Deutsches Theater Eine Schicksalsromanze in Moll

So schön kann Sterben in Wien sein: Annemieke van Dam (Elisabeth) und Mark Seiber (Tod) in Sylvester Levays Sissi-Musical, das bis Mitte Januar im Deutschen Theater gastiert. Foto: Semmel Concerts

Das Musical „Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi” wieder im Deutschen Theater

 

Sissi. Süße liegt in diesem Namen, Sehnsucht auch, und seit den Filmen über die österreichische Kaiserin, in denen Romy Schneider als schwärmender Backfisch Millionen verzauberte, klingt auch das im Namen mit: Kitsch. Geigenmelodien legen sich wie Zuckerguss über Wald und Wiesen, dazwischen Rehe und Sissi, die Zither spielt. Das ist längst Kult, aber auch das 1992 in Wien uraufgeführte Musical „Elisabeth”, das nun zum wiederholten Mal ins Deutschen Theater zurückkehrt.

Doch wer wohligen Kitsch sucht, wird enttäuscht. Michael Kunze (Libretto) und Sylvester Levay (Musik) wollen „die wahre Geschichte der Sissi” erzählen, und die ist düster und todesschwanger. Elisabeth ist nie die naive Sissi, sie ist eine Frau, die sich gegen das strenge Hofzeremoniell durchsetzt und sich von ihrem Umfeld emanzipiert. So inszeniert Regisseur Harry Kupfer ihre Hochzeit nicht als Höhepunkt einer Liebesromanze, sondern als Schicksalsmoment im Gothic Chic (Bühne: Hans Schavernoch), als den Anfang vom Ende, vom Tod persönlich verlacht. Er ist an ihrer Seite, er lockt sie, alles hinter sich zu lassen. Nach ihm verlangt Elisabeth und muss doch erst mit ansehen, wie er zwei ihrer Kinder zu sich holt, bis sie sich mit ihm vereinigen kann.

Mark Seibert spielt diesen Tod, er ist ein cooler Mann, gefährlich und sexy im Gegensatz zum Muttersohn Franz Josef. Als Tod ist Seibert auch musikalisch stärker, er rockt die Bühne, zieht den Bass an die Stelle harmloser Streicher. Im Zentrum steht Elisabeth (Annemieke van Dam), um sie kreist das Spektakel auf der Drehbühne, moderiert von ihrem Mörder Luigi Lucheni.

Ihr Leben passiert Revue, die „wahre Geschichte” entlang der Jahreszahlen eben, und das ist das Problem. Elisabeth ist eine Mutter, die ihre Kinder verliert, eine Magersüchtige, die dem Schönheitskult verfällt, sie ist politische Vermittlerin, Betrogene, Wohltäterin, und irgendwann mag sie den Dichter Heinrich Heine. Da aber mag mancher Zuschauer nicht mehr.

„Ich gehör’ nur mir”, das ist Programm und Fazit, diese Ballade singt Annemieke van Dam als Elisabeth im cremefarbenen Seidenkleid und wirft ihre Stimme mit Vehemenz in den Saal. Szenenapplaus, wie oft an diesem Abend. Auch für das Ensemble, das dynamisch choreografiert die einzelnen Episoden lebendig macht.

Deutsches Theater in Fröttmaning, bis zum 15. 2., Di bis So, 19.30 Uhr, Tel. 54 81 81 81

 

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