Deutschrap-Star in München Artgerecht? Wie passt Kollegah auf's Tollwood?

Kollegah tritt am 25. Juni in der Musik-Arena auf dem Tollwood auf. Foto: Wackerbauer/LAION

Gleich am zweiten Tag des Sommer-Tollwoods ist ein prominenter, äußerst erfolgreicher und zunächst etwas unpassend erscheinender Künstler gebucht. Der selbst ernannte Zuhälter-Rapper Kollegah.

 

München – Am Mittwoch beginnt das Tollwood-Festival mit einem Konzert des Alt-Hippies und Supertramp-Gründers Roger Hodgson, zwei Tage später singt der unbeirrbare Pazifist Konstantin Wecker. Und wie immer gibt es ein Rahmenprogramm mit alternativem Straßentheater. Ganz oben auf den Festival-Zettel haben die Tollwood-Macher dieses Jahr ihre Aktion für artgerechte Tierhaltung gestellt.

Der Tollwood-Besucher ist vielleicht kein besserer Mensch, aber soll durch das Festival zu einem bewussten Umgang mit Mensch und Natur bewegt werden. So war es schon im Sommer 1988, als das Tollwood zum ersten Mal stattfand, und das is auch heute noch die Maxime, obwohl das Festival mit Dutzenden von Superstars selbst ein gigantischer Event geworden ist.

Wie aber passt dann ausgerechnet Kollegah in das Programm? Der Deutsch-Rapper, der als Kunstfigur mit frauenfeindlichen und gewaltverherrlichenden Texten auftritt und auch gerne Mal das Tragen von Pelzen aussterbender Tierrassen propagiert, wirkt zwischen dem französischen Wirbelwind ZAZ oder den bayerischen Acts wie Haindling oder der amerikanischen Bürgerrechts-Ikone Joan Baez wie ein krasser Fremdkörper.

Auf Anfrage der AZ sagt Mathias Schaettgen, der das Programm für die Musik-Arena zusammengestellt hat: "Tatsächlich sind Intoleranzen jeglicher Art für TOLLWOOD problematisch. Gerade im Rapper-Genre werden Klischees bedient, die nicht jedermanns Geschmack sind. Das kann ein Grenzgang sein, der trotz stark zugenommener Aufklärung in den Fankreisen, auch kritisch betrachtet werden darf und muss. Bei KOLLEGAH-Konzerten gab es unserer Kenntnis nach in der jüngeren Vergangenheit keine Auffälligkeiten. Der Künstler hat sich seit seinen Anfangstagen verändert und es gab keine Verstöße durch das Aufführen indizierter Titel o.ä."

Der Zuhälter als Kunstfigur

Kollegah bezeichnet sich selbst als "Zuhälter-Rapper" und vergleicht seine Kunst gerne mit Gangster-Filmen à la Al Pacino & Co. Die Leitthemen sind Sex, Gewalt, Drogen und die stetige verbale Konfrontation mit einem imaginären Gegner. Seinen Erfolg hat Kollegah aber vor allem seinem sprachlichen Talent zu verdanken. Der Mann, der mit bürgerlichem Namen Felix Antoine Blume heißt, Jura studiert und mit seinem aktuellen Album "King" sämtliche Chart-Rekorde gebrochen hat, wirft äußerst versiert mit Silben, Wörtern und Reimketten um sich, wie es nur wenige seiner Rap-Kollegen beherrschen.

Doch auch wenn Kollegah im echten Leben keine Rapper-Mütter anschaffen schickt, nicht kiloweise Kokain unters Volk bringt und wohl auch nicht den vielen weiteren, einschlägig bekannten Gangster-Aktivitäten nachgeht, darf man auf die Reaktionen der Tollwood-Besucher gespannt sein, wenn Kollegahs düstere Beats aus der Musik-Arena dröhnen.

 

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