Der P1-Boss und seine Frau heiraten endlich "Es ist viel mehr als die große Liebe"

Nach 29 Jahren trauen sie sich endlich - und sind auch etwas aufgeregt: Franz Rauch und Nora Goller heiraten am Donnerstag. Foto: API/Michael Tinnefeld

Nach 29 Jahren, drei Kindern und fünf Anträgen sagen P1-Boss Franz Rauch und seine Nora „Ja“. Wie kommt’s?

 

München - Nach langem Hin und Her“ – so drücken es Franz Rauch und Nora Goller (beide 51) kurz und knackig auf der Einladung aus. Ansonsten stehen da noch ihre Vornamen auf dem silbernen Kärtchen, dazu Datum und Ort. Ende. Mehr Infos gibt es nicht. Dabei haben der P1-Big-Boss und die Designerin so viel zu erzählen.

Nach 29 Jahren, drei Kindern (26, 23, 21) und fünf Anträgen hat sie endlich „Ja“ gesagt. Am Donnerstag wird geheiratet und dort gefeiert, wo alles begann. Im P1. Deutschlands berühmtester Club schreibt Nacht für Nacht viele Geschichten – diese mag eine der schönsten sein. In der AZ erzählen Nora und Franz sie.

AZ: Liebe Frau Goller, lieber Herr Rauch, ist im P1 die L1 doch möglich – also die eine große Liebe?

NORA GOLLER: Ob das die große Liebe ist bei uns, weiß ich nicht – es ist viel mehr. Es ist nicht toujours Schmetterling. Es ist eine große gewachsene Vertrauensgeschichte. Wir haben schlimme Schicksalsschläge überstanden, sind durch Dick und Dünn gegangen. Zwischendrin hat der Franz einige Hochzeits-Anläufe gewagt, ich will nicht aufzählen, wie viele.

FRANZ RAUCH: Es waren fünf.

GOLLER: Den ersten Antrag hat er mir, wir waren gerade frisch zusammengezogen, schriftlich gemacht: „Ich möchte mit dir eine Familie gründen und ich möchte dich heiraten.“

Eigentlich sehr nett.

GOLLER: Aber zu früh. Ich dachte, dass mach ich jetzt nicht. Weil ich ihn noch nicht so gut kannte. Er war ja damals schon ein Club-Besitzer und ich zweifelte, ob das was werden kann. Dann kamen die Kinder, die Firma, die Arbeit.
Waren Sie beleidigt nach dem ersten „Nein“?

RAUCH: Ach, nö.

GOLLER: Es war gut, er musste um mich kämpfen.

RAUCH: Bei der Hochzeit einer Freundin versuchte ich es nochmal, dann nochmal . . .

GOLLER: . . . und an meinem 38., da merkte ich, wie nervös du warst. Wurde wieder nix.

RAUCH: Beim fünften Anlauf hat es endlich hingehauen.

Warum?

GOLLER: Weil es jetzt eine wunderbare Liebeserklärung ist. Ich finde, aus diesem Grund sollte man heiraten. Aus Liebe. Nicht aus Sicherheitsdenken oder weil ein Kind unterwegs ist, sondern weil sich zwei Menschen lieben.

RAUCH: Es ist ja nicht selbstverständlich. Wir haben eine neue Stufe in unserer Beziehung erreicht. Unsere drei Kinder sind aus dem Haus, starten erfolgreich ins Leben und wenn man dann als Eltern daheim sitzt und sich beim Schlabbern der Suppe noch tief in die Augen schaut und es funktioniert alles, dann ist das großartig.

GOLLER: Wenn man sich frisch kennenlernt, ist man verliebt. Dann kommt ein bisschen die Ernüchterung. Es folgen, wenn man nicht heiratet, die Kinder. Eine große Probe. Eine genauso große Probe für die Beziehung ist es aber auch, wenn die Kinder alle aus dem Haus sind. Wir dachten, es fühlt sich jetzt gut an, zu heiraten. Ein schöner Zeitpunkt.

Was sagen die Kinder?

RAUCH: Die glauben es erst, wenn der Donnerstag vorbei ist.

Kaum einer Ihrer Gäste ist so lange mit einem Menschen zusammen – und treu. Warum klappt’s bei Ihnen?

RAUCH: Wer im Nachtleben arbeitet, braucht verdammt viel Vertrauen.

GOLLER: Oh, ja, Vertrauen ist neben der Liebe das wichtigste. Nicht gleich aufgeben. Und: reden. Wir reden wahnsinnig viel. Wir sind explosiv und laut. Deshalb streiten wir auch wahnsinnig viel.

RAUCH: Übers Geschäft.

GOLLER: Und Unstimmigkeiten im Alltag. Wir gehen uns gegenseitig auf die Nerven. Ich bin mal zickig, weil er was weggeräumt hat. So Sachen. Aber bei uns ist nie jemand beleidigt. Das ist die Kunst. Die eigene Eitelkeit mal wegstecken. Nicht alles auf die Goldwaage legen – sonst passiert es, dass man sich auseinanderdiskutiert. Wir hatten Phasen, wo wir uns überhaupt nicht verstanden haben. Wo man sich fragt, ist es das? Ich bin kein einfacher Mensch. Aber wir haben immer die Kurve gekriegt.

RAUCH: Stimmt, das ist toll. Wir sind in all den Jahren nie im Streit ins Bett. Das ist außergewöhnlich. Wobei ich es auch nicht als absolutes Klischee ansehe, dass man sagt: Ich lern meine Frau in der Disco kennen und dann, nach 29 Jahren, heirate ich sie. (beide lachen) Hätte ich damals nie gedacht.

Wie war das damals? Liebe auf den 1. Blick?

GOLLER: Überhaupt nicht. Der Franz mag mich gesehen haben, aber ich hab ihn gar nicht wahr genommen. Ich hab als Model gearbeitet, war viel im Ausland. Wenn ich in München war, dann im P1. Der Franz war da noch nicht so kommunikativ wie heute. Er stand immer hinter der Tür und hat seinen Mund nicht aufgekriegt. Ich dachte oft: Was ist denn das für ein Büffel? Doch ich hatte eine Freundin, die ihn gut kannte. Über die lief das auch mit der Wohnung. Franz hat uns beiden Mädels und einer anderen Freundin eine Wohnung besorgt. Nicht ganz ohne Hintergedanken.

RAUCH: Über einem Laden, dem Havanna-Club, habe ich netterweise diese Model-WG einquartiert.

GOLLER: Das war eine coole Geschichte. Wir lebten in einer Art Kommune. Alle waren gut drauf, haben viel gefeiert, viel getrunken. Nebenbei konnte sich der Franz von hinten an mich ranpirschen.

RAUCH: Ich hab einfach alles richtig gemacht. (grinst)

GOLLER: Obwohl ich ihn am Anfang gar nicht wollte. Aber der Franz ist mit einer akribischen Genauigkeit an mir drangeblieben und hat mich irgendwie überzeugt.

RAUCH: Nach einem Jahr hat’s geklappt, dann ging’s auch schnell – abgesehen von unserer Hochzeit.

Wie wird die Hochzeit, wenn man sich so lange kennt?

GOLLER: Unkitschig. Kein weißes Kleid, keine Torte, kein gesetztes Essen. Eine Party passt zu uns.

RAUCH: Nicht irgendeine. Eine richtig geile Party.

 

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