Deutscher hilft DFB-Gegner Der Edelstein-Schleifer bei Nigeria

Will mit der nigerianischen Nationalelf ins WM-Viertelfinale: Thomas Obliers. Foto: AZ Sportredaktion

Deutschlands nächster Gegner Nigeria hat einen deutschen Helfer: Thomas Obliers versucht, den Afrikanerinnen defensive Disziplin beizubringen

 

FRANKFURT Mit der Zielgenauigkeit haben es nigerianische Fußballerinnen noch nicht so. Weshalb Thomas Obliers bei Trainingseinheiten, sei es zuerst auf dem Sportplatz der SG Kirchheim in Heidelberg oder nun seit Montag auf der Sportanlage Rebstock in Frankfurt, oft dies befiehlt: Pass, Ablage, Abschluss. Oder auch Abschuss. Denn nicht selten kommt es vor, dass die in zwei Gruppen neben den Torpfosten auf ihren Einsatz wartenden Protagonisten in den grünen Trikots unfreiwillig zur Zielscheibe mutieren. Erst kürzlich hat Nigerias Nummer 15, die auf den Namen Josephine Chiwendu Chukwunonye hört, mit solcher Wucht einen Ball in den Unterleib bekommen, dass den anfangs kichernden Frauen alsbald das Lachen im Halse stecken blieb. Und auch der Mann in Feldherrenpose sich sorgte.

Es ist dann mal gerade noch gut gegangen, was allerdings nicht für das Auftaktspiel gegen Frankreich galt. Nach der 0:1-Niederlage ist der Druck auf den achtfachen Afrikameister vor dem zweiten Gruppenspiel am Donnerstag gegen Deutschland (20.45 Uhr, ARD live) gewaltig, was auch Obliers spürt, der erst im März dieses Jahres von Siegfried Dietrich, dem Macher des 1. FFC Frankfurt, kontaktiert wurde, ob er sich vorstellen könnte, dem nigerianischen Verband als Technischer Berater zu dienen, nachdem Nationaltrainerin Eucharia Uche wegen einer 0:8-Pleite gegen Deutschland aus dem vergangenen November schwer in die Kritik geraten war.

Obliers hatte bis dahin den Frauen-Bundesligisten SC Bad Neuenahr trainiert. „Ich weiß daher ganz gut, was Celia Okoyino da Mbabi kann", sagt der 43-Jährige, der auch beim FCR Duisburg schon lehrte. Er ist ein aufgeschlossener Typ, der sich dem Abenteuer auf Zeit verschrieben hat. „Es ist eine andere Welt, eine andere Mentalität. In Nigeria wird nichts voraus geplant, dafür können sie sensationell gut improvisieren.” Die von Starstürmerin Perpetua Nkwocha und ihren Mitspielerinnen ausgestrahlte Lebensfreude, die sich in spontanen Tänzen und Gesängen, tut auch Obliers gut – so geraten selbst seine Straf-Liegestütz nach dem Torschusstraining zur Lustveranstaltung.

Aber wer glaubt, hier sei nur eine Spaßtruppe unterwegs, der irrt. „Wir wollen auch ins Viertelfinale. Und so groß sind die Unterschiede gar nicht”, insistiert Obliers, „auch deutsche Fußballerinnen hantieren gerne an zwei Handys herum.” Wer aus dem nigerianischen Trainertandem hat eigentlich das Sagen? Eucharia Uche (38) beteuert, sie träfe „die letzte Entscheidung”. Aber auf dem Platz gibt der Deutsche alle Anweisungen. In der nigerianischen Hauptstadt Abuja brachte Obliers dem Team das Verschieben der Viererkette bei, im österreichischen Saalfelden erfolgte der Feinschliff. Schwerpunkt: defensive Disziplin.

Doch sind ihm natürliche Grenzen gesetzt. Neun Spielerinnen stehen bei europäischen Klubs unter Vertrag, davon sieben in Schweden – sie haben in der Vorbereitung oft gefehlt. Die anderen kommen aus der nicht optimal entwickelten Nationalliga Nigerias. „Die sind es nicht gewohnt zielgerichtet zu arbeiten, gerade im athletischen Bereich", so Obliers. So liegt ganz offensichtlich ein Teil des von ihm ausgemachten Riesenpotenzials brach. „Die meisten Spielerinnen Nigerias sind ungeschliffene Edelsteine”, sagt er und ahnt, dass die Zeit nicht ausgereicht hat, sie tatsächlich schon zum Funkeln zu bringen.

 

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