DFB-Elf gegen San Marino Buchhalter und Studenten: Dieses Team fordert Deutschland

Bundestrainer Joachim Löw (l) beim Abschlusstraining der Fußball Nationalmannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino. Foto: dpa

Am Freitag trifft die DFB-Elf in der WM-Quali auf San Marino – und die Gegensätze könnten kaum größer sein. „Wie Bezirksliga“.

 

München - Sogar ein gewisser Manuel Friedrich durfte ein Tor schießen, als die deutsche Nationalmannschaft zuletzt in San Marino zu Gast war, im kleinen Stadion mit dem groß klingenden Namen: „Olimpico“. Damals, am 6. September 2006, gewann das DFB-Team mit 13:0, neben Innenverteidiger Friedrich traf auch Lukas Podolski – viermal. Es war der zweithöchste Sieg in der deutschen Länderspielgeschichte. Und die bemitleidenswerten Amateurspieler aus San Marino baten die deutschen Stars auf dem Rasen um Gnade.

Es würde nicht überraschen, wenn sich am Freitagabend ähnliche Szenen abspielen. Das deutsche Team tritt am vierten Spieltag der WM-Quali in San Marino (20.45 Uhr/RTL) an, alles andere als ein hoher Sieg wäre eine Sensation. „Unser Ziel ist es, nicht arrogant zu sein, unser Spiel gnadenlos durchzuziehen, Tore und ein klares Ergebnis zu erzielen“, sagt Bundestrainer Joachim Löw. Doch die Gefahr, den Gegner zu unterschätzen, ist da. „Es ist ein bisschen wie Bezirksliga“, meint der Schalker Benedikt Höwedes – und hat natürlich recht. San Marino gegen Deutschland – mehr Kontrast geht im Fußball kaum. Die AZ zeigt die Unterschiede:

Einwohner: Gerade einmal 33 000 Einwohner zählt die Repubblica di San Marino, die sich als Enklave geografisch nahe der Adria-Küste bei Rimini befindet. Zum Vergleich: In Deutschland leben mehr als 80 Millionen Menschen.

Fußballbegeisterung: Fast sieben Millionen Fußballer sind in Deutschland in Vereinen registriert. Auch in San Marino ist Fußball der beliebteste Sport, es gibt sogar eine eigene Liga mit 15 Vereinen. Trainer Pierangelo Manzaroli hat dennoch nur etwa 50 Spieler, die für seine Mannschaft in Frage kommen. Olivenöl-Verkäufer, Buchhalter und Studenten laufen heute für San Marino auf.

Länderspielbilanz: In der Weltrangliste liegt San Marino auf Platz 201 – hinter den Turks- und Caicos-Inseln, knapp vor der Mongolei. In 138 Länderspielen gelangen lediglich vier Remis und ein Sieg. Die DFB-Elf hat bereits 921 Länderspiele bestritten – und dabei 537 Mal gewonnen.

Größter Erfolg: Viermal Weltmeister, zuletzt 2014, dreimal Europameister: Deutschland zählt zu den erfolgreichsten Nationalteams. San Marino überhaupt erst ein Sieg: 2004 beim 1:0 im Freundschaftsspiel gegen Liechtenstein. Torschütze: Andy Selva. Der heute 40-Jährige ist seitdem Nationalheld, Rekordtorschütze (acht von 21 Treffern) – und spielt noch immer für sein Land. Auch diesmal steht er im Kader.

Marktwerte: 424 Millionen Euro beträgt der Marktwert der deutschen Stars für die Spiele gegen San Marino und Italien am Dienstag – und es fehlen sogar noch Stars wie Boateng, Kroos oder Özil. Und San Marino? Kommt auf einen Gesamtmarktwert von 350 000 Euro (laut transfermarkt.de). Nur ein Spieler im Kader ist Profi: Filippo Berardi vom FC Turin.

Trainer: Pierangelo Manzaroli hat die Nationalmannschaft vor zwei Jahren übernommen – da formte Löw gerade sein Weltmeister-Team. Seit Manzaroli (47) San Marino anleitet, ist ein leichter Aufwärtstrend zu spüren. Höhepunkt der bisherigen WM-Qualifikation war die 1:4-Niederlage im Oktober in Norwegen. Der Treffer von Mattia Stefanelli zum zwischenzeitlichen Ausgleich war San Marinos erstes Auswärtstor in der WM-Qualifikation seit 15 Jahren.

 

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