Der Schauspieler im Interview Peter Sattmann: "'Ihr müsst euch verlieben!' - aber ich habe die Nase voll"

Peter Sattmann hat das Internet nicht verschlafen Foto: imago stock&people

Schauspieler Peter Sattmann hat der Liebe abgeschworen. Warum, hat er im Interview verraten. Dafür ist er anders als viele in seiner Generation in Sachen Internet und Co. ganz vorne mit dabei.

 

Berlin - Der Überraschungserfolg "Abgeschminkt!" mit Peter Sattmann (66, "Mann tut was Mann kann") und Katja Riemann (50, "Stadtgespräch") kam 1993 ins Kino. Im selben Jahr wurde auch die gemeinsamen Tochter Paula Riemann (20, "Die Wilden Hühner") geboren. Ein Paar waren Riemann und Sattmann von 1990 bis 1998. Warum der Technik-affine Schauspieler und Musiker, der am Sonntag in der Dora-Heldt-Bestseller-Verfilmung "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!" (20.15 Uhr, ZDF) zu sehen ist, der Liebe abgeschworen hat, er Paula und seiner älteren Tochter (*1970) dennoch dringend dazu rät, hat er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verraten.

Sind Sie schon mal auf ein Gewinnspiel hereingefallen?

Peter Sattmann: Ich bin zwar ein Spieler ohne Ende, aber auf so etwas bin ich noch nicht hereingefallen - meine Mutter trotz meiner Warnungen dagegen sehr häufig.

Warum sind ältere Leute so oft taub auf diesem Ohr?

Sattmann: Sie sind in einer Zeit großgeworden, in der man noch gutgläubig sein durfte. Damals war noch kein Medium dazwischengeschaltet. Es gab zwar auch Betrüger, die Abos verkauft haben, die mussten aber an der Haustür klingeln.

Apropos Medien, wie Internet-affin sind Sie?

Sattmann: Ich bin ein Pionier und war einer der ersten, die online gingen. Ich hatte noch Akustikkopplung: Da hat man den Telefonhörer auf eine Schale gelegt und dann purzelten die Bits einzeln durch. Es dauerte eine halbe Stunde bis eine Textseite auf dem Bildschirm war. Ich habe die ganze Entwicklung mitgemacht.

Dann haben Sie ja großes Glück gehabt, dass Sie die Bedeutung des Internets gleich erkannt haben.

Sattmann: Das stimmt, meine Generation hat mit Computern eigentlich nichts zu tun. Bei mir liegt es daran, dass ich immer auch Musik gemacht habe. Die meisten Musiker haben Ende der 1980er Jahre damit angefangen, den Computer als Aufnahmegerät zu nutzen - ich auch.

Und an wen wenden Sie sich, wenn Sie doch mal eine Frage haben?

Sattmann: Ich bin Autodidakt.

Haben Sie Angst vor einem Shitstorm?

Sattmann: Das habe ich zum Glück noch nicht erlebt. Ich kenne es nur, dass die Presse über mich oder meine Lieben herfällt. Bei Facebook bin ich zwar schon, ich habe meine Freunde aber auf ein Dutzend begrenzt. Das sind nur die, mit denen ich auch im realen Leben in Kontakt bin. Man kann diese Sozialen Netzwerke nutzen, man muss nur innerhalb des Netzwerkes sein eigenes kleines Netz haben und das nicht auf 5000 Freunde ausweiten.

Senioren im beigefarbenen Einheitslook einerseits, andererseits gibt es inzwischen unheimlich attraktive 60plus Damen und Herren. Wie erklären Sie sich das?

Sattmann: Diejenigen, die jetzt älter sind, waren während der 1968er jung und damit ganz anders jung. Bei der Generation davor kamen die älteren Menschen aus dem Krieg. Ich glaube, dass das, was in der Spätpubertät wichtig war, wichtig bleibt, bis man im Seniorenheim ist.

Machen Sie reine Männer-Urlaube?

Sattmann: Nein, das mag ich nicht. Ich mag aber auch Frauenfreundschafen nicht, bei denen ich merke, die reden intimer miteinander als mit ihrem eigenen Partner. Genauso komisch finde ich es, wenn Männer eine Ebene haben, die intimer, ehrlicher und wahrhaftiger ist, als sie sie zu ihren eigenen Frauen haben. Das kann zerstörerisch sein für eine Beziehung, denn der eigene Partner sollte der intimste sein. Trotzdem gibt es ohne Ende Stammtische und Kaffeekränzchen...

Warum sind lebenslange Beziehungen heute so schwierig?

Sattmann: Früher ist man gar nicht so alt geworden. Außerdem sagt mein Lieblingsverhaltensforscher Desmond Morris: "Liebe ist ein Paarbildungstrieb, der dazu dient, die Jungen großzuziehen". Wenn die Jungen groß sind, ist es also nicht mehr vonnöten, zusammenzubleiben. Weil die Kinder heute aber so lange im Nest bleiben, muss man noch zusammenhalten, obwohl dieser Trieb schon gar nicht mehr da ist.

Sollte man eine Affäre verzeihen?

Sattmann: Ich habe der Liebe abgeschworen - für die Freundschaft. Denn die Liebe birgt immer auch den Hass. Wenn man in der Liebe verletzt wird, wird es furchtbar. Liebe bedeutet immer auch Besitzanspruch. Freundschaft kann man teilen, die macht auch nicht eifersüchtig. Das gilt natürlich nicht für junge Leute. Meinen Töchtern sage ich immer: "Ihr müsst euch verlieben, verlieben, verlieben!" - aber ich habe die Nase voll.

Ob das so bleibt, werden wir ja dann lesen...

Sattmann: Klar, man kann nichts garantieren. Aber ich bin ja trotzdem erfüllt mit Liebe, der Liebe meiner Töchter, meiner Hunde...

Wie gehen Sie mit schlechten Kritiken um?

Sattmann: Seit meine Eltern nicht mehr leben, ist es mir vollkommen egal, was über mich in den Zeitungen steht. Am Theater gibt es aber auch richtig seriöse Kritiker, deren Meinung man ernst nehmen kann. Eine schlechte Kritik ist dann nicht unbedingt schlecht, es wird halt kritisiert, dass man beispielsweise irgendetwas nicht verstanden hat. Anders viele TV-Kritiken: Wenn die damit anfangen, dass die Quote schlecht war, kann ich das nicht ernst nehmen und lese auch nicht weiter.

Was halten Sie dann von dem Markus-Lanz-Bashing der letzten Monate?

Sattmann: Bei seinen Talkshows gucke ich oft rein, weil mich die Gäste interessieren. Auch finde ich Markus Lanz richtig gut, wenn er jemanden mag. Dann ist er charmant und bringt die Menschen zum Reden. Ich habe mich aber auch immer mal wieder wahnsinnig über ihn geärgert: Wenn er jemanden nicht mag, hochgehenlassen will oder sich besonders gescheit fühlt.

Haben Sie die Lanz-Talkshow gesehen, in der Schauspielerin Katrin Sass den Dschungelcamp-Gewinner Peer Kusmagk dafür kritisierte, dass er in der RTL-Show mitgemacht hat?

Sattmann: Ja. Aber da fand ich Ihre Argumentation auch furchtbar. Ich mag das Dschungelcamp auch nicht, aber ich kann jeden Menschen verstehen, der Geld braucht. Da geht man auch in den Dschungel...

Von welchem Autor würden Sie sich gerne ein Buch signieren lassen?

Sattmann: Von dem polnischen Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem und von Stephen King.

 

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