuten später nutzte der vom FC Brügge gekommene Däne Zimling den Schockzustand der Freiburger und erzielte aus 16 Metern seinen zweiten Treffer im vierten Spiel für Mainz. Dabei gab SC-Keeper Oliver Baumann keine glückliche Figur ab.

Freiburg brauchte einige Zeit, um sich von dem schnellen Rückstand zu erholen. SC-Coach Christian Streich jedenfalls sah sich früh zum Wechseln gezwungen und brachte für Außenverteidiger Vegar Hedenstad den offensivstarken Jonathan Schmid (12.), der gleich einige Akzente setzen konnte. 

Danach entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, in dem die passsicheren Breisgauer immer mehr die Initiative übernahmen, während Mainz überrawschend den Faden verlor. Johannes Flum
(31./37.) verpasste gleich zweimal per Kopf den Anschlusstreffer. Die beste Chance der ersten Halbzeit vergab aber Freiburgs Oliver Sorg, der mit einem Aufsetzer nur die Latte des FSV-Gehäuses traf, in dem Ersatzkeeper Heinz Müller eine Bewährungschance erhalten hatte.

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Nach dem Wechsel versuchten die Gäste, den Druck zu forcieren. Doch erst in den letzten fünf Minuten überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst traf der SC durch Matthias Ginter ein zweites Mal die latte (85.). Nach einem weiteren Aluminium-Treffer von Ginter Sekunden später war Santini zur Stelle und drückte den Ball über die Linie. In der Nachspielzeit köpfte Pavel Krmas abermals an
die Latte.

Nach einem Foul von Nikolce Noveski an Santini in der Nachspielzeit entschied Deniz Aytekin auf Strafstoß und viele der Mainzer Zuschauer diskutierten, ob Tuchels Schiedsrichter-Kritik hier unbewusst nach hinten losgegangen war. Daniel Caliguiri, dessen vier Jahre älterer Bruder in der 62. eingewechselt wurde, ließ sich davon nicht beirren und verwandelte sicher. Durch sein zweites Tor in der Verlängerung wurde der 25-Jährige endgültig zum Mann des Tages. In der Schlussphase vergab Freiburg einige Konterchancen kläglich.

Bei den Rheinhessen überzeugten Ede und der emsige Parker. Caliguiri und Schmid verdienten sich bei Freiburg die besten Noten.

 

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