Der Weg des Amokläufers Augenzeugen berichten: Hier hat sich der Täter erschossen

Hier hat sich Täter erschossen, nachdem er am OEZ neun Menschen tötete. Foto: Daniel von Loeper

Ali David S. flüchtet in ein Wohngebiet – und tötet sich selbst auf dem Gehweg. Wie Anwohner das Ende des Amoklaufs erleben.

München - Als der tödliche Schuss fiel, mit dem der Amokschütze Ali David S. sich am Freitagabend selbst richtete, schrak die Rentnerin Isolde M. (72) in ihrer Wohnung zusammen.

"Ich war Minuten vorher über die Tiefgarage hochgekommen, weil mein Mann gesagt hatte, ich soll ja nicht mehr draußen herumlaufen", erzählt sie später der AZ. "Wäre ich wie immer über den Weg draußen gekommen, dann wäre ich dem Täter genau in die Arme gelaufen."

Zu dem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, dass der Amok-Täter vor ihrem Fenster an der Henckystraße stand. Nur wenige hundert Meter nördlich des OEZ, auf der Flucht direkt nach seiner Wahnsinnstat.

"Dann knallten zwei Schüsse"

Auch in den Nebenhäusern war das Krachen zu hören. "Zuerst war da ein lautes Wortgefecht zu hören. Ein Mann schrie. Dann knallten zwei Schüsse", berichtet eine andere Anwohnerin. Der erste Knall dürfte aus der Waffe von Polizisten gekommen sein, die den flüchteten Täter im Wohngebiet aufgespürt hatten. Der Schuss muss den Amokläufer aber verfehlt haben. Noch auf dem Gehweg richtete er seine eigene Waffe gegen sich selbst – und schoss sich in den Kopf.

Sekunden später riefen Polizisten durchs Megafon die Anwohner auf, die Wohnungen nicht zu verlassen. "Die Beamten haben danach den Garten und den Block gestürmt", erzählt die Anwohnerin. "Ich habe noch lang die Funksprüche gehört." Erst am Morgen erfuhr sie, wer vor ihrer Tür gestorben ist.

Isolde M. ist noch immer fassungslos: "Ich hatte noch vor zwei Wochen zu meinem Mann gesagt: Es sind so viele Menschen beim OEZ. Wenn es da mal scheppert, dann wird das schlimm sein." Sie hat auf fatale Weise Recht behalten.

Der Weg des Amokläufers

Foto: Google Earth

Der Weg des Amokläufers Ali David S. – die Blutspur zieht sich einmal quer durchs OEZ: Fünf Menschen erschießt er im McDonald's, zwei davor. Ein weiteres Opfer gibt es dann vor dem Saturn. Danach geht der Täter ins OEZ, wo er ein weiteres Opfer tötet. Anschließend gelangt er auf das Parkdeck, wo er von einem Anwohner aus dem Hochhaus wüst beschimpft wird. Der 18-Jährige schießt weitere Mal um sich, dann verschwindet er in das Wohnviertel nördlich vom OEZ, wo er in der Henckystraße einer Zivilstreife in die Arme läuft – und sich in den Kopf schießt.

 

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