Der OB zieht um Das große Wahlabenteuer des Christian Ude

OB Christian Ude packt im Rathaus seine Sachen zusammen und zieht in sein Wahlkampfbüro am Oberanger. Foto: Gregor Feindt

Der OB packt seine sieben Sachen ein und zieht ins Partei-Büro. Er hat sich für den Wahlkampf unbezahlten Urlaub genommen.

 

München - Endlich Ferien. Anzug aus und Strohhut auf! Was vielen Menschen das Leben mußevoll versüßt, ist für einen knochenharte Arbeit, auch wenn jetzt endlich Sommer ist. Für Christian Ude.

Ab Montag geht der OB für zwei Monate in unbezahlten Urlaub: „Dann mache ich das, was andere seit zwei Jahren aus ihren Ministerien und mit Armeen von Propagandisten machen – nämlich Wahlkampf.“ Aber er will OB-Amt und Landtags-Wahlkampf „strikt und sauber trennen“.

Ein großer Journalistenpulk begleitete Ude am Freitag bei seinem Umzug vom Rathaus in sein neues Büro in der SPD-Zentrale am Oberanger. Jetzt ist er frei für den Wahlkampf und muss das nicht mehr neben einem 60-Stunden-Job machen. Landauf, landab hat er schon mehrere hundert Termine gehabt. „Da bin ich oft spät in der Nacht nach Hause gekommen, noch ein Glas Rotwein – und morgens um sechs Uhr wiederaufstehen.“ Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Urlaub des OB.

Was kostet ihn der unbezahlte Wahlkampfurlaub? Ude: „Ich bekomme etwas über 6000 Euro monatlich netto überwiesen.“ Obendrein hat er nach seinem 65. Geburtstag 30.000 Euro an die Landes-SPD gespendet.

Muss ihn jetzt seine Frau Edith ernähren? (lacht) „Nein, ich habe genug gespart, um über die Runden zu kommen.“

Ist er jetzt komplett für zwei Monate aus dem Haus?  Ude hat unbezahlten Urlaub bis zum 16. September – dem Tag der Landtagswahl. Er hat aber zwischendrin auch Rathaus-Termine: So ist er am Montag als OB bei der Grundsteinlegung des Siemens-Neubaus. Falls es Probleme gibt, ist er ständig für sein Büro erreichbar.

Wer regiert München jetzt? Wie in allen Ferien des OB vertreten ihn die Bürgermeister Christine Strobl (SPD) und Hep Monatzeder (Grüne). Sind die auch nicht da, rücken die Fraktionschefs nach.

Wann kommt Ude wieder? Auf alle Fälle am Montag, 16. September, am Tag nach der Landtagswahl. „Die Frage ist nur, komme ich für wenige Wochen zurück oder für mehrere Monate, bis die Amtszeit als Oberbürgermeister Ende April 2014 regulär endet.“
Wenn er Chancen hat, Ministerpräsident zu werden, ist er noch bis zur Ministerpräsidentenwahl Mitte Oktober im Rathaus. Dann regieren wieder seine beiden Stellvertreter, bis am 2. Mai der alte Stadtrat abgelöst wird.

Darf Ude so lange wegbleiben? „Ja, das steht im Gesetz.“ Wenn nach dem Amtsverzicht bis zur Rathaus-Wahl am 16. März nur ein halbes Jahr liegt, muss die OB-Wahl nicht vorgezogen werden. So einen Sonderurlaub darf jeder Beamte nehmen.

Was passiert in seinem Büro? „Ich kann dann endlich ein normaler Mensch sein und zu normalen Zeiten nach Hause gehen,“ freut sich Udes Assistentin Christine Rauch: „Aber das Büro ist die ganze Zeit über regulär besetzt. Das Geschäft geht doch weiter, es kommen Mails, Post und Anrufe.“ Udes engste Mitarbeiterin macht Teilzeitarbeit, um Ude im Wahlkampf begleiten zu können, ohne dass es Konflikte mit ihrem Rathaus-Job gibt.

Wer zapft auf der Wiesn an? Ude: „Auf jeden Fall ich, egal wie die Wahl ausgeht.“ Wiesn-Start ist eine Woche nach der Landtagswahl am 21. September – und einen Tag vor der Bundestagswahl.

Macht in der SPD eigentlich noch einer Wahlkampf außer Christian Ude? Ude grinst: „Die Frage birgt die Antwort schon in sich.“ Aber er bekommt hochkarätige Unterstützung: Kraft, Steinbrück, Steinmeier – alle helfen ihm. „Man wird mich nicht beim Däumchendrehen im Liegestuhl sehen.“

Mit welchem Wahlergebnis rechnet er? „Ich habe nach wie vor die Hoffnung und Erwartung, dass es fünf Prozent mehr werden als bei der vorigen Landtagswahl. Das wären 23,7 Prozent. Da ich aber ein Freund runder Zahlen bin, wären mir 25 Prozent lieber.“ Aktuelle Umfragen sehen die SPD bei 19 Prozent. Aber: „Keine Umfrage kann mir die Stimmung vermiesen“. Er glaube fest an den Regierungswechsel.

Was macht Ude in dieser Zeit? Der Kalender ist schon voll durchgetaktet – inklusive ein paar Tagen, die (noch) frei sind, um sich mal zu erholen.

Wo arbeitet er jetzt?
In einem kleinen Büro in der SPD-Zentrale am Oberanger: Mit einer schwarzen Sitzgruppe, einer Bayern-Fahne und einem Bild des ersten bayerischen SPD-Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner.

Am Oberanger wurde er mit Applaus empfangen. Jetzt ist Ude da, wo ihn die SPD jahrzehntelang haben wollte, und worüber er immr nur schallend gelacht hatte.


Was hat er beim Umzug mitgenommen? Seine Bücher (Chefsache, Pinselohrschwein), einen Bocksbeutel, den bayerischen Sparlöwen, vier Ude-Tassen und diverse rote Kulis.

Hat er weiteren Urlaub? Im Januar und Ende Mai hat er jeweils eine Woche Urlaub gehabt. Den Rest erst nimmt er nach der Wahl: „Zum Entspannen – oder um die Koalitionsverhandlungen zu führen.“

Was bringt die Zukunft? "Natürlich wird mir jetzt sukzessive klar, dass die 20jährige Ära vorüber geht und ich in wenigen Monaten wie ein Tourist vor dem Rathaus stehe und weiß, dass ich darin keinen Arbeitsplatz mehr habe.“

 

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