Der tiefe Fall des Felix R. Nürnberger Doppelmord: Wie tickt der Prostituierten-Killer?

Ein Polizeiabsperrband ist in Nürnberg vor einem Tatort gespannt. Innerhalb kurzer Zeit fallen in Nürnberg zwei Prostituierte tödlichen Verbrechen zum Opfer – der Täter ist derselbe, der 21-jährige Felix R.. Foto: NEWS5/Pieknik/NEWS5/dpa/Facebook/AZ

Innerhalb weniger Tage hat Felix R. (21) zwei Frauen umgebracht. Stoppte die Polizei einen potenziellen Serienmörder?

 

Nürnberg - Je mehr Einzelheiten über die Morde an den beiden Prostituierten und den Täter Felix R. (21) bekannt werden, desto mehr drängt sich eine Frage auf: Wie konnte er sich zu einem so skrupellosen Killer entwickeln?

Professor Norbert Nedopil, Forensiker an der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München und Gutachter vor Gericht, kennt Felix R. (21) nur aus den Medien. Aber wie Mörder ticken, weiß er genau. Ihm fallen bei den Prostituierten-Morden zwei Komponenten auf: der Einsatz von Fesseln und der kurze Zeitraum zwischen den Taten.

Für Felix R. scheint das Fesseln der Prostituierten eher nebensächlich zu sein, zumindest stellte er es in der Vernehmung so dar. "Er gab an, dass er im Fall der ersten ermordeten Frau ihr die Fesseln erst nach dem Sex und im Zusammenhang mit dem Streit um die Bezahlung angelegt habe. Im zweiten Fall konnte oder wollte er sich an das Fesseln überhaupt nicht erinnern", so Oberstaatsanwalt Alfred Huber. Zweimal Streit um Liebeslohn, zweimal eine gefesselte und erdrosselte Prostituierte in einer ausgebrannten Wohnung? In einem Punkt ist sich Norbert Nedopil sicher, auch wenn er Felix R. nicht kennt: "Der Streit war allenfalls ein Grund von mehreren, die zu diesen Taten geführt haben."

Der kurze Zeitraum zwischen den beiden Verbrechen an Christi Himmelfahrt und am Pfingstmontag sorgte bereits vor der Verhaftung R.s für Sorgenfalten bei der Polizei. Ein weiterer zeitnaher Mord konnte nicht ausgeschlossen werden.

Der tiefe Fall des Felix R.

Die Frage, ob Felix R. auf dem Sprung zu einer zweifelhaften Karriere als Serienmörder stand, kann auch Norbert Nedopil nicht beantworten. Aber was er durch seine berufliche Erfahrung im Umgang mit Serientätern weiß: "Sicher ist, dass jeder Mord leichter als der vorherige fällt, wenn die Hemmschwelle einmal überschritten wurde."

Serienmörder generieren sich Nedopils Erkenntnissen zufolge eher in einem disssozialen Umfeld. Das würde auf R. zutreffen, der einen persönlichen Absturz erlebte: Streit in der Familie mit einem daraus resultierenden Jugendarrest (zwei Wochen), eine abgebrochene Lehre, berufs- und arbeitslos, ein Dasein im Obdachlosenheim, vier Bewohner in einem Zimmer: Viel tiefer geht es für einen 21-Jährigen nicht. In einer zumindest virtuell düsteren Welt lebte er schon zuvor, wie sein Profil in den sozialen Medien zeigt. Den "Sensenmann" legte er mit 15 als sein Profilbild an. Er liebt gewaltverherrlichende Spiele, Musik mit Todesflair und Actionfilme im Hardcore-Format.

An Christi Himmelfahrt wurde er scheinbar wie aus dem Nichts ein Mörder. Oder wurden Alarmsignale nicht ernst genug genommen? "Wir werden den Gründen sehr genau nachgehen", versichert Staatsanwalt Huber. Dazu gehört auch ein psychiatrisches Gutachten, das von Felix R. mit oder ohne seine Hilfe angefertigt wird.

 

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