Deutschland Immer mehr Syrer fliehen vor Gewalt

Die blutige Gewalt in Syrien treibt immer mehr Menschen in die Flucht. Allein im August haben nach Angaben der Vereinten Nationen 103 000 Menschen das Bürgerkriegsland verlassen - so viele wie nie zuvor. Sie suchen auch in Europa Zuflucht.

 

Genf/Berlin/Damaskus -  Nach den Worten von Außenminister Guido Westerwelle ist Deutschland grundsätzlich zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit. Schwerpunkt der deutschen Hilfe bleibe jedoch die Versorgung "vor Ort", sagte er am Dienstag am Rande eines Treffens der internationalen Syrien-"Freundesgruppe" in Berlin. Unterdessen gingen die Kämpfe weiter. In New York wollte der neue Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi den UN-Sicherheitsrat informieren.

Seit Beginn der Kämpfe vor rund eineinhalb Jahren haben bereits knapp 235 000 Syrer in Nachbarländern Zuflucht gesucht und sich beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) registrieren lassen, sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming am Dienstag in Genf. Allein in der Türkei unterstützt das UNHCR die Behörden bei der Versorgung von mehr als 80 000 Flüchtlingen.

Nach Überzeugung von Helfern sind tatsächlich aber weit mehr Menschen aus Syrien geflohen. Viele würden sich nicht in den Nothilfelagern in der Türkei, Jordanien, im Libanon sowie im Irak melden, sondern versuchen, in diesen Ländern allein zurechtzukommen.

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, mahnte am Dienstag bei einem Treffen mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad einen ungehinderten Zugang zu tausenden notleidenden Menschen und zu Häftlingen in den Gefängnissen in Syrien an. Assad habe Unterstützung zugesichert, solange sich das Rote Kreuz "unparteiisch und unabhängig" verhalte, berichtete das syrische Fernsehen nach dem Treffen in Damaskus.

Deutschland hat bislang rund 22 Millionen Euro für die Flüchtlinge in den syrischen Nachbarländern bereitgestellt. In den vergangenen Tagen hatten sich vor allem Politiker von Grünen und SPD für eine Aufnahme von Syrern auch in der Bundesrepublik stark gemacht. Vorbild könnten frühere Aktionen für Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien oder dem Irak sein.

Zugleich treibt die Bundesregierung die Pläne für einen wirtschaftlichen Aufbau Syriens in der Zeit nach einem Machtwechsel voran. Auf Einladung des Auswärtigen Amtes berieten Vertreter von mehr als 50 Staaten und internationalen Organisationen in Berlin über solche Übergangshilfen. Der Präsident des oppositionellen Syrischen Nationalrates, Abdelbasset Sieda, forderte einen internationalen Militäreinsatz sowie einen "Marshall-Plan" zum Wiederaufbau seines Landes. Andernfalls werde Syrien zerstört.

Das Treffen fand im Kreis der sogenannten Freundesgruppe statt, die die Opposition gegen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt. Gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten hat Deutschland den Vorsitz einer Arbeitsgruppe, die nach einem Ende des Assad-Regimes für den Wiederaufbau zuständig ist.

Am Dienstag bombardierten syrische Kampfflugzeuge nach Angaben von Aktivisten erneut Ziele in und um Aleppo. Die nordsyrische Wirtschaftsmetropole ist seit anderthalb Monaten heftig umkämpft. Auch in Damaskus sollen die Truppen des Assad-Regimes mehrere Stadtteile beschossen haben.

 

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