DFB-Elf vor EM 2016 Gomez und Podolski: Zwei Vergessene als Chance für Löw

Zwei, die oft in der Kritik stehen, zwei, die schon fast abgeschrieben waren: Die Stürmer Mario Gomez (r.) und Lukas Podolski könnten bei der Mission EM-Triumph wichtige Rollen spielen. Foto: dpa

Die Türkei-Legionäre Podolski und Gomez sind pünktlich zum EM-Start in guter Form. „Ich fühle mich so gut wie vielleicht nie in meiner Karriere“, sagt der Mittelstürmer. Wie Löw jetzt plant.

 

Ascona - Es galt da mal etwas klarzustellen für Lukas Podolski. „Ich kann alle Diskussionen um meine Person verstehen. Nur das Wort ‘Maskottchen’ gehört da nicht hinein. Das ist unverschämt, mich so zu bezeichnen“, polterte der Profi von Galatasaray Istanbul am Mittwoch in Ascona in Richtung seiner zahlreichen Kritiker: „Ich habe über 100 Länderspiele absolviert, das habe ich nicht verdient.“

Podolskis erster öffentlicher Auftritt in der EM-Vorbereitung – es war einer mit Nachdruck und einem deutlichen Signal: Der 30-Jährige will bei diesem EM-Turnier auch auf dem Platz eine wichtige Rolle einnehmen. Und nicht nur als Gutelaunebär. „Lukas hat auch immer noch einen sportlichen Wert“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Nach einer guten Saison mit Galatasaray, gekrönt mit dem Siegtor im türkischen Pokal, sind Podolskis Chancen auf Einsätze gestiegen. Erst recht nach dem verletzungsbedingten Aus von Marco Reus.

Gomez widerlegt Zweifler

Podolski im Aufschwung – da passte es gut, dass neben ihm auf dem Podium ein anderer Stürmer Platz genommen hatte, der das Gefühl, abgeschrieben zu werden, nur allzu gut kennt: Mario Gomez. Doch der Torschützenkönig von Besiktas Istanbul hat seine Zweifler in den vergangenen Monaten widerlegt. Gomez reist mit riesigem Selbstvertrauen und Gelassenheit zur EM. „Es war mein Antrieb, dass ich noch mal Teil dieser tollen Mannschaft sein kann. Jetzt bin ich einfach stolz und froh, dass ich dabei bin“, sagte er am Mittwoch.

PoGo (Podolski und Gomez) und die Folgen – im deutschen Team könnte die starke Rückkehr des Angriffsduos für Veränderungen sorgen. Vor allem Gomez hat gute Chancen, am 12. Juni im ersten Spiel gegen die Ukraine in der Startelf zu stehen. Das spanische System mit der „falschen Neun“, das Löw nach dem Rücktritt von Miroslav Klose etablieren wollte, hat vorerst ausgedient. Zumindest in der Gruppenphase, in der Löws Weltmeister ausschließlich auf körperlich starke Teams treffen, wird Gomez als Typ „Brecher“ gefragt sein: Neben der Ukraine stehen Polen (16.6) und Nordirland (21.6.) als Gegner an.

Näschen wiedergefunden

„Er ist ein Spieler, der vorne lauert und gute Wege geht, der im Sechzehner seine Gefahr ausspielen kann“, skizzierte Löw die Qualitäten von Gomez. Der 30-Jährige sei wieder spürbar fit – und er habe „das Näschen“ wieder gefunden. „Ich fühle mich so gut wie vielleicht nie in meiner Karriere“, sagte Gomez.

Der Stürmer macht es Löw inzwischen auch leichter, auf ihn zu setzen. Gomez hat seinen Spielstil ein wenig verändert, arbeitet mehr für die Mannschaft – so, wie er es in seinen ersten Jahren in Stuttgart eigentlich auch getan hatte. In seinen vier Jahren beim FC Bayern zwischen 2009 und 2013 habe er aber seine „Stärken verloren“, berichtete er. Weil er dort dazu verdonnert war, „nur im Sechzehner rumzustehen“. Es war jene Zeit, in der Mehmet Scholl bei der EM 2012 jenen beißenden Satz sagte, er habe „Angst, dass Mario sich wundliegt“. Diese Zeiten hat Gomez hinter sich gelassen.

Für die „falschen Neuner“, die Löw immer wieder in der Spitze testete, heißt das: zurück auf die angestammten Positionen. Thomas Müller dürfte die rechte Außenbahn im offensiven Mittelfeld besetzen, Mesut Özil und Mario Götze sind aktuell die beiden anderen Favoriten auf einen Platz im Team. Einer etwas weiter links, der andere zentral hinter Gomez. Besonders Götze, der gern um einen Mittelstürmer herumwirbelt, könnte von dieser Änderung profitieren.
Oder gibt es gar eine Überraschung mit Podolski? Der wäre bereit.

 

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