Der Stadtviertel-Fragebogen "Das Vorurteil gegenüber Untergiesing stört mich"

Der CSU-Politiker Clemens Baumgärtner ist 1976 im Viertel geboren und bleibt auch in der nächsten Wahlperiode der Vorsitzende des BA Untergiesing-Harlaching. Foto: privat

Clemens Baumgärtner (36) ist im Stadtteil geboren. Er ist Chef vom Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching. Hier beantwortet er den Stadtviertel-Fragebogen der AZ.

 

Was schätzen Sie am Viertel?

* Die Nähe zum Perlacher Forst und zu den Alpen.

* Die Ruhe.

* Die verkehrsgünstige Lage.

* Die gewachsene Bevölkerung. Viele Freunde aus Schulzeiten wohnen hier immer noch.

* Ein weitgehend intaktes soziales Umfeld.

* Eni Grillabend an der Isar.

Wo kann am besten entspannen?

* Im Sommer am besten bei einer kühlen Maß Bier in der Menterschwaige.

* Im Herbst bei bei einem Spaziergangang an der Isar mit einem bunten Farbenspiel.

* Im Winter gehe ich gerne durchden Perlacher Forst. Die Ruhe dort ist unbeschreiblich, wenn noch Schnee dazu kommt, gibt es nichts Schöneres.

* Im Frühjahr ist ist der Tierpark unschlagbar.

Wo gibt es Probleme?

* Die nur schwer aufzuhaltende Verschandelung durch eine viel zu dichte Bebauung

* Immer noch zu wenig Plätze für Kinderbetreuung.

* Teure Mieten und die Verdrängungder angestammten Bevölkerung, gerade in Untergiesing.

* Gesichtslose Neubauten, die strukturelle Veränderung desViertels und die teilweise unbefriedigendeVersorgungssituation.

Was ärgert Sie ganz konkret?

* Es gäbe durchaus Mittel, die sicherlich niemals völlig aufzuhaltende Veränderung im Viertel besserzu steuern. Beispielsweise könnten Bebauungspläne dafürsorgen,dass nicht jeder gesichtslose Klotz gebaut werden darf, nur um dem Bauträger den Gewinn von ein paar zusätzlichen Millionen zu ermöglichen.

* Mit einer besser greifenden Erhaltungssatzung könnte die Gentrifizierung in Untergiesing wesentlich besser in den Griff bekommen werden. Die verhindert aber nicht, dass die Stadt immer wieder Grundstücke im Stadtviertel verkauft.

* Die Chance, hier soziale Projekte wie Kindergärten, Kinderkrippen, betreutes Wohnen oder einfach nur ein Bürgerhaus zu verwirklichen, wird damit verspielt. Manches mal habe ich den Eindruck, dass die sich die Stadt nicht traut, umstrittene aber dennoch wirksame Mittel in die Hand zu nehmen.

Welches Vorurteil über das Viertel nervt Sie am meisten?

Dass Untergiesing ein "Arbeiterviertel" sein soll und in Harlaching die „Gspickten“ wohnen sollen. An einem Arbeiter ist nichts Negatives zu sehen und ich persönlich kenne in Harlaching genügend Menschen, die sicherlich alles andere als reich sind.

Was sind die wichtigsten Projekte dernächsten Jahre?

* Nach dem Auszug von Osram muss eine vernünftige Nachnutzung für dieses riesige Gelände gefunden werden.

* Die immer übler werdende Problematik mit Parkplätzen, gerade auch in Untergiesing jenseits des mittleren Rings muss zwingend in den Griff bekommen werden.

* Mittel- bis langfristig ist die Untertunnelung des mittleren Rings unabdingbar.

* Klarheit sollte endlich über den Neubau des Harlachinger Krankenhauses gewonnen werden.

Und was muss verhindert werden?

* Der Abriss der Heimag-Siedlung. Sie scheint zwar gerettet, so recht glaube ich es aber noch nicht. Das durch das lange Tauziehen um die Siedlung verbundene Signal für allen anderen Münchner Mieter städtischer Wohnungsbaugesellschaften ist jedenfallsfatal. Würde ein solcher Schritt doch bedeuten, dass man sich noch nicht einmal auf städtische Wohnungsbaugesellschaften und deren soziale Ausrichtung verlassen darf beziehungsweise kann.

* Verhindert werden muss auch, dass eine Verdichtung in Untergiesing dazu führt, dass den Menschen keine Luft mehr zum Atmen bleibt und in Harlaching grüne Bäume dem Beton weichen müssen.

Jeder Ort hat einen Schandfleck. Welcher ist das in Ihrem Stadtteil?

Der Blick vom Mangfallplatz auf die verfallene Fassade der ehemaligen "University ofr Maryland".

Angenommen, man dreht einen Film in Ihrem Stadtteil: Welches Genre und Thema würden hier am besten passen? Und welcher Schauspieler?

Eindeutig ein Krimi. Etwa im Stil von Der Alte oder Derrick. Thema könnte das Erbe an einem großen wertvollen Grundstück sind, das ein Bauträger haben will.

* Aber klar: Keine Vorurteile glauben.

* Selbst die Augen aufmachen und das Viertel kennen und verstehen lernen.

* Kontakte knüpfen, zum Beispiel in Vereinen.

* Nie mehr wegziehen!

Beim Stadtteilfest an diesem Freitag, 21. Juli, auf dem Hans Mielich-Platz feiert der BA-Chef mit den Münchnern im Viertel.

 

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