Der nächste Streich von Jaguar F-Type Coupé: So richtig schön schnell

Geschlossene Variante: Nach dem F-Type Roadster bringt Jaguar am 12. April das Coupé auf den Markt. Foto: Hersteller

Mit dem F-Type Coupé auf dem Nürburgring. Es gibt schlimmere Jobs für einen Autotester – denn der Brite ist ein echter Sportsfreund.

 

Adenau - Es braucht weder Achterbahn noch Karussell, um am Nürburgring Spaß zu haben. Vielleicht ist das die einfachste Erklärung dafür, warum der Versuch, die Rennstrecke in einen Erlebnispark zu verwandeln, in einem Millionen-Desaster endete.

Uns jedenfalls genügte ein feiner Sportwagen um zu entdecken, dass sich ein Besuch in der Eifel immer noch lohnt. Schon die Aufwärmrunde auf der 5,148 Kilometer langen Grand-Prix-Strecke macht Lust auf mehr.

Noch brabbelt der 550 PS starke Achtzylinder ziemlich leise vor sich hin, doch beim Schalten röchelt er unüberhörbar und bettelt förmlich um mehr Gas. Bei der ersten schnellen Runde faucht und brodelt es dann in den Brennräumen, als würde demnächst ein Vulkan ausbrechen.

Doch die Eifel ist längst erkaltet. Was hier glüht, ist nur der Abgasstrang.

Das Fahrwerk geht überraschend lässig mit der brachialen Kraft an der Hinterachse um. Fast neutral folgen die Räder der Spur, geführt von einer Lenkung, die präziser kaum sein könnte. Die Gänge wechselt eine Achtstufen-Automatik so intelligent und so blitzschnell, dass man neidlos anerkennen muss, dass es manuell nicht besser ginge.

Der Sportwagen, der hier eine so beeindruckende Figur abgibt, ist das neue Jaguar F-Type Coupé. Es folgt dem erfolgreichen Roadster, der schon jetzt als „Eroberer“ im Modellprogramm gilt. Drei von vier Käufern waren vorher mit einer anderen Marke glücklich. Das ist für jeden Marketing-Boss ein Traumwert, den das Coupé freilich noch übertrumpfen soll.

Das könnte leicht passieren, denn der geschlossene F-Type hat so unverschämt verführerische, in Aluminium gegossene Proportionen, dass jeder Vergleich in einer unzeitgemäßen sprachlichen Sackgasse enden würde.

Belassen wir es deshalb dabei, dass Designer Ian Callum auch beim Interieur stilsicher die sportliche Tradition der Marke dezent zitiert und zielstrebig weiterentwickelt hat.

Die Mär von den klar gezeichneten, gut ablesbaren Rundinstrumenten, hier stimmt sie wirklich.

Technisch zeichnet das Coupé eine enorme Karosserie-Steifigkeit aus, die den Wert des Roadsters um 80 Prozent übertrifft. Damit ist der Zweisitzer der verwindungssteifste Jaguar aller Zeiten, was diese stoische Ruhe in schnellen Kurven erklärt.

Nachgeschärft hat Jaguar zudem beim Spitzenmodell F-Type R (103700 Euro), das mit der zweiten Generation der aktiven Hinterachsdifferentialsperre ausgerüstet ist.

Dass es nicht unbedingt der Achtzylinder sein muss, haben die beiden Sechszylinder auf Landstraßen rund um die Nürburg unter Beweis gestellt. Auch mit 340 PS (ab 67 000 Euro) ist der F-Type ein Vollblut-Sportwagen. Das etwas stärkere S-Coupé mit 380 PS kostet ab 78 500 Euro. Die Normverbräuche (8,8 bis 11,1 Liter) sind – wenn überhaupt – nur mit äußerster Charakterstärke zu erzielen: Mit einem Gasfuß, der sich selbst verleugnet.

Damit es auch mit der Verzögerung klappt, gibt es auf Wunsch für die beiden stärkeren Modelle Karbon-Keramik-Bremsen mit gelb lackierten Bremssätteln zum Preis eines Kleinwagens (ab 8960 Euro).

Die wichtigste Taste im F-Type bleibt jene, mit der ein Bypass-Ventil geöffnet wird. Das verkürzt die Abgasanlage, wodurch „der Sportwagen auch bei niedriger Drehzahl akustisch auf sich aufmerksam macht“. Sagt Jaguar.

Man könnte auch sagen, dann faucht der F-Type wie eine Wildkatze. Aber eigentlich sollte man diese platte Anspielung bei einer Jaguar-Geschichte grundsätzlich vermeiden.

 

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