Ein bisschen Revanche Löws B-Elf vermasselt Härtetest gegen Brasilien

Brasiliens Nationalelf schlägt im Test die deutsche Mannschaft mit 1:0 – im ersten Spiel seit der 1:7-Schmach bei der WM 2014. "Das war von vielen viel zu wenig", kritisiert Toni Kroos.

 

Berlin - Den Test verpatzt – und den Rekord verpasst. Die deutsche Nationalelf verlor am Dienstagabned die zweite WM-Ernstfallprüfung, gegen Brasilien gab es ein 0:1. Spielerisch war der Auftritt ziemlich dürftig, doch das hatte Joachim Löw einkalkuliert, weil er auf Thomas Müller, Mesut Özil (beide nur TV-Zuschauer) sowie Mats Hummels (Bank) verzichtet und eine bessere B-Elf aufgeboten hatte.

WM-Titelverteidigung wird ein harter Gang

Wie schon beim 1:1 gegen Spanien dürfte Bundestrainer aber nicht ganz unglücklich sein, denn: Wenn der Lerneffekt einsetzt, hatte die Niederlage etwas Gutes. Und zwar die Erkenntnis, dass der Weltmeister sich strecken muss mit Blick auf die WM in Russland im Sommer. Nix is’ fix. Die Titelverteidigung wird ein harter Gang.

Mit dem 0:1 endete eine Serie von 22 ungeschlagenen Spielen, die längste Erfolgsserie in der zwölfjährigen Cheftrainer-Amtszeit von Löw. Die letzte Niederlage? Am 7. Juli 2016 im EM-Halbfinale beim 0:2 gegen Gastgeber Frankreich. Toni Kroos im ZDF: "Mannschaftlich überwiegt das Negative. Wir sind nicht so gut, wie manche uns sehen. Das war von vielen viel zu wenig."

Brasiliens Wunde schließt sich

Die Brasilianer dagegen waren happy. Für sie stand das Spiel unter dem Motto "Wundheilung". Zwischen Belo Horizonte und Berlin sind es knapp 9800 Kilometer Luftlinie. Zwischen dem Trauma des WM-Halbfinals von 2014, der 1:7-Demütigung, und dem ersten Wiedersehen gestern lagen genau 1359 Tage. "Die Wunde ist noch immer offen. Dieses Länderspiel ist Teil des Prozesses der Vernarbung.", hatte Tite, der Trainer der Selecao, gesagt.

Nun kann sich die Wunde etwas schließen. Die 72.717 Zuschauern im zugig-frischen Olympiastadion hatten, wenn sie mit der DFB-Elf sympathisierten, mehr Spaß am eigenen Abendsport namens "La Ola" hatten als am Spiel selbst. Vereinzelt gab es sogar Pfiffe.

Das Rahmenprogramm immerhin stimmte: Die Frohsinn und gute Laune verbreitende Hymne der Brasilianer wurde von den deutschen Fans nicht ausgepfiffen, es gab sehr freundlichen Applaus. Gut so – schließlich wollte sich der DFB von seiner besten Seite zeigen als Kandidat für die EM 2024. Beim Einlaufen der Teams wurde schwarz auf weiß per Zettel-Choreographie die Botschafter der Bewerbung präsentiert: "United by Football", auf Deutsch lautet das Motto: Vereint im Herzen Europas.

Philipp Lahm, 2014 in Brasilien Kapitän, nun Botschafter der 2024-Bewerbung, sagte vor Anpfiff: "So ein 7:1 wird so schnell nicht nochmal passieren. Das wird ein anderes Spiel."

Kevin Trapp patzt

Wurde es auch. Und nach einer halben Stunde stand es 0:0 – für die Brasilianer schon ein Erfolg, verglichen mit 2014 als es nach nur 29 Minuten bereits 0:5 stand. Na gut, kein Salz mehr in die Wunde. Denn dann sorgten die Gäste für Pfeffer im Spiel: Willian durfte von der rechten Seite flanken, zwischen Boateng und Kimmich stand Gabriel Jesus am Fünfmeterraum blank und köpfte mittig aufs Tor.

Keeper Kevin Trapp konnte den Ball nicht festhalten, also mitschuldig am 0:1 (38.). Danach bekam Brasilien Oberwasser. Vor allem ab Beginn der zweiten Hälfte erspielten sie sich ein Übergewicht, ließen Ball und Gegner laufen – phasenweise war das "joga bonito", das schöne Spiel zu sehen. Und Jogi? Wechselte, um neuen Schwung zu bringen.

Lars Stindl, Julian Brandt, Sandro Wagner und Timo Werner kamen, weitere Testkandidaten der Kategorie zweiter – oder dritter – Anzug. Die DFB-Elf wurde, wie schon im ersten Durchgang, nur nach Flanken gefährlich. Entweder auf Mario Gomez oder Sandro Wagner – das war unter dem Strich zu dünn.

Lesen Sie hier: Die Noten der DFB-Spieler

 

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