Der Sechser-Schwund Tymoshchuk sieht Rot: Wieder einer weniger bei den Bayern

Frust nach dem mit Rot bestraften Brutalo-Foul: Anatoliy Tymoshchuk (r.) wird von Referee Felix Zwayer des Feldes verwiesen. Foto: Rauchensteiner

Schweinsteiger-Ersatz Tymoshchuk fliegt nach einem dummen Foul vom Platz. Kritik von Heynckes

 

Augsburg - Und da waren es nur noch vier. In jedem Spiel verliert der FC Bayern derzeit einen Sechser, einen Spezialisten fürs defensive Mittelfeld. Beim 2:1 in Augsburg war es allerdings kein Unglück wie beim Schlüsselbeinbruch von Bastian Schweinsteiger im Heimspiel gegen Neapel (3:2), es war eine Dummheit.

Mit offenem Visier und ohne Rücksicht auf die Gesundheit von Daniel Baier sprang Anatoliy Tymoshchuk mit den Stollen voraus in den Zweikampf. Er erwischte ihn, es erwischte ihn selbst: Rot in der Nachspielzeit. „Wenn man so in den Zweikampf geht und zu spät kommt, muss man mit einer Roten Karte rechnen”, gab es eine leichte Rüge von Trainer Jupp Heynckes, „das muss er wissen.” Hat er auch. Ohne zu lamentieren oder protestieren verschwand Tymoshchuk nach dem Foul sofort in der Kabine. Ihm war klar, was er angestellt hatte.

Was den Bayern am Abend gegen den FCA nicht mehr schadete, wird ihnen in den kommenden Wochen weh tun. Man kann von einer Sperre von mindestens zwei bis drei Spielen für den Ukrainer ausgehen. Das DFB-Sportgericht wird am Montag das Strafmaß verkünden – auf jeden Fall fehlt der 32-Jährige am 19. November im Spitzenspiel gegen Meister Dortmund in der Allianz Arena. Ein Spiel, das den Trend für den Rest der Saison vorgeben könnte. „Wir müssen den BVB schlagen, um den Abstand zu vergrößern und auch, um ein Zeichen zu setzen”, forderte Sportdirektor Christian Nerlinger, „doch in Sachen Personal darf bis dahin in der Länderspielpause nicht mehr viel passieren.”

Nun stehen dem Coach als Abräumer und Aufbauspieler nur noch David Alaba, der Schweinsteiger ordentlich vertrat, und Luiz Gustavo, gestern erst nach 68 Minuten eingewechselt, zur Verfügung – plus Toni Kroos, den Heynckes jedoch offensiver agieren lassen will, plus Danijel Pranjic. Doch der Kroate kam in dieser Saison nur im Pokal gegen Ingolstadt (6:0) von Beginn an zum Einsatz. Kroos als Sechser wäre die in der Nationalelf praktizierte Löw-Variante.

„Daran sieht man, wie schnell es gehen kann”, sagte Christian Nerlinger, „unser Kader ist gut strukturiert, aber wir haben sicher keine überhohe Quantität.” Deshalb will der Sportdirektor im Winter auch keinen Spieler abgeben.

Die Alternativen schwinden. Damit können Spieler auch keine wertvollen Pausen mehr einlegen. „Es ist bitter für die Mannschaft, dass Anatoliy jetzt fehlt”, meinte Kapitän Philipp Lahm. Doch Heynckes reagierte einigermaßen gelassen: „Das ist sehr schade. Das macht die Sache nicht einfacher, aber wir werden uns was einfallen lassen.”

Mit dem Debüt von Alaba als Schweinsteiger-Ersatz waren alle zufrieden, der Österreicher bekam viel Lob, obwohl er sich einige Ballverluste in der zweiten Halbzeit geleistet hatte. „Er hat sich reingehauen, gekämpft und einen guten Job gemacht”, sagte Nerlinger. Alaba selbst ging kritischer mit sich um: „Ich muss mich noch steigern, mich weiterentwickeln.” Ein Stammplatz dürfte ihm nun sicher sein. Dank Schweinsteigers Pech und Tymoshchuks Dummheit.

 

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